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Schermbeck

„Keine Kunden, sondern Gäste“

06.01.2012 | 16:43 Uhr
„Keine Kunden, sondern Gäste“
Feiern das 20-Jährige im Schermbecker Ramirez: Küchenchef Thorsten Holtkamp, Inhaber Dirk Zeressen und Servicechefin Sabine Stegewerth (v.l.)

Schermbeck.Als Dirk Zerressen vor fast genau 20 Jahren das „Ramirez“ an der Maassenstraße eröffnete, sollen manche Schermbecker beim Blick auf den ungewöhnlichen Namen gefragt haben: „Macht da jetzt ein Jugoslawe auf?“ Lachend erzählt der Inhaber und Geschäftsführer diese Anekdote aus der Anfangszeit, denn inzwischen hat sich das Haus mit Kneipe, guter Küche, Biergarten und dem 2003 eröffneten Saal längst etabliert.

Drei Monate dauerten die Verhandlungen, bevor der damals 24-Jährige die leer stehende Gaststätte übernehmen konnte. Ein Freund gab Zerressen, der zuvor die Kneipe am alten Busbahnhof in Dorsten führte, den Tipp, sich die Immobilie anzuschauen. „Es lag alles brach“ und der Biergarten glich eher einem Dschungel. „Mit jugendlichem Leichtsinn“ wagte er sich an das Projekt, bei dem die Familie eine unverzichtbare Hilfe war.

Neun Monate dauerten die Arbeiten im Altbau von 1903 und den diversen Gebäudeteilen, die im Laufe der Jahrzehnte hinzukamen. „Das war von Null auf Hundert“, beschreibt er den großen Aufwand.

„Einen Super-Einstieg“ hatte das „Ramirez“, das am 3. Januar 1992 erstmals öffnete, und seitdem niemals wegen Wetter- oder Personalproblemen schloss. Denn einen Ruhetag gönnt sich das Team an der Maassenstraße nicht. Auch wenn er selbst nicht im Haus sei: „Es ist immer ein Ansprechpartner da.“ Das Delegieren und Verteilen von Aufgaben habe er erst lernen müssen, gibt Zerressen zu.

Zum Team gehören seit fast 17 Jahren Küchenchef Thorsten Holtkamp und die Servicechefin Sabine Stegewerth, die auch schon seit 13 Jahren dabei ist. Als Aushilfe angefangen, sagt sie heute den bis zu 20 Kräften im Service, wo es langgeht. Die müssen wissen: Zerressen bewirtet in seinem Haus „keine Kunden, sondern Gäste“. Er und sein Team wollen nicht „die Gastronomie neu erfinden“. Der Inhaber ist aber überzeugt: „Man merkt, ob eine Gaststätte Seele hat. Priorität hat der persönliche Kontakt mit dem Gast.“

Dies schätzen wohl viele, denn das „Ramirez“ lebt zu einem großen Teil von seinen Stammgästen, die etwa zur Hälfte aus Schermbeck kommen. Etwa ein Fünftel reist aus Dorsten an, auch die nähere Umgebung ist gut vertreten.

„Wir sind mit der Karte gewachsen“, beschreibt Zerressen die Entwicklung des Hauses. „Qualität und Quantität“ leiste sein Chefkoch, lobt der Inhaber. Drei fest angestellte Köche sind im „Ramirez“ beschäftigt, die regelmäßig auch für große Gesellschaften Speisen zubereiten. Und: „Es wird immer weiniger“, der Bierkonsum schwinde dagegen.

Die vermeintlich ungünstige Lage des Hauses hat Vorteile: „Es gibt keine Laufkundschaft“ und die Anbindung sei ideal. Ein wichtiges Standbein stellt der große Biergarten dar, den im Sommer auch auswärtige Radfahrer (das „Ramirez“ liegt an mehreren Routen) und Biker ansteuern. Zerressen und sein Team hoffen jetzt sehr darauf, dass 2012 endlich das Wetter mitspielt. Sonst wäre es schon der neunte verregnete Sommer in Folge.

Weder mit Nachbarn noch Behörden gibt es Stress. Dirk Zeressen fasst es so zusammen: „Schermbeck ist eine Insel der Glückseligkeit“.

Andreas Rentel

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