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Nix von der Stange

19.12.2008 | 15:46 Uhr

Die Dorstenerin Monika Freitag lässt die Herzen aller Puppenmütter höher schlagen. Sie näht Kleider, Hosen und Jäckchen für Puppen in allen Größen.

„Schlingeline” heißt dieses Puppenmädchen, das Monika Freitag selber herstellte. Ihre Puppen verwahrt sie - schick in Kleidern eigener Produktion - in der Vitrine. Fotos: WAZ, Lutz v. Staegmann

Wenn sie am Stand von „Puppenmode Moni” steht, schlägt das Herz einer jeden Puppenmutter unweigerlich höher. Und das vor allem, wenn sie aus dem Puppenalter, ja sogar aus dem Mutteralter, längst heraus ist und sich getrost zur Oma-Generation zählen darf. Puppenkleider in Hülle und Fülle, in allen Größen und Farben, kleine Pullöverchen und Höschen - der neueste Chic, nix von der Stange, alles Hand genäht. Eben von „Moni”, Monika Freitag, der Dorstenerin, die aus einer Leidenschaft quasi einen Beruf gemacht hat.

Dabei war ihr der nicht in die Wiege gelegt. Denn gelernt hat die 53-Jährige eigentlich Friseurin, „ist ja auch was mit Schere”, grinst sie verschmitzt. „Irgendwie” ist sie dann vor beinahe 20 Jahren in der evangelischen Johannes-Gemeinde in einen Puppenkurs geraten und hat sich fortan voller Leidenschaft in ihr neues Hobby gekniet: der Herstellung von Porzellanpuppen. Wie ein rohes Ei habe man die Rohlinge behandeln müssen, erinnert sich Monika Freitag. „Das ist ein ganz weiches Material, das wird ganz fein geschliffen”, erklärt sie, zeigt auf die winzigen Fußnägel und den Mund, niedlich wie eine Babyschnute.

"Das kann zur Sucht werden"

Zig dieser Puppe hat sie gemacht: „Das kann auch zur Sucht werden”, gesteht sie und erzählt dann, wie sie am Ende beim Puppenkleidernähen landete. Schließlich wollten alle diese Puppen auch bekleidet sein. Kaufen konnte man Puppensachen damals in einem Laden in Hervest: „Aber das war wahnsinnig teuer.” Also hat sich Monika Freitag eines Tages selber an die Nähmaschine gesetzt und ein Kleid genäht. Hat gemerkt, sie kann es und es macht Spaß, hat immer mehr genäht, Freunde fragten: „Kannst du nicht für meine Puppe auch mal..?”

Und am Ende ist dann ein Kleingewerbe –„ein größeres Hobby” – daraus geworden, das ab Oktober blüht. Sieben bis acht Weihnachtsmärkte besucht sie jedes Jahr. Und jedes Mal stehen staunende Puppenmütter an ihrem Stand und erinnern sich plötzlich ihrer auf dem Dachboden oder im Keller vergessenen Lieblinge, die dringend mal wieder was zum Anziehen brauchen: „70 Prozent der Kleidung wird für Erwachsene gekauft”, weiß die Dorstenerin. In der Vorweihnachtszeit ist aber auch die eine oder andere Oma dabei, die ein Geschenk fürs Enkelkind sucht. Sie selber hat zwei Söhne, 32 und 20 Jahre, und einen Enkelsohn: „Das ist schon Pech.”

Täglich an der Nähmaschine

Zwei, drei Stunden sitzt die Dorstenerin („Ich bin Hausfrau”) täglich an der Nähmaschine. Die ist eine „Overlock”-Maschine, die schneiden, versäubern und nähen in einem kann. Nur so schafft sie ein Puppenkleid in zwei Stunden, oder mal ein kleines Höschen in einer Viertelstunde. Wobei für die Schneiderin, die nie einen Nähkurs besuchte, die ganz kleinen Sachen die interessanteren sind: „Da gibt es mehr zu fummeln.”

Das ganze Jahr über näht Monika Freitag für die Weihnachtsmärkte, das eine oder andere verkauft sie auch über das Internet: „Mein Mann hat mir eine Homepage eingerichtet.” Die Stoffe für die Puppenkleidung bezieht sie ganz normal aus dem Handel, spezielle Stoffe auch von ausgesuchten Herstellern. Drei Euro kostet ein Puppenhöschen im Verkauf, vier Euro ein Pulli, die kleinsten Kleider sieben, die größten 23 Euro. „Reich kann man damit nicht werden”, hat die Dorstenerin schon längst festgestellt. Schließlich geht die Hälfte des Preises für Stoff drauf und die Standgebühren auf den Weihnachtsmärkten sind auch nicht ohne: 40 bis 50 Euro müssen einkalkuliert werden: „Da muss ich schon einiges verkaufen, um die wieder rein zu holen.”

"Nichts für Kinderhände"

Das Puppenbasteln hat Monika Freitag längst drangegeben. Schließlich war das auch ein überaus teures Hobby. 600 Mark, schätzt sie, hat ihre größte (selbstgemachte) Puppe schon gekostet. Daneben besitzt sie auch zahlreiche Schildkröt-Puppen, Klassiker unter den Puppen, die schon mal locker über 300 Euro kosten können.

Gerade solche sind es, die Monika Freitag an ihrem Stand auf dem Weihnachtsmarkt zu sehen bekommt. Die Puppen sind nichts für zärtlich-unsanfte Kinderhände, sondern echte Sammlerstücke. Manche davon uralt und aus Celluloid: „Da lasse ich die Leute die Kleider lieber immer selber anprobieren: Einmal feste drücken und der Kopf ist eingedellt oder der Fuß ist ab.” Die neueren Puppen sind weniger empfindlich, weil aus Tortulon, einem hochwertigen Kunststoff gemacht.

Ihre eigenen Puppen dienen „Puppenmode Moni” heute als „Model” für neuen Chic. Von vielen der Selbstgemachten hat sie sich inzwischen getrennt: „Ich hatte hier alles voller Puppen”, verweist sie auf ihr Wohnzimmer, in dem heute ihre restlichen (und immer noch vielen) Schätzchen in einer Vitrine sicher verwahrt sind.

Ute Hildebrand-Schute

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