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Gelobt wird nicht

14.04.2010 | 12:26 Uhr
Gelobt wird nicht

Rhade.„Keine Lobhudelei. Die verbitt’ ich mir!“, gibt Dietrich Elsner als Bedingung vor. Auch wenn sonst im Gespräch immer ein Lächeln auf seinem Gesicht liegt, in diesem einen Punkt ist er streng.

Dabei ist der Anlass, der ihn in die Öffentlichkeit stellt, eigentlich Grund genug, den Hut vor ihm zu ziehen. Dietrich Elsner ist 85 Jahre alt. Das sind viele andere Bürger auch. Sogar mitunter noch älter. Aber Elsner treibt regelmäßig noch sein morgendliches Fitness-Programm, geht beispielsweise Joggen. Und spielt Tennis. Das macht sicherlich nicht mehr jeder Gleichaltrige. Und seit 1979 - somit seit 31 Jahren - lernt Elsner an der Volkshochschule Englisch. Nicht, dass jetzt ein falscher Verdacht aufkommt: Dietrich Elsner beherrscht die Sprache, lernt also nicht Jahr für Jahr die gleichen Vokabeln.

„Mir macht die Sprache einfach Spaß“, gibt der rüstige Senior an. „Ich lerne ja auch nicht neu. In meinem Alter kann man nicht mehr so viel dazu lernen. Ich versuche mit Zähnen und Klauen das Erlernte im Kopf zu behalten und mein Sprachwissen zu manifestieren. Das ist die Schwierigkeit. Der Kampf gegen das Vergessen.“

Und den führt das Dorstener „Nordlicht“, bis 1979 als Diplom-Ingenieur tätig, nicht nur mit englischem, sondern auch mit französischem und spanischem Wortschatz. Französisch lernt er an der VHS in Borken, Spanisch im Selbststudium. Zeitweilig kam sogar noch Niederländisch dazu, weil die Tochter sich im Nachbarland niedergelassen hat und Elsner sich mit seinen Enkelkindern in deren Muttersprache unterhalten wollte. „Aber als die Kinder besser deutsch als wir holländisch sprachen, haben meine Frau und ich das Lernen dran gegeben“, lacht das Multitalent.

Sein Faible für Sprachen entdeckte Dietrich Elsner schon in jungen Jahren. Als Baupraktikant arbeitete er mit englischen und französischen Kriegsgefangenen zusammen: „Damals habe ich etliche Brocken aufgeschnappt“, erinnert er sich. Und „bei einem Urlaub auf Korsika 1973, als wir auf Engländer trafen, habe ich gemerkt, dass das Wissen nicht weg, sondern nur verschüttet war.“

In VHS-Kursen hat Elsner dann gegraben und gegraben - und Vieles an Sprachwissen wieder frei gelegt, ergänzt, erweitert. „Man muss bei der Stange bleiben“, sagt der 85-Jährige, der nach eigenem Bekunden „seit meiner Pensionierung 1979 nicht einen Tag Langeweile hatte.“

Mit seiner Frau verbringt der Rhader jährlich zwölf Wochen in der eigenen Wohnung in Spanien, daheim in der Lippestadt ist der Garten sein Hobby. Und die europäische Geschichte: „In meinem Jahrgang haben wir in der Schule noch ein ganz anderes, ein sehr eingegrenztes Geschichtsbild vermittelt bekommen“, gibt der Senior zu. Das habe er in den letzten Jahrzehnten erweitert, verändert. „Man lernt dadurch auch sein eigenes Land anders kennen. Man erarbeitet sich Zusammenhänge, die man vorher nicht so vermutet hätte. Inzwischen habe ich mir das Geschichtswissen von ganz Europa bis ins Detail angeeignet“, ist Dietrich Elsner auch ein wenig stolz. Auf sich - und auf seine Selbstdisziplin. Denn die, so betont er, müsse sein: „Man muss sich selbst täglich in den Hintern treten, wenn man fit bleiben will. Man darf sich nicht hängen lassen.“ Dass dies bei Dietrich Elsner nicht der Fall ist - so viel Lobhudelei muss nun aber sein - steht außer Frage.

Susanne Menzel

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