Irgendwann kommt ein tiefes Loch
16.03.2009 | 16:03 Uhr 2009-03-16T16:03:00+0100Selbsthilfegruppe Brustkrebs soll Anlaufstelle sein. Dr. Peter Tönnies als Impulsgeber.
„Wenn ich erzählt habe, ich müsse in psycho-onkologische Behandlung, kam mitunter die saloppe – aber mehr als verletzende und unqualifizierte – Rückfrage, ob mir die Chemotherapie auf den Kopf geschlagen ist, dass ich jetzt auch noch einen Psychologen brauche. Nein, so ist es nicht. Brustkrebs-Patientinnen sind nicht bekloppt. Die Operation bei Brustkrebs ist schnell erledigt. Man fühlt sich zunächst ruck-zuck wieder stark. Aber dann, nach Wochen, manchmal auch nach Monaten, kommt der Rückschlag. Da zeigen sich nicht nur die Nebenwirkungen der Chemo, sondern auch die Angst, ob man wirklich alles überstanden hat. Die Angst vor neuen Kontrolluntersuchungungen.”
Barbara Simon hat die Krankheit selbst erlebt. Und leitet heute gemeinsam mit Maria Risthaus den Gesprächskreis krebskranker Frauen in Dorsten. „Wir bieten – wie unser Name schon sagt – Gespräche an. Therapeutische oder psychologische Beratung aber können wir nicht leisten, obwohl uns hierzu viele Anfragen vorliegen.” Schon aus dem Grund begrüßen die beiden Frauen die Initiative des St. Elisabeth-Krankenhauses, allen voran mit Dr. Peter Tönnies, Dr. Simone Sowa, Qualitätsmanagerin und Pychotherapeutin Stefanie Riegert sowie Hiltrud Hachmöller als Pflegedienstleiterin und Schwester Gabriele Hötting als Stationsleiterin, eine Selbsthilfegruppe Brustkrebs anzustoßen.
„Wir können die Patientinnen hier medizinisch betreuen, während ihres Aufenthaltes auch alle Hilfen anbieten. Sobald die Frauen aber entlassen sind, sind sie auf sich selbst gestellt”, sagt Tönnies. „Immer wieder aber haben wir von den Patientinnen auch Anfragen, an wen sie sich danach wenden können.” Als Arzt habe er sich deshalb „als Impulsgeber für eine breit aufgestellte Selbsthilfegruppe” verstanden.”
Das Elisabeth-Hospital stellt der sich nun gründenden Gruppe kostenlos Räumlichkeiten für regelmäßige Treffen zur Verfügung, Ärzte und Schwestern stehen auf Wunsch als Ansprechpartner bereit. Betonen aber, „dass die Gruppe autonom und unabhängig sein soll.” Im Klartext: Wer mitmachen möchte, muss keinen Behandlungsschein aus dem Elisabeth-Krankenhaus vorlegen. Willkommen ist jede Frau, die nach einer Brustkrebserkrankung Gesprächsbedarf oder den Wunsch nach Hilfestellung hat.
Um dabei möglichst viele inhaltliche und organisatorische Facetten abzudecken, haben neben dem Gesprächskreis krebskranker Frauen auch die Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen in Dorsten sowie Lotus-Care, eine Selbsthilfegruppe onkologisch und hämatologisch Erkrankter und Angehöriger aus Herten, ihre Unterstützung zugesagt.
Denn es sind oft nicht nur eigene Ängste, die besprochen werden wollen. Es geht mitunter auch um ganz simple Fragen wie „Wo bekomme ich eine Perücke her” oder „Wie reagieren die Kinder, der Partner, die Freunde auf die Erkrankung?”, mit denen sich die Betroffenen auseinandersetzen müssen. „Das soziale Umfeld einer Patientin verändert sich”, schildert Barbara Simon ihre Erfahrungen. „Oft spalten sich Freunde ab, weil sich auch die betroffene Frau verändert, weil sie plötzlich eine ganz andere Sichtweise auf ihr Leben gewinnt. Sie ist für andere Themen als zuvor sensibilisiert. Damit kommt nicht jeder klar.” Wobei Selbsthilfe, das stellen alle Beteiligten deutlich heraus, nichts mit „Jammergruppe” gemein hat: „Es wird auch gelacht oder gemeinsam etwas unternommen.” Ziel ist in erster Linie der Erfahrungsaustausch, das Gespräch mit Gleichgesinnten, mit Menschen, die das eigene Schicksal nachempfinden können.
„Und da ist ein solches Angebot notwendig”, stellt Dr. Peter Tönnies heraus. Und macht das auch anhand von Zahlen fest: „Wir behandeln in unserem Haus etwa 100 Neuerkrankungen pro Jahr. Hinzu kommen die Kontrolluntersuchungen und auch die Folgeerkrankungen.” Bei einem ersten Rundschreiben an Patientinnen der letzten zwei Jahre mit dem Hinweis auf die Gründung der neuen Selbsthilfegruppe, seien allein schon aus diesem Kreis 40 Rückmeldungen gekommen. „Das zeigt”, so Tönnies, „wie hoch der Bedarf ist.”
Gründungstreffen am Donnerstag
Ein erstes Treffen der neu zu gründenden Selbsthilfegruppe ist für Donnerstag, 19. März, 16 Uhr, geplant. Treffen ist im St. Elisabeth-Krankenhaus, Seminarraum auf der Ebene 0. Willkommen sind alle interessierten Frauen, ob nun ehemalige Patientinnen des Elisabeth-Hospitals oder nicht. An dem Nachmittag werden Formalitäten wie die Daten für weitere Treffen geklärt. Auch Anregungen zur inhaltlichen Gestaltung der Gesprächstermine sind erwünscht. Für Informationen im Vorfeld steht Dr. Peter Tönnies unter 29 36 02 oder per Mail: p.toennies@krankenhaus-dorsten.de zur Verfügung.
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