Heimat, Exil und Diaspora
07.02.2012 | 16:50 Uhr 2012-02-07T16:50:00+0100
Dorsten.Heimat und ihr Verlust, Nachbarschaft und Ausgrenzung – diese Themen bestimmen die aktuelle Forschungsarbeit des Jüdischen Museums Westfalen. Sie sind auch Gegenstand eines hochkarätig besetzten Tagung am 27. und 28. März im Haus an der Julius-Ambrunn-Straße. Bei „Heimat-Exil-Diaspora“ geht es um jüdische Zugehörigkeitserfahrungen und ihre Reflexionen.
Die Tagung wird eröffnet am Dienstag, 27. März mit einem Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Rürup. Der Historiker, bis zu seiner Emeritierung tätig an der TU Berlin am Lehrstuhl für Neuere Geschichte, spricht ab 14 Uhr über „Landjudentum in den Modernisierungsprozessen des 19. Jahrhunderts“. Rürup, der von 1989 bis 2004 die Gedenkstätte „Topografie des Terrors“ leitete, gilt als Fachmann für die Geschichte des Nationalsozialismus.
Als ausgewiesener Experte für jüdische Geschichte ist Prof. Dr. Arno Herzig nicht zum ersten Mal Gast des Dorstener Hauses, wo er ab 15.30 Uhr „Jüdische Sichtweisen auf die Akkulturation am Beispiel Westfalens“ erläutert. Herzig wirkte bis zu seiner Emeritierung vor zehn Jahren am Historischen Seminar der Universität Hamburg, wo er an zahlreichen Forschungsprojekten zur deutsch-jüdischen Geschichte arbeitete.
„Mein Vaterland! Wie’s mich durchschauert“ hat Dr. Christine G. Krüger ihren Vortrag über Jüdischen Patriotismus im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert“ betitelt (Beginn 16.15 Uhr). Die Zeitgeschichtlerin der Uni Oldenburg forscht derzeit am Frias-Institut (Freiburg Institut for Advanced Studies).
Nicht nur Fachpublikum, sondern alle am Thema Interessierten lädt das Museum ein zur Tagung, die gefördert wird von der Kulturstiftung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Die Teilnahme kostet 30 Euro, Anmeldung im Jüdischen Museum, 02362/45279, E-Mail an info@jmw-dorsten.de. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl bittet das Museum um rechtzeitige Meldung.
Ein Bericht aus der Werkstatt des Projekts „Heimatkunde des Jüdischen Museums beginnt um 17.15 Uhr, danach führen Thomas Ridder und Museumsleiter Dr. Norbert Reichling durch die Dauerausstellung des Hauses. Das Abendprogramm schließt mit dem Vortrag von J. Monika Walther „Wir werden wie die Träumenden sein – eine Landsuche in Deutschland“. Die deutsch-jüdische Schriftstellerin, Dozentin für Medienpädagogik an der Uni Düsseldorf, lebt in Dülmen.
„Es liegt zu viel Sentimentalität in dem Wort Heimat“ ist die These von Dr. Iris Nölle-Hornkamp. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums eröffnet am Donnerstag, 28. März, um 9.30 Uhr den zweiten Tag mit einer Betrachtung über den Heimatverlust in den Erinnerungen westfälischer Exil-Juden. Dem stellt anschließend Dr. Cordula Lisser (Köln) die Erfahrungen jüdischer Rückwanderer in NRW gegenüber. Vor der abschließenden Diskussion spricht Dr. Ulrike Schneider (Potsdam) über „Die Suche nach der neuen Heimat“ in Texten jüdischer Autoren wie Jean Améry und Jeanette Wolff.
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