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Raesfelder Rambazamba

15.02.2010 | 17:16 Uhr
Raesfelder Rambazamba

Raesfeld.Wie machen die Raesfelder das nur? Karnevalszug ist im Dorf nicht: Die auf der Straße und die an der Straße. Wagen und Publikum sind eins. Ein buntes, gemeinsames Fest. Laut, schrill, fröhlich, ausgelassen und mit höchster Professionalität vorbereitet. Ein echtes Volksfest.

Gestern wieder. Bei minus drei Grad und leichtem Schneegestöber. Gelobt sei da, was warm macht. Von außen (pinke Perücken, Pelzkragen, plüschiges Pinguinkostüm) wie von innen (Schnäpsken). Im Publikum wie auf dem Wagen. Praktisch, wenn der marschierende Posaunist den Getränkehalter für die kleine Aufwärmung am Instrument hat.

Tausende säumten die Straßen, als sich der überlange Lindwurm (42 Wagen und Gruppen) in Bewegung setzte. Gut eine Stunde dauerte es, bis die Parade vorbei war. Zu bestaunen, zu hören und zu schmunzeln gab es dabei reichlich.

Vorneweg das Fanfarenkorps, der traditionelle Froschwagen von Kinderprinzenpaar Sebastian I. und Hedda I., Piraten vom Büskerhook und HOfnarren vom Langekamp und Neuer Kamp, die Landjugend aus Erle und Rhade mit einer Bauer-sucht-Frau-Parodie und die Brökerstegge mit dem aktuellen Thema „Verbundschule“.

Echte Stimmungskanonen sind – immer wieder – die holländischen Gäste im Zug, die mit wirklich liebevoll konstruierten Vehikeln und prächtigen Kostümen das bunte Treiben bereichern. Sei es mit einem fahrenden Betonmischer in XXL (von dem Blumen regnen) oder mit einem Schaum speienden Raumschiff, bevölkert von silbern glitzernden Marsmännchen und grünen Weltraum-Fröschen mit Pappmaschee-Köpfen.

Das Team Marbeck fuhr spottend den „Stein der Schande“ spazieren, den der Verlierer des Pro-7-Dorfduells Marbeck gegen Heiden (Ausstrahlung voraussichtlich im Sommer) aufstellen muss. Die Westricher kamen als lebender Schilderwald aus der Fahrradstraße. Die Landjugend Raesfeld (als Police Academy) fuhr das klapprige Damenrad des Gefängnisausbrechers Peter Paul Michalski spazieren. Die Gruppe Kalle Club / Kaputter Schuh brachte eine (fast) waschechte Postkutsche auf die Pappnasenpiste und präsentierte dem Publikum präzise einstudierte Westerntänze.

Vorn die kleinen Prinzen, hinten die großen: André I. Szczesny und Alexandra I. Wißen beendeten den Zug, mit prächtiger Vorhut: Die „Stammtisch-Schwestern“ der jecken Prinzessin glänzten mit goldigen Perücken und aufgerüschten Ballkleidern.

Auch das gehört zum Raesfelder Zug: Das Publikum guckt nicht einfach nur zu. Im Gedränge immer wieder einfallsreich kostümierte Gruppen, die ebenso gut im Zug hätten mitlaufen können: Micky Mäuse mit schwarzen Riesenohren, engagierte Biertrinker (mit Plauzen-Kissen unterm Hemd) und Schotten im Karo-Röckchen und lindgrün gewandete OP-Pfleger. Die hatten die richtige Medizin gegen die Kälte gleich dabei . . .

Ludger Böhne

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