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20 Jahre...

„Gerne einfach mal nur arbeiten“

30.04.2010 | 16:59 Uhr
„Gerne einfach mal nur arbeiten“

Dorsten.Es gibt Tage, die vergisst man nicht. Bei Flüchtlingsreferent Wolfgang Habermann ist es der 27. April 1990. Der Tag, an dem er in sein Amt eingeführt wurde. Es war die Zeit, als Flüchtlinge und Aussiedler ins Land strömten und manchmal Busse voller Menschen quasi von einer Minute auf die andere untergebracht werden mussten.

Die Zeiten haben sich geändert. Seit Jahren sinken die Flüchtlingszahlen, viele Heime wurden geschlossen, die Ziele werden neu definiert.

Vor 20 Jahren wurden zeitweise Turnhallen zu Notquartieren umfunktioniert und mit zu vielen Menschen belegt. Es gab Flüchtlingsheime, an die sich Wolfgang Habermann und seine Kolleginnen Irena Modler und Ute-Maria Schlebusch mit Schaudern erinnern. Dazu gehören das alte Schwesternwohnheim auf dem früheren Krankenhausgelände, aber auch die alte Marienschule an der Bismarckstraße.

Die Zustände riefen viele Bürger auf den Plan – sowohl die, die gegen den Zustrom so vieler Fremder protestierten, aber auch jene, die gegen deren bedrängte Lebenssituation protestierten. Sie kamen aus Gemeinden, Vereinen oder Nachbarschaften, halfen ehrenamtlich und gründeten Asylkreise. Sie waren es, die einen Flüchtlingsreferenten forderten und dafür die ev. Kirche gewinnen konnten.

Als Wolfgang Habermann sich 1990 um die Stelle bewarb, betreute er im Auftrag der ev. Kirche ausländische Studenten an der Uni Bochum. Eingestellt nicht für Einzelfallhilfe, sondern für Koordination, erstellte er 1993 zusammen mit der Stadt ein Betreuungskonzept, 1999 das Migrationskonzept.

1999 wurde das Migrationsreferat ausgeweitet, Irena Modler und ein Jahr später auch Ute-Maria Schlebusch stießen dazu. Die aus Polen stammende Erzieherin Irena Modler war bis dahin bei der AWO als Flüchtlingsbetreuerin tätig, Ute-Maria Schlebusch beim Deutsch-Türkischen Freundeskreis.

Weil man in den Anfangsjahren davon ausging, dass die Flüchtlinge bald wieder weg sein würden, blieb die Unterbringung notdürftig, es gab keine Schulpflicht, keine Sprachkurse und keine Arbeit. Erst als 1993 das Asylverfahrensgesetz geändert wurde, gab es Geld für die Betreuung. Es fand ein Umdenken statt, man setzte auf Integration. Gleichzeitig wurde das Asylrecht verschärft, so dass immer weniger Flüchtlinge kamen.

Viele durften bleiben, viele wurden und werden abgeschoben. Manche leben seit Jahrzehnten hier, inzwischen erwachsene Kinder wurden hier geboren. Ihre Lage ist aussichtslos. Andere haben Bleiberecht auf Probe. Ende offen.

Die Flüchtlingsberatung gehört bald nicht mehr zu den Aufgaben des Migrationsrefrates. Aussiedler- und Flüchtlingsberatung werden bei der Caritas zusammengelegt. „Wir bedauern das.“ Habermann und seine Kolleginnen trauern auch um ihre Arbeit im Treffpunkt Luisenstraße, wo in zehn Jahren viel Gutes entstanden ist. „Wir haben uns immer Neues einfallen lassen“, sagt Irena Modler.

Sie wird in einem Modellprojekt als Schulsozialarbeiterin an der von-Ketteler- und der Augustaschule mit Mi-grantenfamilien arbeiten. Ute-Maria Schlebusch kümmert sich in Hervest um Senioren mit Migrationshintergrund.

Beide Frauen haben seit Jahren befristete Verträge. Die Kasse der Kirche ist so leer wie die der Stadt, ständig müssen Drittmittel eingeworben werden. „Ich würde gerne einfach mal nur arbeiten“, erklärt der Flüchtlingsreferent.

Viel Hoffnung hat er da allerdings nicht.

Ute Hildebrand-Schute

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