Kappenball ist mehr als Karneval
05.02.2012 | 14:28 Uhr 2012-02-05T14:28:00+0100
Holsterhausen. Wo Karneval dransteht, ist auch Karneval drin. Aber nicht nur. So schlicht lässt sich der traditionelle Kappenball der rührigen Gewerkschaftler der IGBCE aus Holsterhausen auf den Punkt bringen. Am Samstag war ein rappelvoller Festsaal im Gasthof Adolf der Beweis dafür, dass dieses Konzept abseits des klassischen Sitzungskarnevals gerne angenommen wird.
„Unsere Absicht ist es, ein Fest mit Freunden zu feiern. Dabei ist es völlig egal, ob jemand gewerkschaftlich organisiert ist, oder nicht. Was zählt, ist die gute Laune und ein Abend, der Abwechslung in den Alltag bringt“, sagt Andreas Naujoks, der sich als Kassierer in der Ortsgruppe engagiert.
Dass dieser Abend ein bunter Abend wird, ist vorprogrammiert. „Wir sind seit über 30 Jahren bei der Sache und wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir wollen auch kein Geld mit dem Ball verdienen, denn wir halten die Kosten für die Besucher bewusst gering“, sagt der Chef der Holsterhausener Gewerkschaftler.
Die Besucher dieses Kappenballs sind ein Spiegel der Holsterhausener Gemeinde, die ähnlich wie Hervest-Dorsten vom Bergbau geprägt ist. Nimmt man es genau, dann hat der Bergbau auf Dorstener Gebiet in Holsterhausen begonnen. Baldur hieß die Zeche und die baulichen Überreste sind heute noch auf der Baldurstraße zu besichtigen. Wäsche und Maschinenhaus werden als Lagerhaus und Produktionshalle genutzt.
Das ist längst Geschichte und so wie Baldur ist auch Fürst Leopold lange verschwunden und was geblieben ist, sind die Menschen in ihren Quartieren, die bis zum heutigen Tag etwas despektierlich Kolonie genannt werden. „Wir haben viele Witwen von verstorbenen Kollegen unter unseren Mitgliedern und die sind hier auch gern gesehene Gäste“, sagt Naujoks.
Derweil bereitet sich Siegfried Hartmann darauf vor, den Abend zu moderieren, denn es gibt natürlich ein Programm. Die „No Hollaback Girls“ der TSG Dorsten sind gerne beim Kappenball und ihr gekonnter Formationstanz ist einer der Höhepunkte des Abends. Kleine Vorführungen von Funken-Mariechen und tatsächlich auch hier und da eine Kappe oder eine bunte Perücke: Der Karneval ist erkennbar, aber er erdrückt dieses Familienfest nicht, das ein Stück weit vermittelt, dass die Bergleute einst eine verschworene Gemeinschaft waren, die sich in der einst ländlich geprägten Gesellschaft nur im engen Schulterschluss behaupten konnten. Kumpel halt.
Kumpel kommt von dem Begriff „die das Brot teilen“: Beim Kappenball ist eine riesige Tombola der Höhepunkt des Abends und die Mehrzahl der Preise sind deftige Speisen. „Jedes Los gewinnt. Das hat Tradition und wir machen uns gerne die Arbeit“, sagt Naujoks.
Und was sagen die Gäste? „Man trifft nette Leute und es ist halt so etwas wie Nachbarschaft. Das schöne an diesem Kappenball ist das lockere Ambiente“, sagt Tina Wobbe, die durch eine bunte Perücke unterstreicht, dass auch der Karneval eine Komponente des Holsterhausener Kappenball ist. Aber eben halt nur eine von vielen und das ist wohl auch gut so.
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