Nicht zurück in die Höhle
11.04.2011 | 14:22 Uhr 2011-04-11T14:22:00+0200
Dorsten.„Ihr müsst nicht zurück in die Höhle für den Klimaschutz. Aber Ihr müsst lernen, anders zu denken. Und das Denken auch mal umsetzen“, setzte Martin Fliegner von geoscopia gestern den Schlusspunkt unter einen eineinhalbstündigen Vortrag, den er vor Neuntklässlern der Gerhart-Hauptmann-Realschülern gehalten hatte.
Vortrag, die Bezeichnung ist vielleicht nicht ganz passend. Vortrag hört sich ein wenig oberlehrerhaft an. Und das ist Fliegner beileibe nicht. Wenn der Bochumer vor der Klasse steht, erzählt und gestikuliert, zwischendurch seine Thesen mit Satellitenbildern an der Wand untermalt, dann spult er sein Wissen nicht einfach nur runter. Er begibt sich stattdessen auf die Ebene der Jugendlichen, knüpft an ihre Erlebniswelt an - und schlägt die Brücke zu dem, was ihm am Herzen liegt: zum Klimaschutz.
Und der hat derzeit eine ganz besonders dramatische Aktualität mit den erschreckenden Ereignissen in Japan. Aber auch weniger spektakuläre Entwicklungen führen zu einer manchmal kaum wahrgenommenen Beeinträchtigung. „Wisst Ihr, wie viel Rohstoffe nutzlos weggeworfen werden“, fragt Martin Fliegner die Jugendlichen. „Wie viel man sparen und recyceln könnte? Guckt mal auf Euer Handy. Na, wer hat denn ein Gebrauchtes?“ Es schnellen nicht viele Finger in die Höhe. „Man müsste weltweit gar nicht so viel Kupfer und Gold abbauen, wenn man Handys und Laptops wiederverwerten würde“, erzählt der geoscopia-Chef. „Aus einer Tonne Elektroschrott ließen sich beispielsweise 300 Gramm Gold rausholen. Gut, dass die EU-Richtlinien ab 2013 das Recycling von diesen Medien vorsehen“, erklärte er.
Großes Gelächter erntete Fliegner, als er den Bogen von der Abholzung des Regenwaldes, zur Umwandlung der Fläche in Felder und dem dadurch verursachten CO2-Anstieg zu Kühen und Rindern schlug: „Auch deren Verdauung beeinträchtigt den Klimaschutz“, machte er deutlich. „Eine Kuh verdaut ja eifrig so vor sich hin. 70 Prozent davon kommen nach vorne, 30 Prozent nach hinten raus. Alle 40 Sekunden kommt aus einem Wiederkäuer Methangas raus. Macht Summa summarum rund 500 Liter am Tag. Und wenn man schaut, wie viel Kühe und Rinder weltweit rumlaufen, ergibt das eine ganze Menge. Und das wiederum beeinträchtigt ebenfalls das Klima ganz enorm.“ Dabei war Fliegner weit davon entfernt, mit erhobenem Zeigefinger rum zu laufen. „Ich esse auch Fleisch“, gab er zu. „Aber ich schaue, dass es aus der Region kommt. Wenn das viele realisieren, hätten wir eine Menge erreicht.“
Ich fand vor allem die vielen praktischen Beispiele gut.
Ich überlege mal, ob mein nächstes Handy vielleicht ein recyceltes ist.
Der Vortrag hat mir an vielen Stellen die Augen geöffnet.
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