Heute bauen, was bald leer steht?
10.02.2012 | 17:36 Uhr 2012-02-10T17:36:00+0100
Dorsten.„Ich habe Sorge, dass das, was man 2013 baut, 2016 nicht mehr gebraucht wird. Wir haben Verantwortung für die nächste Generation!“ So mahnte Caritas-Geschäftsführer Klaus Schrudde am Mittwoch im Jugendhilfeausschuss angesichts der Schulden vor dem weiteren Ausbau von Kitas. Soll man tatsächlich noch so viel Geld in den Aus- und Umbau von Kitas stecken, wenn anderswo Gruppen wegen Kindermangel geschlossen werden und wegen des Geburtenrückgangs bald noch mehr Plätze über sind?
„Es ist eine Gratwanderung“, gestand denn auch der Beigeordnete Gerhard Baumeister ein. CDU-Sprecher Christian Heddier mahnte einen „moderaten“ Ausbau an und empfahl angesichts langer Abschreibungsfristen bei Bauprojekten Überbelegungen, Kindertagespflege und provisorische Gruppen. Monika Engfer von der ev. Kirche fand die Mahnungen verständlich, verwies aber darauf, dass „manche Kitas von vorgestern sind“ und dem heutigen Raumbedarf nicht mehr entsprechen.
Zuvor hatte Gerhard Baumeister erläutert, dass die Stadt zusätzlich 700 000 € für den Ausbau von U3-Plätzen erwarte, die mit Mitteln aus 2011 in den Umbau von vier der acht städtischen Kitas gesteckt werden sollen. In keiner städtischen Kita wurde bisher umgebaut, weil sich die Stadt den Eigenanteil nicht leisten konnte. Darüber hinaus gibt es vier Anträge von kirchlichen Kitas mit einem Investitionsvolumen von 1,8 Mio.€, für die aber kein Geld mehr da ist. „Da sehen Sie mich ratlos“, so Baumeister auch mit Blick auf den Stärkungspakt.
Was die Zahl der Kindergartenplätze angeht, so gibt es einen Engpass in Holsterhausen, dafür aber zuviel Plätze im Norden. In Rhade und Barkenberg werden im Sommer Gruppen geschlossen, 15 freie Plätze in Deuten werden in Holsterhausen angeboten, wo man auch noch eine provisorische Gruppe an der Bonifatiusschule unterbringt und mit Überbelegungen arbeitet. Abstriche gibt es bei den Plätzen für unter Dreijährigen zu Gunsten von Regelplätzen und möglicherweise auch bei der 45-Stunden-Buchung. Per Sondergenehmigung hofft die Stadt auf 61 zusätzliche Plätze (jetzt 789).
Was die Geschwisterkindregelung angeht, so bleiben - im regionalen Konsens - künftig die zweiten und dritten Kinder auch dann beitragsfrei, wenn das erste Kind im 3. Kindergartenjahr von den Gebühren befreit ist. Ansonsten muss bei unterschiedlich hohen Beiträge immer der höchste Satz gezahlt werden. Bei der OGS soll es keine Gebührenbefreiung für Geschwisterkinder geben, sondern mindestens den halben Beitragssatz.
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