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Interview

„Ich werde jetzt angelernt“

25.05.2012 | 16:42 Uhr
„Ich werde jetzt angelernt“

Barkenberg.   Swen Coralic (22) ist neuer Chef der SPD Wulfen und jüngster Vorsitzender eines politischen Ortsvereins. Für seinen Stadtteil schwärmt er: „Von den Menschen her ist das hier der Garten Eden“

Swen Coralic ist seit kurzem Chef der SPD Wulfen – und mit 22 Jahren der jüngste Vorsitzende eines politischen Ortsvereins in Dorsten. Mit der WAZ sprach der gebürtige (und leidenschaftliche) Barkenberger über seine politischen Leitlinien, seinen Heimatort und was er mit seinem Amt anfangen möchte.

In Ihrem Alter sind Sie ein Exot in der SPD . . .

Nein, zumindest hier in Barkenberg nicht. Wir haben inzwischen drei junge Leute im Vorstand und viele Mitglieder in dieser Altersklasse. Was uns eher fehlt, ist die Mittelschicht um die 40.

Wie kommt ein junger Mensch zur Parteipolitik?

Ich hab mich früh für Politik interessiert, anfangs aber eher mit dem linken Rand sympathisiert, hab mit 16 das kommunistische Manifest von Karl Marx gelesen. In der Beschäftigung mit religiösen Fragen habe ich dann gesehen: Bei Marx fehlt etwas: Die Eigenschaften des Menschen nämlich. Wir sollten eher eine solidarische Gemeinschaft haben, als eine Gesellschaft voller Raubtiere.

Und nach der Erkenntnis sind Sie in die SPD eingetreten?

Ich habe mich interessiert für die SPD, speziell die in Wulfen. Denn hier sind die Leute besonders herzlich. Der damalige Vorsitzende Michael Wronker hat den Kontakt zu uns jungen Mitgliedern gesucht, wollte unsere Meinung hören. Und dann bin ich einfach mal zu einer Sitzung des Ortsvereins hingegangen. Alle dort wollten wissen, was ich denke. Die versuchen sofort, uns junge Leute ins Gespann zu nehmen. 2009 bin ich dann in die SPD eingetreten. Hans-Udo Schneider, unser stellvertretender Sprecher und Bürgermeisterkandidat 2009, hat gesagt, der Ortsverein braucht den Generationen-Umbruch und will frischen Wind zulassen.

Und dann werden Sie mit 22 einfach so Vorsitzender?

Ich war ja vorher Stellvertreter, habe bei der letzten Hauptversammlung mit Elsbeth Kolloczek das Amt getauscht und werde jetzt angelernt. Ich bin sozusagen Vorsitzender in Ausbildung. Da kommt schon einiges Neues auf mich zu. Aber ich habe eine starke Mannschaft mit viel Erfahrung im Rücken und kann Aufgaben delegieren. Das ist ziemlich angenehm. Wir haben einen sehr herzlichen Umgang untereinander.

Was wollen Sie mit ihrem Amt anfangen?

Wir reden in Barkenberg ja viel über Brücken. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Brücken gebaut werden. Nicht aus Beton. Sondern zwischen Menschen, zwischen Generationen.

Ist Barkenberg eigentlich noch der größte SPD-Ortsverein in Dorsten?

Das war er mal. Die Holsterhausener sind die größten, danach kommt Hervest. Wir liegen mit der Altstadt dahinter. Mal auf Platz drei, mal auf vier. Da geht’s oft nur um zwei, drei Mitglieder. Aber das Potenzial für Wachstum ist da. Bei Jüngeren haben wir aber Konkurrenz, die Piraten. Das zeigt mir aber nur, dass die Leute nicht Politik-, sondern Politiker-verdrossen sind.

Seine Biografie spiegelt den Stadtumbau

Swen Coralic hat sein ganzes Leben in Barkenberg verbracht. Seine Biografie spiegelt ein Stück Stadtumbau: Besuch des Kindergartens Himmelsberg (abgerissen), der Blauen Grund-Schule (auch abgerissen) und der Gerhart-Hauptmann-Realschule (Erhalt steht zumindest zur Diskussion). Vielleicht sollte sich das Petrinum Sorgen machen: Dort hat der junge SPD-Chef Abi gemacht. Derzeit studiert er Politikwissenschaften an der Uni Duisburg.

Mit 22 Chef eines Ortsvereins zu werden: Ist das Ausdruck ihrer Leidenschaft für Barkenberg – oder der Beginn einer politischen Karriere?

Wenn mein Ortsverein mich fragt – wir stimmen immer sehr basisdemokratisch ab – könnte ich mir vorstellen, für ein Ratsmandat zu kandidieren. Wenn ich meinen Beruf frei wählen könnte, würde ich gern Lobbyist werden. Nicht für einen großen Konzern. Sondern für den kleinen Mann.

Wie sehen Sie ihren Heimatort Barkenberg?

Ich bin hier geboren, spiele seit meiner Kindheit für SUS Grün-Weiß Fußball, mittlerweile in der ersten Mannschaft, bin hier in den Kindergarten gegangen und zur Grundschule. Vom Ruf her ist Barkenberg leider die Bronx. Aber es gibt keinen Ort der so grün ist und von den Menschen her ist Barkenberg der Garten Eden. Eigentlich sollte der Stadtteil gerade für junge Menschen und Familien attraktiv sein.

Welche Barkenberger Fragen werden Sie in Ihrem Amt in der nächsten Zeit bewegen?

Im Stadtumbau müssen wir die Wohnungsgesellschaft LEG festnageln auf ihre Versprechungen und Projekte. Aktuell ist das Thema, wie die Freiflächen an der Dimker Allee genutzt werden. Für Wohnbebauung gibt es derzeit ja keine Nachfrage. Damit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe im Stadtteilbüro. Wichtig für Barkenberg ist die Stadtwerkedebatte, weil hier ja fast alle mit Strom heizen. Eine weitere wichtige Frage ist, was aus dem Hallenbad wird. Mit dem Sparpaket will die Stadt den Zuschuss an den Trägerverein ja auf 100 000 Euro begrenzen. Und: Was bedeuten die geplanten Einsparungen im Sport für unsere Vereine? Mit etwas Kreativität könnte man sehr viel mehr machen in Barkenberg.

Eine doofe Frage zum Schluss: Ihr Vorname wird mit W geschrieben. Hat das einen besonderen Grund?

(lacht) Keine Ahnung. Das habe ich meine Eltern nie gefragt. Ich fand’s nur immer gut, einen besonderen Vornamen zu haben.

Ludger Böhne



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