Schatzfinder schaut in die Röhre
29.04.2008 | 17:10 Uhr 2008-04-29T17:10:00+0200
Dorsten. Er ist gar nicht unglücklich, dass er leer ausgeht: Klaus Matschos fand 12 100 D-Mark in einem alten Radio. Vom Finderlohn darf er als Hartz IV-Empfänger nur 90 Euro behalten. Dafür winkt möglicherweise ein neuer Job.
Klaus Matschos (46) hat einen „Schatz” gefunden, ehrlich abgeliefert und einen fairen Finderlohn erhalten. Weil er Hartz IV-Empfänger ist, bleiben ihm davon nach Recht und Gesetz nur 90 €. Unzufrieden ist er dennoch nicht: „Wichtig für mich ist eine Perspektive, aus der Arbeitslosigkeit 'rauszukommen.”
Die könnte sich nun durchaus ergeben. Die Geschichte machte den Dorstener überregional bekannt: Bei ebay ersteigerte er für einen Euro ein altes Kofferradio, in dem 12 100 D-Mark (knapp 6200 €) verborgen waren. Matschos lieferte das Geld ab. Durch Zeitungsberichte über den „Radio-Schatz” wurde nahe Berlin der Erbe ermittelt. Der bedankte sich mit 2000 D-Mark (1022,58 €) für die Ehrlichkeit des Finders. Dass er das Geld nicht behalten darf, war Klaus Matschos schon bei der Übergabe im Rathaus klar.
Am Dienstag nun hatte ihn die Hartz IV-Behörde Vestische Arbeit (VA) eingeladen, um die Rechtslage zu erläutern. Danach muss der Betrag als einmaliges Einkommen auf die Leistungen zum Lebensunterhalt angerechnet werden, gestreckt über ein viertel Jahr. In jedem Monat darf der Dorstener 30 € behalten. Herbert Averkamp, stellvertretender VA-Chef in Dorsten: „Das ist eine absolut einmalige Situation. Wir haben lange überlegt, wie das anzurechnen ist.” Averkamp und VA-Sprecher Ulrich Kupke bedauern durchaus, dass sie dem Dorstener nicht mehr zugestehen können. Kupke: „Aber bei Hartz IV werden Steuergelder ausgegeben. Wir haben das sehr genau geprüft. Bei Finderlohn gibt es keine Regelung.” Wenn sich der Fund und die Ehrlichkeit nun auch nicht in klingender Münze auszahlen, so könnte sich die ganze Geschichte doch noch für den Dorstener lohnen. Averkamp: „Sie haben durch ihre Ehrlichkeit ein Merkmal gewonnen, dass kein Zeugnis wiedergeben kann. Das ist persönliches Kapital. Ein Pfund, mit dem man wuchern kann.”
Immerhin: Von Bildungsträgern in Essen und Castrop-Rauxel wurden dem Dorstener nach Berichten über den Schatz-Fund schon Qualifizierungen für seinen Traumjob im Wach- oder Sicherheitsdienst angeboten. Die Berufsaussichten sind durchaus gut, bestätigt Herbert Averkamp, das Alter ist dabei kaum ein Problem. „Im Sicherheitsdienst ist es oft schwieriger, einen Zwanzigjährigen unterzubringen. Und an den Kosten für den Lehrgang soll es nicht scheitern. Wir wollen schauen, dass sie 'rauskommen aus der Arbeitslosigkeit und durch Qualifizierung einen richtigen Job bekommen.” Klaus Matschos indes bleibt einmal mehr bescheiden: „Ich will keinen Sonderstatus.” Anfang Mai bespricht er mit seiner Fallmanagerin, wie es weitergeht . . .
12:32
Ich ziehe meinen Hut vor Klaus Matschos und wünsche ihm alles Gute und vor allem einen guten Job. Sie sind ein Vorbild!
06:48
Die Ehrlichkeit von Herrn Matschos ist sicher respektabel. Ob es in diesen Zeiten und in seiner Situation noch angebracht ist, ist überlegenswert. Der Stundenlohn im Wachdienst liegt bei 5,52€. Somit hat Herr M. nur zwei Möglichkeiten. 1. Er muss an die 300 Stunden im Monat arbeiten um halbwegs vernünftig von seinem Einkommen leben zu können.2. er bleibt trotz Vollbeschäftigung in einem gefährlichen Job ein Hartz4-Aufstocker mit all den damit verbundenen Nachteilen. Bleibt das Resümee, das dem ehrlichen Hrn. M zweimal das Fell über die Ohren gezogen wurde.
05:33
.....die einzigen Ganoven bei der Sache sind ehrlich gesagt, die Angestellten der Agentur für Arbeit........
20:41
Der arme Kerl. Jetzt wird ihm die Kohle abgezogen und die werten Herren der Vestischen Arbeit(sverhinderung) erzählen ihm das Märchen vom Wachdienst. Bei einem Bildungsträger soll er lernen, dass er sich demnächst 300 Stunden im Monat für einen Hungerlohn großer Gefahren aussetzen muss. Tolle Option. Wer weiß, was der Bildungsveranstalter an kleinen Geschenken bei Herrn Lammers & Co. abgeliefert hat.
20:32
Ehrlich währt am längsten gilt zumindest in finanzieller Hinsicht schon lange nicht mehr. Trotzdem finde ich es gut, dass es immer noch ehrliche Menschen gibt. Und als Hartz4-Empfänger ist es umso löblicher, wenn man in der Hauptsache das Ziel verfolgt, eine feste Arbeit zu bekommen.
An der Tatsache, dass diese Ehrlichkeit überregional in der Presse bekannt gemacht wurde, zeigt sich doch, wie selten so etwas geworden ist. Allerdings sollte man die Berichterstattung auch nicht verallgemeinern, denn so mancher Politiker steht ja auch überregional in der Zeitung - und das bestimmt nicht aus dem gleichen Grund.
20:07
Also der Vorschlag mit dem Bundesverdienstkreuz sollte noch mal überdacht werden. Wenn man sich den illustren Kreis der ethisch Fragwürdigen, denen diese Ehre bisher zuteil wurde, mal näher anschaut, dann wäre das ein höchst schlechtes Umfeld für den echt Ehrlichen.
20:00
Ehrlichkeit lohnt sich in diesem Land nicht mehr!
19:47
„Aber bei Hartz IV werden Steuergelder ausgegeben.
Bei NOKIA wurden auch Steuergelder ausgegeben.
Und???
Eine Schande des deutschen Staates an seine Bürger, dass er Ehrlichkeit nicht zu honorieren weiss.
18:42
Dem Menschen gebührt meinen Respekt.
Er bricht mit der ewigen Mär von sozialer Hängematte , von den Arbeitsscheuen, wie es von einige Politiker und Geld-Scheinexperten in den
Medien Talkshows so gerne behauptet wird. Ich schlage Herrn Matschos für das Bundesverdienstkreuz vor, weil ihm dieses wahrscheinlich nicht von den beamteten Hartz-Buben vorenthalten werden kann.