Nach einigen Spiegelfechtereien
21.10.2010 | 15:19 Uhr 2010-10-21T15:19:00+0200
Altendorf-Ulfkotte.Auf der reich bebilderten RVR-Faltkarte vom Gahlenschen Kohlenweg war Ulrich Dadunas Installation „Raumsprachen“ für Juli angekündigt. Jetzt sorgt Vorsitzende des 41-jährigen Gelsenkirchener Kunstvereins – an der Dorstener Stadtgrenze – mit seinem Ensemble aus vier großen Verkehrsspiegeln für ein erstes Finale des „Kohlenweg“-Jahres der fünf verbündeten Kunstvereine.
Am Samstag, 30. Oktober, will der Architekt im Team mit Designer Uwe Gelesch das gemeinsame Werk auf freiem Feld offiziell „eröffnen“ – um dann auf dem nahen Hof Dalhaus mit seinen Gästen zu Kaffee und Kuchen einzukehren. Schließlich steht auch ihr in alle Himmelsrichtungen spiegelndes Objekt auf – gerade noch – Dorstener Stadtgebiet am Sommerhofsweg auf dem Land von Ludger Dalhaus.
Zum Kulturhauptstadt-Verbund der zwölf Kunstvereine und zwei Künstlerhäuser zählt auch das „Kohlenweg“-Quintett. Dorsten übernahm im April sogar den Auftakt mit Kirsten Kaisers Skulptur „Schwarzes Gold“ im Kubus am Recklinghäuser Tor.
Mit vier bereits im September eröffneten Ausstellungen endet in den nächsten Wochen das gemeinsame Projekt-Jahr. Bis 24. Oktober zeigt das Kunsthaus Essen in Checkpoint die Lebenswege von Migranten. Für Comeback hat das Dortmunder Künstlerhaus Sunderweg bis 31. Oktober seine bereits vorgestellten Künstler eingeladen – zum „Comeback“ eben. Ebenfalls bis Monatsende zeigt der Bochumer Kulturrat die Interview-Videos des Isländers Hlynur Hallsson: Zungen. Bis 7. November zeigt Tobias Zielony im Dortmunder Kunstverein die Serie Vele, („Segel“) mit Fotos aus Neapel.
Die dreimonatige „Verspätung“ der Dadunaschen „Raumsprachen“, soviel weiß die Virtuell-Visuell-Vorsitzende Angelika Krumat von ihrem Gelsenkirchener Vereinskollegen, erklärt sich mit einem einzigartig komplizierten Genehmigungspfad. Ulrich Daduna hatte für sein optisches Vexierspiel auch behördliche „Spiegelfechtereien“ zu überstehen – und beispielsweise den Verdacht zu entkräften, dass seine „Raumsprachen“ in der Sonne blinkend Vögel vom Himmel holen könnten.
Dabei wollen Daduna und Gelesch spiegelnd „die Wechselwirkung von Natur-, Kultur- und Industrielandschaft unmittelbar vor Augen führen“, wie sie in ihrem Projektkonzept schreiben, „indem gewohnte Blickwinkel und Perspektiven des Betrachters gebrochen und irritiert werden.“ Selbst ein Verkehrsspiegel bedeutet für manche Autofahrer eine Herausforderung ans räumliche Denken. Vier davon ergeben – je nach Anordnung – womöglich ein Panoptikum auf freiem Feld.
Der traditionsreiche Gelsenkirchener Kunstverein, ein enthusiastischer Nachbar von Virtuell-Visuell für die „Kunststraße“ Gahlenscher Kohlenweg, fordert aber nicht nur schönes Herbstwetter heraus. Unterm Dach des Kunstmuseums Gelsenkirchen in Buer folgt auch das Resümee des gemeinsamen Engagement. In der alten Museums-Villa eröffnet am Freitag, 26. November, die Ausstellung „Kohle – Kunst – Transfer“, mit Arbeiten aller am Kohlenweg von Dorsten bis Hattingen beteiligten Künstler.
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