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Einsatz als Lösungsmittel Die Stadt "schmiert ab"

29.05.2007 | 09:30 Uhr

Litauischer Lkw-Fahrer verliert Öl und bringt Autofahrer in Marl und Dorsten ins Rutschen.Die Beseitigung der Schmierspur ist langwierig. Verwaltung bittet: "Nicht mit dem Auto ins Stadtgebiet fahren."

Bei Oxo-Öl handelt es sich um eine klare, hochsiedende, schwach wassergefährdende Flüssigkeit. Der Stoff wirkt bei direktem Kontakt auf Haut und Augen reizend, informierte der Chemiepark Marl gestern die Behörden.

Verwendet wird Oxo-Öl vorwiegend als Lösungsmittel in der Mineralölindustrie sowie als Zusatzstoff in der Leder-, Papier-, Klebstoff- und Textilindustrie.

Hersteller des Zusatzstoffes ist die Oxeno Oelfinchemie GmbH am Verbund-Standort in MarlDorsten. Okay, auf dem Feldberg hat's am Wochenende geschneit. Im (fast) Sommer. Aber Glatteis auf Dorstens Straßen im Mai? Nein, daran konnt's nicht liegen, dass vormittags ein Auto nach dem anderen über die Borkener-, Gahlener- und die Gladbecker Straße schlidderte, weil die Reifen scheinbar jegliche Bodenhaftung verloren hatten. Eine Dieselspur, so vermuteten die meisten Pkw-Fahrer, die krampfhaft ihr Lenkrad umklammert hielten und im Schneckentempo durch die Stadt tuckerten. Wieder falsch: Eine seifige Flüssigkeit - eine Substanz namens Oxo-Öl - ist für die Rutschpartien verantwortlich, stellte sich später heraus.

Am frühen Morgen war ein wahrscheinlich litauischer Lkw in Marl losgefahren und hatte schon Flüssigkeit zwischen einem Chemieunternehmen und der Autobahn verloren. "Die ersten Meldungen gingen in der Leitstelle gegen kurz nach 9 Uhr ein", so Kreispolizei-Sprecher Andreas Weber. Und dann ließ sich die Spur des scheinbar leck-geschlagenen Wagens nur noch anhand der eingehenden Unfallanzeigen verfolgen. Eine Zufahrtsstraße zur A 52 im Bereich der Anschlusstelle Brassert war in null-komma-nichts eine gefährliche Rutschbahn verwandelt (und musste ebenso wie die Autobahnauffahrt gesperrt werden), die Straßen auf Dorstener Stadtgebiet ebenso, weiter ging's zur A 31. "Von dort aus hat dann die Autobahnpolizei übernommen", so Weber.

Durch den Regen wurd's dann so richtig rutschig, bis zum Mittag ereigneten sich zwölf kleinere Auffahrunfälle, weil viele Fahrer ihre Autos nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen konnten. Es blieb aber glücklicherweise jeweils bei Blechschäden.

Erste Reinigungsversuche der Straßen mit herkömmlichen Mitteln erwiesen sich als erfolglos, die Feuerwehr ging alsdann mit Öl-Bindemitteln gegen den leicht ätzenden, aber nicht gesundheitsgefährdenden Stoff vor.

"Das Mittel ist hartnäckig, mit einmal Schrubben und einmal Streuen ist das nicht getan", gab Stadtsprecherin Lisa Bauckhorn am Nachmittag eine erste Stimmungslage aus der Stadtverwaltung bekannt. Ordnungsamt, Feuerwehr, Bauhof, Entsorgungsbetrieb und Polizei hatten sich zur Einsatzbesprechung zusammengefunden. Denn: "Die Stadt hat zwar eine gewisse Menge an Bindemitteln auf Vorrat, aber nicht soviel, um alle Haupt- und Nebenstraßen abzustreuen. Wir mussten uns schon in Nachbarstädten etwas leihen", so Bauckhorn. Weitere Schwierigkeit: Wie bekommt man die Fahrbahnen so großräumig abgestreut? "Wir versuchen unser Glück jetzt mit den Winter-streuwagen und vier Kehrmaschinen", so die Stadtsprecherin. "Am besten wäre es, wenn alle Autofahrer das Stadtgebiet großräumig umfahren würden. Denn das Mittel wird ruckzuck weitergetragen."

Der Verursacher war übrigens auf dem Weg nach Delft in den Niederlanden. Die Polizei hat seine Verfolgung aufgenommen.

Von Susanne Menzel Foto: WAZ, Guido Bludau


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