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Komischer Zauber

05.02.2012 | 14:23 Uhr
Komischer Zauber
Der Sand fließt Matthias Rauch ebenso locker aus der Hand wie seine lockeren Sprüche, die das Publikum zum Lachen bringen. Der Dorstener ist wahrlich ein Meister seines Fachs.

Dorsten.Wann ist ein Zauber faul? Die Antwort gab Matthias Rauch am Freitag und Samstag auf seine Art: Mit Humor und einer unglaublichen Raffinesse begeisterte der gebürtige Dorstener sein oft ungläubig mit dem Kopf schüttelndes Publikum.

„Ich hab auch mal klein angefangen“, sagte Rauch und lieferte den Videobeweis. Ein pummeliger Junge verblüffte mit Kartentricks. Eine Domäne, in der Rauch als eine Art Alleinherrscher seiner Zunft unterwegs ist. Er lieferte die Beweise. Köstlich, wenn der Künstler, der mal Magier, mal Spaßmacher und immer unterhaltsam ist, den Dilettanten gibt. So bewegte sich Rauch auf dünnem Eis, als er ein Sakrileg der Magierszene ankündigte: Er wollte in Zeitlupe die Geheimnisse einer Illusion schonungslos offen legen. Zum Brüllen, wie er eine Papiertüte mit Ketchupflasche theatralisch mit Hilfe eines Komparsen in den Vorhängen der Nonnenkamp-Aula entsorgt. Also doch alles Hütchenspielerei und Betrug, diese Zauberei! Allerdings staunte das Publikum nicht schlecht, als plötzlich die Flasche wieder in der Tüte war. Wie sie dorthin kam, das bleibt ein Geheimnis von Rauch, der den Titel des Deutschen Meisters der Magie trägt. Rauch hat ein sehr schlüssiges Konzept in seinen Tricks: Er verblüfft in bester Tradition der großen Spaßmacher mit Vorurteilen und vermeintlich alten Hüten der Zunft. Seine Seiltricks lassen zunächst gähnen, doch dann entwickelt sich von einer zur anderen Sekunde ein Feuerwerk kaum erklärlicher Ereignisse.

An Goethes Zauberlehrling erinnert die weiße Schreibfeder, die auf Geheiß des Meisters einen schwülstigen Liebesbrief aufs Papier kleckst. Ohne Netz und doppelten Boden. Rauch provoziert: Er fragt ein kleines Mädchen aus dem Publikum, was sein Lieblingstier sei. Ein Delfin sagt die Kleine mutig und Rauch zieht aus einem Umschlag ein Strichmännchen, das seine Nichte gemalt hat. „Sie hat gesagt, das sei ein Delfin“, so Rauch. Der Mann hat Recht: Die wahren Abenteuer finden im Kopf statt und Rauch zaubert sie mit Ironie auf die Bühne. Wie er zu dieser Kunst gekommen ist? Sein Opa war sein Vorbild. Rauch verrät dem Publikum auch das verwegene Pseudonym des Vorbildes: „Der große Werner“. Lachsalven erntet Rauch, der gesteht, dass eben dieser „Große Werner“ ihn zum ewigen Frauenversteher gemacht hat. Rauch poliert mit dem Gag die uralte Illusion des „Blumenstrauß aus dem Karton zaubern“ brillant auf. Rauch ist ein Meister seiner Zunft und scheut sich nicht, sich selbst auf die Schüppe zu nehmen. Seine Tricks per Videobotschaft sind genial und machen seine Magie noch schwerer nachvollziehbar. „Mir werden immer drei Fragen gestellt: 1. Kannst du davon leben, 2. Arbeitest du auch noch und 3. Kannst du mir die Lottozahlen sagen.“ Er sagt, das mit den Lottozahlen klappt nicht. Schwer zu glauben.

Jo Gernoth

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