Warten auf den Frühling
16.03.2009 | 19:00 Uhr 2009-03-16T19:00:00+0100
Der Schlosspark schlummert noch im Winterschlaf. Osterglocken und Krokusse halten sich vornehm zurück. Gräfin Catherine von Merveldt zeigt ihre Lieblingsplätze.
Es gibt einen Ort im Schlosspark, zu dem „pilgern” Graf und Gräfin von Merveldt. Es ist ein etwas verwunschener Platz an der Grenze zwischen Park und Schlosswald. In der Stille des frühen Märztages steht die alte Stieleiche dort mit ihren knorrigen Ästen im difusen Licht. Wenn sie doch nur erzählen könnte aus ihrem rund 200-jährigen Leben. Sie weiß bestimmt von so manchem Techtelmechtel junger Liebender im Schutze des Waldes. Aber der alte, bizarre Baum schweigt beharrlich und versetzt den Betrachter in eine irgendwie geheimnisvolle Stimmung.
Gräfin Catherine von Merveldt lächelt. Sie hat erkannt, dass sich ihre Besucher in den Bann des Parks von Schloß Lembeck haben ziehen lassen und setzt den Spaziergang mit ihnen fort. „Die Natur hat so viel zu bieten, wenn man nur genau hinschaut”, sagt sie.
Meteorologisch ist es längst Frühling. Doch der will sich partout noch nicht einstellen. Auch wenn die Sonne sich einige Male kurz hinter den Wolken blicken und ihre Kraft spüren lässt, ist es kalt. „Normalerweise”, sagt die Gräfin, „müsste jetzt alles gelb sein, die Osterglocken und die Krokusse blühen. Aber die Natur ist gut drei, vier Wochen hinter der Zeit zurück.”
„Vielleicht aber”, führt sie fort, „sind wir durch die milden Winter der vergangenen Jahre auch nur verwöhnt. Wenn die Temperaturen nun über zehn Grad steigen, dann marschiert die Natur.” Dann werden die Besucher des Schlossgartens eine wahre Blüten-Explosion erleben. Die Osterglocken, von denen erst ein paar ihre Kelche zeigen, die Krokusse, die sich noch nicht so wirklich trauen, die Köpfe durch den Boden zu stecken, und der Falsche Jasmin, der noch gar nichts von seiner gelben Pracht zeigt, werden das Wasserschloß Lembeck in ein strahlend gelbes Blütenmeer tauchen.
„Noch aber gibt es viel zu tun im Garten”, sagt die Schlossherrin, „vor allem die Rosen müssen noch deutlich zurückgeschnitten werden.” Und wer nun glaubt, dass eine Brigade Gärtner Hand am Schlosspark anlegt, der glaubt falsch. Catherine von Merveldt höchstpersönlich, die Hausmeister-Frauen Erika Ruhland und Sabine Gerling sowie ein junger Mann fürs Rasenmähen und den Baumschnitt sind die „guten Geister” des Schlossparks – allesamt Hobbygärtner. Die Gräfin, deren Familie aus Belgien stammt, ist als Kind mit Gartenarbeit groß geworden. Mit ihrer Leidenschaft für die Botanik reiht sie sich zwischen die vielen adeligen Frauen ein, die auf Schlössern und Landsitzen für prachtvolle Gartenanlagen sorgen.
Das Wahrzeichen des Schlossgartens ist der Rhododendron, der auf dem Moorboden besonders gut gedeiht. „Rund 200 Sorten wachsen im Park und jährlich wird nachgepflanzt”, sagt die Gräfin. Im Mai/Juni ist die Hauptblüte – in diesem Jahr wohl eher später. „Ich bin dann immer wieder aufs Neue fasziniert. Vieles sieht gleich aus, aber nur auf den ersten Blick”, schwärmt Catherine von Merveldt und zuckt mit den Schultern bei der Frage, wieviel Zeit sie für den Garten aufbringt. „Mein Mann sagt, ich sei mit dem Garten verheiratet. Dann sage ich, und du mit deinem Wald.”
Bei der Gestaltung des Gartens, der in den schlosseigenen Wald übergeht, legt die Gräfin sehr viel wert auf die farbliche Komposition. „Das muss zusammenpassen. Zu einem Orange-Rot kann ich kein dunkles Rot setzen”, erläutert sie. Letztendlich aber sei alles eine Frage des persönlichen Geschmacks: die Farben, das Drapieren der Blüten, die Anordnung von Sträuchern und Bäumen im weiten Park.
Am Ende des Spaziergangs zieht der Wassergraben das Interesse auf sich. Auch wenn der Wind gerade weht, spiegelt sich das Schloss auf der leicht welligen Oberfläche – etwas verschwommen, geheimnisvoll. Und am anderen Ende des Parks hütet die alte Eiche weiter ihre Geheimnisse.
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