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Teich bekommt ein steiniges Bett

14.01.2013 | 17:56 Uhr
Teich bekommt ein steiniges Bett
Mit Steinmatratzen wird die Gasleitung in dem durch Bergsenkung entstandenen See abgesichert.Foto: Franz Meinert

Hervest. Den blödesten Job von allen hat entschieden jener Mitarbeiter, der bis zu den Oberschenkeln im eiskalten Wasser steht. Seine drei Kollegen sind wenigstens nur mit den Füßen drin. Es ist wirklich kein Wetter für diesen Job: In dem Tümpel, der im Marienviertel durch Bergsenkung entstanden ist, werden seit Montag früh Steinmatratzen gelegt, um die dort verlaufende Gasleitung unten zu halten.

„Wir betreiben hier Prävention“, erklärt Dr. Andreas Papsch, Projektleiter der Open Grid Europe vor Ort. Die aus den 70-er Jahren stammende Leitung hat einen Durchmesser von 800 mm, wird mit 60 bar betrieben und sichert den Gastransport ins Ruhrgebiet und in die südliche Region. Durch Bergsenkung ist hier aber im Laufe der Jahrzehnte ein Teich direkt an der Bahnlinie nach Borken und Coesfeld entstanden, an dessen Rand die Gasleitung zwar immer noch tief unten liegt, auf Dauer aber nach oben treiben und auf dem Wasser „schwimmen“ könnte.

850 kg hängen am Helikopter-Seil

Das wäre zwar nicht gefährlich , versichert Dr. Papsch, ist aber zu verhindern. Aus diesem Grund werden jetzt über die gesamte in dem See verlaufende Trasse 120 Steinmatratzen per Helikopter abgesetzt. Sie bestehen aus UV-beständigem, umweltverträglichem Kunststoff, der mit Kies befüllt ist. Pro Meter werden rund 850 kg Steine abgesetzt, mehr als 100 Tonnen insgesamt.

Der Hubschrauber nimmt die schwere Last am Rande des Sees auf, hat sie an einem 30 Meter langen Seil hängen, fliegt damit nur ein Paar Meter weiter bis zu dem Teich, in dem die vier Mitarbeiter sich was abfrieren. Per Sprechfunk wird der Pilot Zentimeter genau an die richtige Stelle dirigiert, dort nehmen die Männer die Matratze in Empfang und klinken sie von dem Seil ab.

Ein Jahr hat Open Grid Europe die Maßnahme geplant. Das Gastransportunternehmen betritt damit Neuland, weil auf den konventionellen Weg - Baustraße bauen, See auspumpen, Betongewichte rein - verzichtet wurde. Stattdessen hat man sich in diesem Naturschutzgebiet in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden für eine umweltschonende Vorgehensweise entschieden. Noch dazu im Winter, wenn die Vögel nicht brüten. Für den See werden die Steine in der Flachwasserzone sogar besonders umweltfreundlich sein, weil sie den natürlichen Bewuchs fördern. Rund 160 000 Euro kostet die Maßnahme und damit nicht mehr als der konventionelle Weg. Allerdings ist die Haltbarkeit bisher nicht erprobt.

Bis Mittwoch werden die Arbeiten voraussichtlich noch dauern. Hoffentlich holen sich die Mitarbeiter keinen Schnupfen.

Ute Hildebrand-Schute

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2013-01-14 17:56
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