Hoffen auf die Erstkommunion
13.04.2009 | 14:51 Uhr 2009-04-13T14:51:00+0200
Dann könnte die Gemeinde für den ersten festlichen Gottesdienst nach dem Brand in St. Bonifatius einziehen
An Ostergottesdienste in seiner Kirche denkt Reinhard Vehring nicht. „Das war zwar mein Wunsch, doch schnell war klar, dass es dabei bleiben würde“, sagt der Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius in Holsterhausen.
Vom Schock des Kirchenbrandes, zwei Tage vor dem Weihnachtsfest, hat sich Vehring mittlerweile gut erholt. „Ab und zu denke ich natürlich immer noch darüber nach, was die Person dazu bewegt hat, die Krippe in Brand zu stecken, doch es geht mir wieder besser“, erklärt der 52-Jährige.
Von Alltag zu reden, ist wegen des tragischen Vorfalls der vom 22. Dezember aber noch lange nicht möglich. Improvisationstalent in sämtlichen Angelegenheiten ist seitdem täglich gefragt.
Der Großteil der Gottesdienste wurde ins Pfarrheim verlegt, ab und zu gewähren die Nachbargemeinden St. Antonius und die evangelische Martin-Luther-Kirche Unterschlupf. „Wir hoffen, dass wir Ende Mai, zumindest provisorisch, die Erstkommunion in unserer Kirche feiern können. Noch vor den Ferien soll sie dann endlich offiziell eröffnet werden“, erklärt Vehring.
Schon die Atmosphäre der Weihnachtsgottesdienste, die die Gemeinde in einem Zelt feierte, fand der Holsterhausener Pastor sehr bewegend. „Ein Stück sind wir dem nahe gekommen, was Maria und Josef erlebt haben. Sie mussten mit einer einfachen Herberge Vorlieb nehmen.“
Auch das Osterfest wird die St. Bonifatius Gemeinde wieder recht nahe an der biblischen Geschichte feiern. „Dazu fällt mir der Satz von den ersten Christen ein“, so Vehring. Dann greift er zur Apostelgeschichte und liest vor: „Täglich weilten sie einmütig im Tempel, brachen reihum in den Häusern das Brot und nahmen Speise zu sich in Fröhlichkeit und Schlichtheit des Herzens.“
So geht es auch für die Gemeinde am Osterfest in der Tat reihum – auf das eigene Gotteshaus muss schließlich noch verzichtet werden. Gründonnerstag versammelte sich die Gemeinde im Pfarrheim, am Karfreitag ging es in die Nachbargemeinde St. Antonius. Am heutigen Karsamstag gibt es vor der eigenen Kirche ein gemütliches Osterfeuer, an dem die Osterkerze angezündet wird. Dann zieht die Holsterhausener Gemeinde zur Martin-Luther-Kirche, um Heilige Messe zu feiern. Die Gottesdienste am Ostersonntag und am Ostermontag finden im Pfarrheim statt.
„Es ist eben eine ganz besondere, ja eine herzliche Atmosphäre. Bei Predigten spricht man nicht so sehr zu den Menschen, sondern eher mit den Menschen”, sagt Vehring.
Beweihräuchert wird die Osterkerze in diesem Jahr allerdings nicht. „Wir haben kein Weihrauchfass – es ist bei der Reinigungsfirma eingelagert. So etwas fällt erst auf, wenn man es gebraucht wird”, erklärt Reinhard Vehring.
Noch vor den Sommerferien sollen sämtliche gereinigten kirchlichen Utensilien ihren fest Platz in der Holsterhausener Kirche haben. Im Zuge der Renovierung überdachten Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand die Innengestaltung. Aus gut 400 Sitzplätzen werden 280, der vorerst provisorische Altarraum wird ein ganzes Stück in die Mitte der Kirche rücken. „Die Sitzbänke werden in U-Form angeordnet. Die Gemeinde rückt somit wesentlich enger zusammen”, sagt Vehring.
Wie schon seit dem Kirchenbrand kurz vor Weihnachten.
0mitdiskutieren