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Schürholz-Haus am Markt

„Mehr können Sie nicht umbauen“

01.09.2010 | 15:38 Uhr
„Mehr können Sie nicht umbauen“
Die obere Etage des Schürholz-Hauses am Markt ist durch größere Fenster deutlich heller geworden.

Dorsten.Drei Monate nach dem Umbau-Start steht das Haus Schürholz am Markt (eigentlich sind’s drei Häuser) vor der Übergabe an die neuen Mieter Thalia, Gerry Weber und Ulla Popken. Der Eingriff in die Substanz war enorm.

„Mehr können Sie in einem Haus nicht umbauen. Die nächste Alternative wären Abriss und Neubau gewesen”, sagt Eigentümer Wilhelm Schürholz lachend.

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Die Einkaufsstadt

Wie aus zwei Beinahe-Katastrophen ein Glücksfall wurde: So könnte die Überschrift für dieses Stück Entwicklung der Stadt lauten.

Die Woolworth-Pleite schafft Platz für Mensing, Mensing nach dem Zerwürfnis mit Vermieter Schürholz wiederum für die Buchkette Thalia und zwei Modeboutiquen. Unterm Strich fraglos ein Gewinn an Attraktivität für die Innenstadt.

Wenn sich mit dem erhofften Bau eines neuen Lippetorcenters noch die Lippe-straße erholt, könnte Dorsten auch überregional erfolgreich sein. Als klassische Einkaufsmeile, als Gegenentwurf zum Glaspalast CentrO, als Alternative zu den Großstädten Dortmund und Essen, als Bummelziel von Stadtausflügen, wohl durchaus ebenbürtig mit dem viel gepriesenen Bocholt.

Wer jetzt noch hinweist auf Schwächen der Dorstener Altstadt (etwa die fehlende Entwicklung von Seitenstraßen und Innenhöfen, kaum überregionales Stadtmarketing, mangelhafte Entwicklung der Wallgrabenzone), der nennt damit zugleich brach liegende Potenziale für die Zukunft. Dorsten als Einkaufsstadt? Da ist noch eine Menge Musik drin.

Dass hier drei alte Häuser nach und nach zu einem verschmolzen sind, war vor dem Umbau mehr als deutlich zu sehen: Im ersten Stock hatten Böden und Decken unterschiedliche Höhen. Viele kleine Treppen verbanden diese Groß-Stufen miteinander. Die Herausforderung an Statiker und die Architekten Heribert Hantrop und Willi Uhlenbrock: Die erste Decke im Mittelhaus über dem Haupteingang lag einen Meter höher als die Böden links und rechts davon. Dieser „Sattel” wurde komplett heraus gebrochen, etwas tiefer ein neuer Boden aus Stahlbeton gegossen. Aber nicht raumfüllend, sondern mit einer großen Lichtöffnung, zugleich Platz für eine neue Rolltreppe, die am Dienstag eingebaut wurde.

Zehn Firmen, alle aus der Region, waren mit dem Umbau befasst. Über die Kosten schweigt Schürholz. Nur soviel: Mit einem mittleren sechsstelligen Betrag „kommen Sie nicht aus.” Für den Unternehmer eine Investition. „Zusammen mit unseren neuen Mietern hatten wir die Möglichkeit, eine zukunftsfähige Nutzung der Häuser sicher zu stellen.”

Hauptmieter wird die Buchkette Thalia sein, die schon lange einen prominenten Platz in Dorsten sucht. Sie bezieht das Erdgeschoss im Mittelhaus und die gesamte erste Etage (zusammen 1100 von 1600 m2 Verkaufsfläche). Außerdem werden im linken Haus Gerry Weber (275 m2), im rechten Ulla Popken (225 m2) Filialen eröffnen.

Am kommenden Montag übergibt Schürholz den (Um)Bau an die Innenausstatter der drei Unternehmen. Zur Eröffnung fertig sein werden die Läden dann voraussichtlich im Oktober.

Verändern wird sich auch die Außenansicht. Neue, höhere Fenster lassen das Haus innen und außen heller scheinen. Links und rechts ist die Farbe aufgefrischt worden, am Mittelhaus weicht das rot-rosa von Vormieter Mensing einem hellen gelb-beige. Das Dreifach-Haus fügt sich damit in die zuletzt bei anderen Renovierungen am Markt zurückhaltende Farbgebung. „Insgesamt eine architektonische Aufwertung”, findet Schürholz.

Der Eigentümer ist in sechster Generation Spross einer Familie, die (nicht nur) den Marktplatz seit 200 Jahren prägt und 160 Jahre lang selbst ein Textilhaus betrieb. Lantermann war 1969 der erste Pächter, Mensing zwanzig Jahre später der zweite.

Wilhelm, der sechste Schürholz am Markt, freut sich nun auf die Neueröffnungen der dritten Mietergeneration am Markt. Das Haus, sagt er kurz vor Ende der Umbauten, “wirkt jetzt offener, hat eine klarere Struktur.”

Ludger Böhne

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