Grundschulen feiern den Verbund
21.10.2011 | 15:54 Uhr 2011-10-21T15:54:00+0200
Dorsten.„Kommt mal alle näher ran“, lotst der Kapitän des Schiffes, Herbert Rentmeister, Rektor der Agathaschule, die Schüler und Eltern gestikulierend weiter nach vorne auf den Schulhof: „Denn jetzt sind wir ganz offiziell eine Schule.“
„Wie ein Schiff auf großer Reise“ begeben sich die Agatha- und Kardinal-von-Galen-Grundschule (Altendorf-Ulfkotte) am Freitag in einen Verbund. Mit einem gemeinsamen Gottesdienst begannen die Feierlichkeiten.
„Kurze Beine, kurze Wege – bis zum nächsten Schulbus“: Diese Ansage von Schulrätin Sabine Metelmann löste im Sommer Sorge aus um den Erhalt der kleinen Dorstener Grundschul-Standorte wie Östrich, Altendorf und Deuten.
Doch nun hat Schulministerin Sylvia Löhrmann bis Jahresende ein Konzept angekündigt, nach dem einzügige Grundschulen als Teilstandorte im Verbund mit einer größeren Grundschule auch dann erhalten werden können, wenn sie weniger als 92 Schüler haben: „Die Schülerzahl muss in der Regel zwischen 60 und 92 liegen“, soll die neue Vorgabe lauten.
So will die Landesregierung wohnortnahe Grundschulen auch weiterhin erhalten. Die neue Linie könnte in der Dorstener Diskussion um den neuen Schulentwicklungsplan, die nun ansteht, zumindest bei den Grundschulen entspannen. Bei Fortbestand des bisherigen Limits von 92 Schülern für Teilstandorte hätten die Dorfschulen jedes Jahr aufs neue um ihren Bestand zittern müssen.
Anschließend fand sich die „Schiffsbesatzung“ in ihren Klassenräumen ein, um gemeinsam zu frühstücken und einander besser kennenzulernen. Es dauerte nicht lange, bis sich der Pausenhof füllte. Der Schulleiter begrüßte sie freudig, dankte den Lehrern und der ehemaligen Schulleiterin Ingeborg Ruhe und sagte: „Wollen wir anfangen, so richtig eine Schule zu werden.“
Den musikalischen Auftakt machte das Lied: „Wir sind Kinder einer Welt.“ Dazu wurde ordentlich in die Hände geklatscht, gepfiffen und mit den Füßen auf den Boden gestampft. Den Schritt der Verbundenheit betonte auch Christel Briefs, die stellvertretende Bürgermeisterin, einst selbst Lehrerin: „Wir gehen aufeinander zu, wir sind eins.“
Ein Exkurs von Herbert Rentmeister in die Geschichte der Schulen macht es deutlich: „Im Ursprung sind sie gleich alt und gleich entstanden.“ So gab es ab etwa 1780 zunächst unregelmäßig Unterricht in den Schulen, den der damaligen Pfarrer von St. Agatha beaufsichtigte. Anlass der Schulgründung war ein Dekret des Preußenkönigs Josef II, der im Zuge seiner umfassenden Staatsreform auch die Pflicht zum Schulunterricht einführte. Das Preußische Dekret von 1766 regelt es. Zunächst mussten in Dorsten eine Scheune und ein Fachwerkhaus herhalten, bis schließlich der Bau der Schulgebäude möglich war.
Danach richtete sich der Blick des Schulleiters nach vorn: „Heute sind die Schulen wieder zusammengeführt worden. Wir sind ein funktionierendes Lehrerkollegium und eine funktionierende Schulleitung“, betont Rentmeister. Als Symbol für den Verbund pflanzte er eine Stechpalme auf dem Schulhof.
Aktuell besuchen rund 360 Schüler die beiden Standorte, für die ein 19-köpfiges Lehrerkollegium verantwortlich ist. Auch die Pädagogen stimmten ein Lied an: „Unser Käptn’, Herr Rentmeister, geht jetzt mit uns auf große Fahrt. Ahoi!“ Sie wünschten ihm „allzeit guten Wind“ und schenkten ihm passend zum Anlass eine Kapitänsmütze. Denn was wäre ein Seemann ohne seinen Hut?
Eine kleine Pause sei allen auf dem großen steinernen Schiff gegönnt: Bevor es wieder richtig losgeht und die Segel gesetzt werden, die wie das Gebäude allen Winden trotzen, fiebern die fleißigen Matrosen den Herbstferien entgegen – die läutete die Schulglocke ein.
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