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Sekundar- oder Gesamtschule?

03.05.2013 | 16:50 Uhr
Sekundar- oder Gesamtschule?
Derzeit beherbergt das Zentrum die Bonhoeffer-Haupt- und die Klausener-Realschule. Geplant war hier zunächst eine neue Sekundarschule.Foto: Hans Blossey

Dorsten. Der Vorschlag, im Schulzentrum Pliesterbecker Straße eine zweite Gesamtschule einzurichten (WAZ berichtete), kam überraschend. Die Idee weitet die Diskussion um die Zukunft des Dorstener Schulsystems ab Klasse fünf deutlich. Sie verdient es aber, ohne ideologische Scheuklappen und voreilig errichtete Brandmauern geprüft zu werden. Einige grundlegende Anmerkungen zu dieser Diskussion:

Die Zahlen

Dorstens Schulen haben Platz für 900 Kinder pro Jahrgang. Die letzten drei Geburtsjahrgänge (2010 bis ’12) lagen jeweils bei 500 Kindern. Demografische Besserung ist nicht in Sicht. Das muss die Basis jeder Diskussion sein. Mittelfristig wird neben den beiden Gymnasien, St. Ursula-Realschule und der Gesamtschule Wulfen wohl nur ein weiterer Standort – Pliesterbecker Straße – ausreichen, alle Kinder aufzunehmen.

Der Elternwille

Der Elternwille hat die Schullandschaft in den letzten Jahren massiv verändert. Die Hauptschule wurde landesweit schlichtweg abgewählt. Dorsten hat (erfolglos) versucht, sie zu stabilisieren, indem die Gesamtschule Wulfen auf sechs Klassen pro Jahrgang gedeckelt wurde. Eltern, deren Kind dort abgelehnt wurde – einige Dutzend in jedem Jahr – wissen was gemeint ist.

Wie viel Oberstufe?

Etwa 50 % aller Kinder machen heute Abitur. Das wären in einem 500er Jahrgang in Dorsten 250. Die Oberstufen an den Gymnasien St. Ursula und Petrinum sowie an der Gesamtschule Wulfen bieten zusammen schon heute mehr Plätze. Noch nicht berücksichtigt sind dabei Oberstufenangebote an den Berufskollegs der Region und in Nachbargemeinden (Schermbeck, Kirchhellen, Kreis Borken).

Gefragt: Durchlässigkeit

Erkennbar gefragt sind heute Schulen, die nicht nur gute Abschlüsse ermöglichen, sondern die flexibel reagieren können, wenn sich die Leistungen von Kindern verändern, die möglicherweise aus Hauptschülern in Klasse fünf angehende Abiturienten in Klasse zehn machen, die individuell fördern und das Beste aus jedem Kind herausholen. In so einem hohen Maß und unter einem Dach – also ohne einen Schulwechsel – bietet das nur die Gesamtschule.

Wanderung

Dorstens Schulsystem lockt einerseits Kinder aus Nachbarstädten, verliert aber auch welche an andere Gemeinden. Unterm Strich ist das derzeit ein Nullsummenspiel. Die Abwanderung nach Schermbeck (eine komplette Klasse pro Jahrgang) könnte mit zusätzlichen Gesamtschulplätzen in Dorsten wohl gestoppt werden. In der Konkurrenz um Kinder zur Auslastung der örtlichen Schulen ist das eine eine nennenswerte Größenordnung.

Offene Fragen

Die Kommission unter Leitung des Bildungsforschers Achim Körbitz hat zunächst nur untersucht, welche Schulform die beste ist fürs Schulzentrum Pliesterbecker Straße und voraussichtlich die höchste Wertschätzung bei Eltern genießen wird. Die Entscheidung darüber kann aber nicht isoliert getroffen werden. Zu klären ist in der weiteren Diskussion, wie sich die Schülerströme künftig verteilen und welche Auswirkungen das hat auf andere Standorte. Zu einer zweiten Gesamtschule bräuchte Dorsten außerdem ein Oberstufen-Konzept, denn dann würden vier von wohl nur noch fünf Schulen die Möglichkeit zum Abitur anbieten.

Von Ludger Böhne



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