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BiBi am See

Sie rechnet sich nicht . . .

04.01.2011 | 17:20 Uhr
Sie rechnet sich nicht . . .
. . . und macht sich doch bezahlt: Das Team der alten, neuen Bürger- und Schulmediothek BiBi am See.

Barkenberg. Johannes Kratz ist seit Dienstag nicht nur Chef der Gesamtschule – sondern auch Herr über eine Bibliothek: die „BiBi am See“. Bei der Schlüsselübergabe durch Bürgermeister Lambert Lütkenhorst machte er einen Scherz voller Ernst: Die BiBi in Barkenberg (40 000 Medien) dürfe sich in einem Atemzug nennen mit Bücherschatzkammern wie der amerikanischen Library of Congress (33 Millionen Bücher). Kratz: „Alle dieses Bibliotheken rechnen sich nicht – aber sie machen sich bezahlt.“

Rückblende, ziemlich genau ein Jahr ist es her. Bürger machen mobil, weil der Schul- und Ortsteilbibliothek unterm Spardiktat der auswärtigen Finanzwächter die Schließung droht. 300 Barkenberger bilden – auch damals lag Schnee -- eine Kette um ihre Bücherei.

Die Finanzen
Stadt spart 80 000 Euro pro Jahr

Die Einsparung für die Stadt (80 000 Euro pro Jahr) resultiert vor allem aus der Personalreduzierung. Den Etat für Neuanschaffungen bestritt die Bibliothek auch vor der Übernahme durch die Schule aus Leihausweis- und Mahngebühren. Das Geld bleibt für Anschaffungen erhalten. Durch das Engagement des Fördervereins könnte künftig deutlich mehr Geld für die Pflege des Medienbestandes zur Verfügung stehen. Volksbank und Sparkasse haben die BiBi bereits mit einem soliden Startkapital ausgestattet. Infos gibt’s im Internet auf der neuen Seite www.bibi-am-see.de

Geschmiedet wird danach ein typisches Barkenberger Konzept zur Rettung: mit viel Ehrenamt. Bürgermeister Lambert Lütkenhorst sagte bei der Schlüsselübergabe am Dienstag vor gut hundert Gästen, nicht nur der Erhalt der BiBi werde gefeiert, sondern dass es so viele Menschen gebe, „denen es nicht egal ist, ob Kinder in diesem Ortsteil Zugang zum Lesen haben“.

Das städtische Personal wird von drei auf anderthalb Stellen reduziert (Renate Mundt geht in Pension, Beate Mast bleibt als Vollzeitkraft in Barkenberg, Christian Gruber hat je eine halbe Stelle in Dorsten und Wulfen). Die Lücke schließen Freiwillige. Bislang sind’s gute 30, die mitmachen und garantieren, dass sich an den Öffnungszeiten der „BiBi“ nichts ändert..

Ein Förderverein will Gelder auftreiben und mit der „Arbeitsgruppe Profil“, geleitet von Lehrer Olaf Herzfeld, ergänzend Programm gestalten. Herzfeld: „Bei allen Helfern spüren wir richtige Aufbruchstimmung. Wir wollen die BiBi stärker ins Bewusstsein der Bürger rücken.“

Dass die alte Filialbücherei mehr sein soll, macht schon der neue Name deutlich. Die BiBi heißt nun „Bürger- und Schulmediothek“. Der Schriftzug prangt im gewohnten Rot der Bücherregale („RAL 3000 Feuerrot“) über dem Eingang.

„Warum noch eine Bibliothek?“, fragte Johannes Kratz am Dienstag vor den Gästen. Weil sie grundlegende Wissenskultur sichert, so lange ein Mensch Fragen stellt, so lange er Zusammenhänge ergründen will. Die Frage, was Napoleon zum Frühstück aß („zwei bis drei Radieschen, geröstetes Brot, Kaffee mit Milch“) beantworte auch die Internet-Suchmaschine Google. Was das mit Napoleons Machtpolitik zu tun hat, verrät Google nicht. „Ich hab’s ausprobiert“, so Kratz schmunzelnd. Mit der Möglichkeit, dort Zusammenhänge zu ergründen, seien Bibliotheken „eine Einladung zur Mündigkeit.“ Diese gilt insbesondere den Gesamtschülern, die mit der Bibliothek „einen Lernort mit hohem Standard finden“, so Johannes Kratz.

Bürgermeister Lütkenhorst überreichte Schulleiter Kratz unter lautem Applaus einen übergroßen „BiBi“-Schlüssel aus Holz. Danach gab’s Sekt und Saft und Kuchen vom Büfett. Natürlich alles lecker und selbst gebacken . . .

Ludger Böhne

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Kommentare
13.01.2011
08:55
Sie rechnet sich nicht . . .
von deep33 | #1

Genau, weg mit dem ausgebildeten Personal! Wozu müssen die Leute auch den Job gelernt haben - Bücher ins Regal sortieren kann doch schliesslich jeder...

Sollte hier jemand Zynismus gefunden haben, so darf er ihn gerne behalten.

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