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Keine Angst vor Allahs Schatten

20.02.2008 | 17:27 Uhr
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Islamkenner Dr. Michael Lüders referierte im ausverkauften Alten Rathaus

Dorsten. "Wer etwas über den Islam erfährt, erfährt auch etwas über sich selbst", davon ist Dr. Michael Lüders überzeugt. Der Islam- und Politikwissenschaftler ging in seinem Vortrag im Alten Rathaus der Frage nach, ob wir wirklich Angst vor dem Islam haben müssen. Und er fand, wie schon in seinem im Vorjahr erschienenen Buch "Allahs langer Schatten", eine klare Antwort: nein.

Seine Angst gilt vielmehr der schlechten Angewohnheit vieler, "alles in einen Topf zu werfen". Reizworte wie Kopftuch, Scharia und Ehrenmord führten, so Michael Lüders, zu einer Emotionalisierung der Islam-Debatte, die dem sachlichen Vorankommen nicht dienlich sei. Ihm gehe es vor allem um eine differenziertere Betrachtung des Islam - den zu kritisieren er für legitim hält - aber auch der eigenen Position. Der westliche Blick auf den Islam sei nämlich in großen Teilen gar nicht durch den Islam selbst geprägt, sondern durch Unsicherheiten in der Bestimmung der eigenen, westlichen Identität.

Medienberichte, aber auch die ganz persönliche Wahrnehmung, zeigten oft ein Bild vom "typisch islamischen Menschen". Dessen Verhalten würde auch dort immer und allein auf religiöse Grundsätze zurückgeführt, wo man bei einem Christen persönliches Versagen annehme. Michael Lüders machte das am Beispiel des Ehrenmordes anschaulich und zeigte damit, dass er sich nicht scheut, auch die ganz heiklen Themen anzufassen.

In einem Parforce-Ritt graste er die Tagespolitik ab und wies dabei immer wieder auf das hin, was er für das Grundproblem in der Auseinandersetzung mit dem Islam hält: die Ethnisierung sozialer Probleme. Das gelte für die deutsche Innenpolitik genauso wie für die Probleme in der arabisch-islamischen Welt.

Probleme wie der Mord an jungen Frauen, Jugendgewalt und scheinbar fehlende Integration seien, so die zentrale Botschaft, keine Schwierigkeiten, die aus dem Islam herrührten oder mit diesem gar zu rechtfertigen seien, sondern soziale Probleme.

Seit zwei Jahren veranstalten der Trägerverein Altes Rathaus und die VHS gemeinsam Abende zum Thema Islam. "Es geht vor allem darum Wissensdefizite ab- und Brücken aufzubauen", erklärt Josef Ulfkotte, der Vorsitzende des Trägervereins. "Denn die Beschäftigung mit dem Islam ist auch in Dorsten von großer Bedeutung." Das an diesem Dienstagabend ausverkaufte Alte Rathaus bestätigte dies: der Islam beschäftigt die Menschen.

Den "Stein der Weisen" oder eine Antwort auf alle Fragen zu haben, versprach auch Michael Lüders nicht. Aber er zeigte einen Weg, sich selbst Antworten zu verschaffen: "immer zweimal hinschauen und positiv denken!"

Von Maren Plahuta

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