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Kunstvoller Schwertransport

20.11.2008 | 18:38 Uhr

Mit einem 45 Jahre alten Krupp-Tieflader rangierte Gisbert Suden die Installation "Dorsten 1 - 4" vom Platz der deutschen Einheit zu ihrem dauerhaften Standort am einstigen Lippehafen des "Gahlenschen Kohlenwegs"

Fast vier Tonnen Kunst aus Kohle und Stahl schweben vom Betonkubus am Platz der deutschen Einheit am Kran, ausgelegt für 20 Tonnen, um Platz zu nehmen auf dem besonders tiefen Tieflader, wie Krupp ihn bis 1967 gebaut hat. Fotos: WAZ, Ralph Heeger

Dorsten. "Ein wunderbares Schauspiel", meint Hermann Kassel und staunt großäugig wie ein Kind im Kirmestrubel. Vor einer Minute hatte Kranfahrer Markus Mensing fast vier Tonnen gewichtiger Kasselscher Kunst in Maßarbeit auf einen besonders tiefen Tieflader gesetzt, der gestern am Platz der deutschen Einheit die Kohle- und Stahl-Installation namens "Dorsten 1 - 4" in Empfang nahm.

Der gebürtige Essener mit Werkstatt in Mechernich bei Köln hatte schon einmal zugesehen - und in jeder Phase fotografiert - wie eines seiner Werke, damals war's ein großer Glaskubus, am sicheren Haken schwebte. "Aber das war nicht mit so schönen alten Fahrzeugen wie hier", versichert der 48-Jährige fasziniert.

Die beiden PS-starken "Oldies" stammen aus dem Fuhrpark von Gisbert Suden: Der Mercedes-Kranwagen mit der kleinen Steuerkabine, erklärt der Firmenchef, "arbeitet noch mit, wenn wir ihn brauchen". Mit dem Krupp-Lkw von 1963, erzählt Suden und gönnt sich einen Zug aus der Pfeife, "habe ich angefangen". Die Auswahl der beiden blau lackierten Veteranen mit den knalligen roten Radkappen geschah nicht etwa dem Show-Effekt zuliebe. "Neue Tieflader sind alle 80 Zentimeter hoch", erklärt der Chef. Der alte Krupp aber beanspruche nur 45 Zentimeter.

Schließlich verlangte gestern nicht nur das Umsetzen auf den Tieflader sichere Maßarbeit. Auf den letzten Metern der Wegstrecke zu den Bootshäusern der Ruderclubs an der alten Gahlener Straße kam es auf jeden Zentimeter lichte Höhe an. Denn Hermann Kassels Installation lässt sich zum bequemeren Transport nicht einfach flach legen. Die fatale Folge wären dann nämlich eineinhalb Tonnen Qualitätskohle im Fahrtwind.

Die im September Korb für Korb, "handverlesen und handgesiebt" zwischen die Stahlgitter gefüllten Brocken verweisen schließlich am neuen Ziel auf die historische Bedeutung des dauerhaften Standorts: Wo sich heute Lippe- und Kanalufer fast berühren, stand bis zum Abriss 1972 das Kohlhaus am historischen Lippehafen. Damit hat "Virtuell-Visuell" das Ziel des mit vier weiteren Kunstvereinen angelegten Kulturhauptstadt-Projekts "Gahlenscher Kohlenweg" bereits markiert.

Nur eineinhalb Stunden brauchte es, seitdem Gisbert Suden und Markus Mensing am Platz der deutschen Einheit vorgefahren waren. Hermann Kassel hatte noch grinsend auf das "62"-Schild am Tieflader gezeigt: "Das Tempo macht er bestimmt nicht."

Im Schnauferl-Takt aber klappte der Transport der knapp zwei Kubikmeter Kohle in ihrem vier Meter hohen Stahlbehälter problemlos. Ein einziger Ast war auf den gewundenen letzten Metern vorab gekappt worden. "Das Ordnungsamt weiß Bescheid", erzählte Christel Briefs, Vize-Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kulturausschusses. Eine Polizei-Eskorte war nicht nötig für diesen kunstvollen Schwertransport.

Von Ralph Wilms

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