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Ingo Börchers

Von entfernten Verwandten und dem Reise-Sarkophag

12.02.2012 | 15:53 Uhr
Von entfernten Verwandten und dem Reise-Sarkophag
Ingo Börchers gastierte mit seinem Solo „Die Welt ist eine Google“ im Gemeinschaftshaus.

Barkenberg.„Wasser kann man trinken – man kann es aber auch lassen“: Der große Heinz Erhardt ließ grüßen am Freitagabend im Gemeinschaftshaus. Sicher eine gute Wahl, denn an den Sprachspieler erinnerte mancher Satz, der zu Ingo Börchers Solo „Die Welt ist eine Google“ gehörte. „Das ist nicht Sächsisch, sondern die Wahrheit.“

Denn der Bielefelder, dem stets eine Mischung aus „Mitgefühl und Häme“ entgegenschlage, jonglierte gekonnt mit Worten. Seine Lacher zog er aus dem Verdrehen bekannter Weisheiten oder dem Bau schöner Sätze, deren Pointen oft im ähnlichen Klang deutscher und englischer Begriffe steckten. Beispiel: „Was Hänschen nicht lernt, kann Hans nicht mehr gebrauchen“ oder der Name seines Solos. Oder: Wer bei Facebook Freunde lösche, könne mit Fug und Recht von entfernten Verwandten sprechen. Ingo Börchers machte sich im GHW zum vehementen Fürsprecher des gepflegten wiewohl niveauvollen Kalauers.

Eine weitere Erkenntnis: Es gibt keine festen Regeln mehr, stellte Börchers bedauernd fest. Alte Grundsätze weichen auf, und „den Finanzbeamten geht es gar nichts an, wie ich veranlagt bin“. Wohl wahr.

„Ich schweife ab.“ Also zurück zum Thema, dem Internet, dieser virtuellen Welt voller Verheißungen und Lockungen, die alle ihren Preis haben. Nicht nur finanziell, manchmal kommt’s noch dicker. „Ich lass mir zu schnell etwas andrehen“, gab Börchers zu. Den bekennenden Hypochonder (stets die Bachblütennotfall-Tropfen im gewaltigen Reisegepäck) konnte sogar seine ISB, die Intensiv-Sozialpartnerin sprich Freundin, kaum vor derlei Nonsens bremsen.

Immerhin: Seine riesige Hightech-Zahnbürste im praktischen „Reise-Sarkophag“ brachte er gleich mit. Aber wer wird mit dem ganzen Schnickschnack glücklich?: „Es hat doch alles keinen Sinn.“ Da Börchers erleben musste, was Wasser-Sommeliers für Arbeit halten, konnte er auf diesen Gedanken kommen.

Oder auf ganz andere. Wer der blonden Fernseh-Nervensäge Katzenberger den Satz unterjubelt „woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage“ hat keineswegs resigniert. Zumal sich doch im Baumarkt „als Internet der analogen Welt“ schöne Scherze treiben lassen.

Zuletzt blieb wohl diese Erkenntnis des intelligenten Abends, den Börchers mit einigen Zugaben beschloss: Internet? Bin dafür, muss aber nicht sein.

Andreas Rentel

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