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Geknipstes Selbstbewusstsein

08.03.2009 | 20:00 Uhr

Ein Foto-Shooting kann mehr als schöne Bilder liefern.VHS-Workshop liefert den Beweis

Nicht verändern, sondern verstärken: Christiane Essling bewies im Foto-Shooting der VHS einmal mehr, dass es nur eine Frage des Know-How ist, wie mit wenig Aufwand das Erscheinungsbild positiv beeinflusst werden kann. Fotos: WAZ, Ralph Heeger

Dorsten. Eigentlich ist Fotografie ja nichts anderes, als die Projektion der angenommen Wirklichkeit auf eine Fläche. Mit ein bisschen Licht und einem leistungsfähigen Computer lässt sich diese Wirklichkeit manipulieren und in Anbetracht der Tatsache, dass im Zeitalter der digitalen Fotografie jeder Besitzer einer digitalen Kamera endlos viele Fotos schießen kann, scheint das Foto-Handwerk seine Kunst verloren zu haben. Das ist allerdings ein Irrglaube.

Nach wie vor verbergen sich zwischen Foto-Objekt und Fotograf Geheimnisse, die nicht jeder Knipser ans Tageslicht fördern kann. Schon gar nicht, wenn das Foto-Objekt ein Mensch ist. Acht Teilnehmerinnen des VHS-Workshops "Profi-Foto-Shooting" konnten diese These jetzt mit Begeisterung als persönliche Erfahrung buchen.

Bei einem Foto-Shooting liegt die Kunst tatsächlich in der Vorbereitung. Was Christiane Essling aus Borken alles aus den Teilnehmerinnen stylte, war schon eindrucksvoll. "Es geht nicht darum, jemanden völlig zu verändern. Die Kunst liegt darin, durch die Gestaltung der Frisur und dem gezielten Einsatz die Persönlichkeit der Person zu unterstreichen. Da wird eigentlich nur verstärkt, was in jedem vo uns vorhanden ist", verrät Christiane Essling ihr Geheimnis zur Steigerung des Selbstwertgefühls.

Carsten Miersch ist über sein Hobby, nämlich die Fotografie, zu seinem Beruf gekommen. "Für mich ist das Berufung. Durch den Sucher einer Kamera nimmt die Welt andere Dimensionen an. Natürlich auch der Mensch, den man abbildet. Mit Christiane Essling macht die Zusammenarbeit richtig Spaß, denn wir sind da auf der gleichen Wellenlänge und die ist auf der Natürlichkeit des Menschen begründet", meint der Fotograf, der mit vollem Körpereinsatz arbeitet.

Auf einem Schaumstoffwürfel sitzt die 47-jährige Susanne Soyka. Sie lacht, wirkt jugendlich unbeschwert und folgt den Vorschlägen von Carsten Miersch. Mal den Kopf etwas schräger, mal das Bein etwas angezogen, weil dann der ganze Oberkörper anders wirkt: Kleine Hinweise mit großer Wirkung.

"Da ist eine Art Vertrauensbeziehung zum Fotografen entstanden. Vielleicht ist das der Schlüssel dafür, dass die Fotos so ganz anders sind", verrät eine Teilnehmerin, die zu ihrem Alter lieber schweigt. Ihr Motiv sind Bewerbungsfotos. Und das, was sie sich ganz locker auf dem Laptop von Carsten Miersch anschauen kann, wird sicher den ein oder anderen Personalchef beeindrucken.

"Dynamik und ein solides Gesamtbild sind auf einen Nenner zu bringen. Das ist Arbeit und nicht so eben daher geknipst", meint der Fotograf Miersch und seine Ausrüstung ist wohl der Beweis dafür, dass auch im Pixel-Zeitalter immer noch das Auge und die Fähigkeit von Fotograf und Technik gefordert sind.

"Ich mache seit über 25 Jahren Workshops in Sachen Kosmetik und Erscheinungsbild und kann ihnen versichern: Jede und Jeder ist mit ein paar Tricks und Kniffen in der Lage, seine Escheinung zu optimieren. So etwas zu fotografieren und zu konservieren ist für viele Menschen ein wichtiger Schritt in Sachen Steigerung des Selbstwertgefühls", sagt Christiane Essling.

Für Tanja und Friederike, die Jüngsten dieses Shootings, an dem Frauen zwischen 16 und 60 teilgenommen haben, war die ganze Sache einfach ein riesiger Spaß.

Jo Gernoth

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