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„Ich entwickele so eine Kraft, dass ich Menschen unbewusst verletzen könnte“

Epilepsie ist für Friseur aus Dorsten kein Hindernis
Foto: Foto: Franz Meinert, WAZ FotoPool
Mathias Armerling macht trotz seiner Krankheit Epilepsie eine Ausbildung zum Frisör bei Kristina Tewes von Hair Pirat in Dorsten

Erinnerungen an den Ausbruch des Krampfanfalls hat Mathias Armerling danach nicht mehr. Aber er weiß, dass er einen Krampf hatte. „Ich fühle mich dann richtig mies und bin sehr schlapp. Das fühlt sich an wie nach einem Zehn-Kilometer-Marsch. Das ist Sport für den ganzen Körper. Alle Muskeln sind angespannt und beben. Eine extrem hohe Belastung.“

Von Hilfe soll man in seinem konkreten Fall der Epilepsie übrigens absehen. „Ich entwickele so eine Kraft, dass ich andere Menschen unter Umständen unbewusst verletzen könnte“, erklärt er. Ein Bekannter, der ebenfalls unter Epilepsie leidet, habe einem Helfer mal einen Finger abgebissen.

Stress, Unzufriedenheit, Kummer und Sorge

Stress, Unzufriedenheit, Kummer und Sorge seien bei ihm die Hauptgründe für einen Anfall. Dass er im Dorstener Betrieb davon bislang verschont blieb, ist für ihn kein Zufall. „Das hier ist das Beste, was mir passieren konnte. Ich liebe das Team, ich liebe meine Arbeit“, sagt er.

Bestätigung bekommt er zur Genüge. Von seinen Kolleginnen, von seinen Kunden. „Es ist Wahnsinn, was Mathias für tolle Ideen hat.“ Letztens, erzählt Kristina Tewes, habe sie eine Wette verloren. Ein junges Mädchen mit langen Haaren kam rein, Mathias sagte, sie würde mit einem Kurzhaarschnitt wieder raus gehen. „Im Leben nicht, die trennt sich doch nicht von ihren schönen langen Haaren, habe ich ihm gesagt.“ Eine gute halbe Stunde später gab es einen Milchshake. Auf Rechnung der Chefin. Die Haare waren kurz.

Auf den Boden der Tatsachen

Manchmal aber müsse sie Mathias dann auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Der Schmermbecker hat auch eine Hyperaktivitätsstörung. Für das Team des „Hair Pirat“, für die Kunden ist das ebenfalls kein Problem: „Dann gibt’s einen Klatscher und alles ist wieder gut zwischen uns“, sagt Kristina Tewes. Mathias Armerling nickt: „Sie ist wie eine Mama zu mir.“ Eine für alle Fälle.

Von Christoph Winkel

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