Jede Minute zählt
23.09.2008 | 18:06 Uhr 2008-09-23T18:06:18+0200Die neue "Herz-Stiftung Lippe" will dafür sorgen, dass die technische Ausstattung der Notfallkette stimmt, wenn es gilt, für einen Herzinfarkt-Patienten zu sorgen. Spender wollen, dass ihr Geld "vor Ort" eingesetzt wird.
Dorsten / Raesfeld. Hans-Dieter Angermann weiß die Dramatik seiner Situation damals 'runterzuspielen - ganz so, wie sich viele Herzpatienten bei den ersten Symptomen verhalten. "Die erste eigene Diagnose", erzählt der Raesfelder: "Du hast seit Tagen Magenprobleme." Der Hausarzt schickte ihn aber prompt zur Kardiologie. "Drei Tage später hat Dr. Böckenförde mir einen Stent setzen müssen" - jene Gefäßstütze wie ein Maschendraht en miniature, die zuvor mit einem Ballon geweitete Adern offen hält.
So fanden Anfang des Jahres im St. Elisabeth-Krankenhaus als Patient und Arzt zwei Stifter zusammen. Jetzt ist die Gemeinnützigkeit der neuen "Herz-Stiftung-Lippe" vom Borkener Finanzamt anerkannt, stellten die Stifter sich und ihr Anliegen im Haus der Sparkasse Vest vor.
An den Kardiologen und Chefarzt der Inneren Abteilung des St. Elisabeth-Krankenhauses war zuvor schon ein anderer Patient mit der Idee zu einer Stiftung herangetreten. Aber erst im Ehepaar Angermann fand Dr. Jan Bernd Böckenförde jetzt Partner, die vor dem bürokratischen Prozedere des Stiftens nicht zurück schreckten. Vielmehr ermöglicht die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Praxis der Raesfelder dafür, dass der "Herz-Stiftung-Lippe" keine Verwaltungskosten entstehen. Dafür sorgt Walburga Angermann, die selbst nicht zum Stifterkreis zählt - aber die Neugründung treuhänderisch verwaltet. Erst in einem zweiten Schritt soll daraus eine selbstständige Stiftung werden, samt Urkunde des Regierungspräsidenten.
"Jede Minute zählt in der Notfallkette." Das erfuhr vor acht Monaten auch Hans-Dieter Angermann. Für eine optimierte kardiologische Notfallversorgung will die Stiftung - und zwar in Dorsten und der Umgebung längs der Lippe - für die technischen Voraussetzungen sorgen. Dazu zählen rettende Defibrillatoren, die jeder medizinische Laie bedienen kann, aber auch eine Datenübermittlung aus dem Notarztwagen zur Ambulanzklinik. "Denn die wenigsten Notärzte sind Kardiologen", erklärt Dr. Böckenförde.
Ein "Defi" kostet rund 2000 E; die elektrokardiologische Aufrüstung der Notarztwagen ist noch teurer. "Wir wollen vor Ort Hilfe leisten und Qualität liefern", betont Michael-Stephan Kornau, der dritte Mit-Stifter, der in der Sparkasse Vest alle rechtlichen Fragen klärte. Es gebe "viele Spender", meint Dr. Böckenförde, "die ihr Geld nicht in eine große Organisation geben möchten, sondern ihr Anliegen vor der eigenen Tür umgesetzt sehen wollen".
Der Chefarzt sieht die neue "Herz-Stiftung Lippe" deshalb auch keineswegs als "Gegenpart" der bundesweit agierenden Deutschen Herzstiftung mit ihren fast 60 000 Mitgliedern. "Es geht auch nicht um Großspenden", ergänzt Michael-Stephan Kornau.
Die Herz-Stiftung-Lippe will demnächst mit einer Broschüre werben; Spendenkonto 90 21 35 70 bei der Sparkasse Vest, BLZ 42 650 150.
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