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WAZ-Medizinforum

„Sprechen Sie mit uns“

09.02.2012 | 18:11 Uhr
„Sprechen Sie mit uns“
Das „Schamthema“ Erkrankungen des Afters stand im Mittelpunkt des WAZ-Medizinforums mit Dr. Judith Lippler im Alten Rathaus.

Dorsten.„Das ist sehr bequem“, preist Dr. Judith Lippler die ergonomischen Vorteile ihres Behandlungsstuhls im St. Elisabeth-Krankenhaus. Dass mancher die Oberärztin bei Erkrankungen des Afters erst dann aufsucht, wenn’s nicht mehr anders geht, zeigen die skeptischen Mienen der Gäste beim WAZ-Gesundheitsforum im Alten Rathaus.

Aufklären, informieren, Ängste abbauen, darum geht es der Proktologin, die mangels niedergelassener Kollegen als einzige Vertreterin ihres Spezialgebietes seit dem vergangenen Herbst im Krankenhaus kundige Hilfe anbietet. „Es ist für den Patienten ein sehr unangehmes Thema“, sagt Judith Lippler. Die Folge: Hausarzt, Internist oder Hautarzt haben sich oft schon mit konservativen Therapien versucht, ehe die Betroffenen den Facharzt aufsuchen. Dabei ist das nicht als Vorwurf an die Kollegen zu verstehen. Weil sich die Patienten nur zurückhaltend zu diesem „Schamthema“ äußern, wird das Problem oft unterschätzt.

„Hämoroiden, das ist so ein Sammelbegriff“, sagt die Oberärztin. Sie warnt davor, die vielfältigen Erkrankungen des Afters darauf zu reduzieren, weil es schmerzhafte Folgen für den Patienten haben kann. Ohne genaue Diagnose besteht die Gefahr, mit dem vermeintlich richtigen das falsche zu tun. Ein Beispiel: Kamille-Sitzbäder können, richtig angewendet, zwar die gewünschte Linderung bei Hämorroiden bringen. Ist aber eine Allergie Ursache der Probleme, verschlimmert sich eventuell sogar das Dilemma. Stichwort Allergie: Salben, Intimsprays und feuchtes Toilettenpapier zählen zwar zum Standard-Inventar vieler Toiletten, ihre Inhaltsstoffe sind aber nicht selten Auslöser allergischer Reaktionen. Lippler: „Das kann ziemlich piesacken.“

Wieder andere Erkrankungen, etwa Fisteln, verlaufen zunächst schmerzlos, die Gänge in der Haut und in den Schließmuskel können allerdings schmerzhafte Abszesse nähren und erhebliche Störungen des Verdauungsapparates auslösen. Die exakte Diagnose ist Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung, betont die Oberärztin: „Weil die Beschwerden ähnlich sind, fällt die Unterscheidung oft schwer.“ Dabei reicht die Palette der Erkrankungen von harmlosen Warzen bis zu bösartigen Karzinomen und Melanomen. Und es gehe auch darum, andere Darmerkrankungen auszuschließen. Wichtig zu wissen: Eine Einweisung ins Krankenhaus bedeutet nicht automatisch Operation. Schweigen über das „Schamthema“ ist der falsche Weg, betont Dr. Judith Lippler: „Sprechen Sie mit uns.“

Martin Ahlers

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