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DORV-Laden

„Sie müssen es wirklich wollen“

01.06.2012 | 17:14 Uhr
„Sie müssen es wirklich wollen“
Karikatur: Heiko Sakurai

Barkenberg. Dichtes Getummel herrschte im ehemaligen Edeka-Laden in der Ladenzeile in Barkenberg. Durch das Stimmengewirr der 250 Bürger meldet sich Heinz Frey, schon im Januar besuchte er die Barkenberger und erkundetet den Standort sorgfältig. Ist Barkenberg für das DORV-Konzept geeignet? Oder würde der Plan eines Tante Emma-Ladens an der Dimker Allee floppen?

Was die Barkenberger zu hören bekommen, sind zunächst zahllose Zahlen. Wie viel Kaufkraft steckt in dem Stadtteil? Zum kaufkräftigen Publikum für das Projekt sollen von 8800 Einwohnern etwa 3500 gehören. Das ist der bescheidene Rechenwert mit dem sich die Organisatoren an die Statistik wagten. Gerechnet wird mit einem Einzugsgebiet von 500 bis maximal 700 Metern. „Wir haben die Zahlen bewusst an der unteren Grenze gesetzt“, erklärt Frey.

Einer Prognose waren sich die Statistiker jedoch sicher: Barkenberg ist klassisch unterversorgt. Das Bevölkerungsdiagramm schnellt bis 2030 besonders bei den Altersgruppen 65plus und 80plus enorm in die Höhe. Zu Fuß erreichbare Einkaufsmöglichkeiten bekommen dann einen immer höheren Stellenwert.

Was mehr als alle Berechnungen zählt, ist Engagement. Das DORV-Konzept geht nämlich nur dann auf, wenn alle an einem Strang ziehen. Und in Sachen Zusammenhalt und Engagement liegen die Barkenberger weit über dem Kreisdurchschnitt.

Im besten Fall erzielt der DORV-Laden bei der Positivrechnung im Vollsortiment rund 40 000 Euro jährlich. Diese Rechnung geht aber nur auf, wenn etwa 10 Prozent der Kaufkraft vor Ort bleibt. „Wenn 95 Prozent ihres monatlichen Einkaufs noch immer zum Discounter fließen, kann das Projekt nicht greifen“, erklärt Frey. 2000 Euro müssten die Bürger täglich in ihrem DORV-Laden ausgeben, damit der Gewinn erreicht wird.

Erfolgreiches Konzept

DORV bedeutet Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung. Das Konzept hat schon in zahlreiche Regionen erfolgreich Einzug gehalten. Klassisch unterversorgten ländlichen Bereichen wird damit wieder Leben eingehaucht. Ziel des Projektes ist es, den Bürgern in unterversorgten Regionen wieder mehr Lebensqualität an ihrem Standort zu ermöglichen.

Details zum Konzept der DORV-GmbH und erfolgreiche Beispiele in anderen Dörfern gibt es unter www.dorv.de

Bisher bietet Barkenberg seinen Bürgern einige Möglichkeiten, den täglichen Bedarf zu befriedigen. Ob das Angebot konstant bleibt, ist ungewiss. „So eine Firmenpleite kommt manchmal schneller als man glaubt, das haben wir in diesem Jahr schon öfter gesehen“, klärt der Geschäftsführer der DORV GmbH Heinz Frey auf und spielt auf die verlassene Schlecker-Filiale an. Doch was genau soll der Laden bieten? Das dürfen und müssen sie selbst entscheiden. Was wird gebraucht und was ist realisierbar? Über diese Fragen soll sich nun eine Lenkgruppe aus Barkenbergern klar werden.

In vielen Regionen erzielen die Läden bereits bestechende Erfolge. Denn hier kann man mehr als nur den heimischen Kühlschrank befüllen. Als Paradebeispiel präsentieren die Organisatoren gerne ihr Zentrum in Jülich-Barmen. Fleischtheke, Bäcker und Bankautomat ergänzen das Lebensmittelangebot, hinzu kommt noch eine Kfz-Ummelde Stelle und eine Arztpraxis nebenan. „Das Dienstleistungsangebot ist wichtig, gerade das macht unser Konzept aus. Das ganze kann um jegliche Leistungen erweitert werden. Sie selbst wissen was Sie brauchen“, beschwört Frey seine Zuhörer.

Barkenberg ist nämlich nicht der typische Kandidat für einen DORV-Laden. Bisher wurden die Läden in Dörfern mit wesentlich geringeren Einwohnerzahlen angesiedelt. In Barmen sind es gerade einmal 1.300 Einwohner, doch der Zusammenhalt stimmt. Hier zählt das freundliche Wort an der Kasse und die Frage nach dem Befinden mehr als ein neues Schnäppchenangebot aus dem Discounter.

Doch eines ist den Bürgern wichtig: Der DORV-Laden soll den Standort stärken und keine bestehenden Geschäfte kaputt machen, damit wäre keinem geholfen.

Die Machbarkeitsstudie sieht die Voraussetzungen für einen DORV-Laden in Barkenberg positiv und gibt grünes Licht. Was die Bürger daraus machen wollen und was sie sich von dem Projekt wünschen, müssen sie in der nächsten Zeit erarbeiten. „Sie müssen hinter dem Projekt stehen und es wirklich wollen“, schließt Frey seinen Vortrag.

Ob „Tante Emma“ demnächst in die Räumlichkeiten des ehemaligen Edekas an der Dimker Allee Einzug halten wird soll eine auf den Stadtteil präzise zugeschnittene Umfrage demnächst klären.

Carolas Steentjes



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