Eine Kerze für Gott
23.01.2008 | 18:07 Uhr 2008-01-23T18:07:33+0100Im katholischen Kindergarten St. Ida in Holsterhausen spielt der Glaube eine große Rolle.Trotzdem gibt es hier viele Kinder unterschiedlicher Konfessionen - und sehr engagierte Eltern
WAZ-SERIE (28): KINDERGÄRTEN IN DORSTEN Holsterhausen. Nein, Jaimie will nicht aufräumen. Sie will weiter das grün gefärbte Wasser von der Mini-Tasse in die Mini-Flasche füllen. Dass dabei was daneben geht, stört sie nicht. Kann man ja wegwischen. Auch Julian füllt die bunte Brühe begeistert von der Tasse auf den Teller und zurück. Die beiden Dreijährigen gehören zu den Jüngsten in der Drachengruppe des Kindergartens St. Ida. Die Älteren haben anderes zu tun. Ein paar Jungs hängen auf dem Spiele-teppich gemeinsam über einem Flugzeugbuch, während drei Mädels mit einem Holzpuzzle hantieren.
Kein Geschrei, kein Gestreite. Und sollte es doch mal Probleme geben, dann versuchen die Kinder diese zunächst allein zu lösen. "Die Erziehung zur Selbstständigkeit ist uns ganz wichtig", erklärt Andrea Borgs, Leiterin der kleinen Drachen. Bären gibt es noch. Und Sonnenkäfer. Insgesamt besuchen 75 Kinder die katholische Einrichtung in Holsterhausen, die seit 1992 integrativ arbeitet: Vier Kinder mit Behinderungen gehören dazu - "und die sind hier keine Außenseiter", betont Gerti Klümper, die Leiterin.
Die 55-Jährige kennt den Kindergarten seit Ewigkeiten. "Mein Sohn war schon hier, der ist jetzt 35", erzählt Klümper. Auch Andrea Borgs kennt St. Ida aus Kindertagen "und jetzt kommen schon die ersten Kinder von ehemaligen Kindergartenkindern". Die 41-Jährige wollte auf jeden Fall was mit Kindern machen: "Sie zu begleiten von klein auf, das ist eine Herausforderung." Und sie merkte während der langen Zeit, dass die Arbeit anders wird, weil die Kinder anders werden: "Früher hat man mit allen das Gleiche gemacht." Heute wird viel in Kleingruppen gearbeitet, was auch daran liegt, dass es früher keine Dreijährigen im Kindergarten gab. An dieser Stelle lobt Gerti Klümper ihre Großen: "Die kümmern sich toll um die Kleinen und nehmen viel Rücksicht."
St. Ida ist eine katholische Einrichtung und eng in die Kirchengemeinde St. Bonifatius eingebunden. Vor dem Umzug 1965 hatte der Kindergarten seinen Platz im alten Schwesternhaus, in dem heute noch die kleine Gemeinschaft der koreanischen Schwestern untergebracht ist.
"Den Glauben zu leben, das ist uns ganz, ganz wichtig", sagt Gerti Klümper. Und das geht auch mit Kindern verschiedener Konfessionen, egal ob Moslems oder Zeugen Jehovas. Regelmäßig besuchen die Erzieherinnen mit ihnen die Kirche, auch außerhalb von Familiengottesdiensten. Regelmäßig schaut Pfarrer Vehring an der Idastraße vorbei. Bald wird er den Kindern zum Beispiel die Bedeutung des Aschermittwochs erklären und jenen, die das wollen, ein Aschekreuz auf die Stirn malen. Und dann ist da noch die Kerze - eine ganz besondere. Wird die angezündet, wissen die Kinder: Was jetzt kommt, hat irgendwas mit Gott oder Jesus zu tun. Das kann ein Lied sein oder eine Geschichte.
Einen Förderverein gibt es nicht im Kindergarten, aber trotzdem sehr engagierte Eltern, die Kleidermärkte organisieren, basteln und backen, Wände streichen und Teppich verlegen und eine kleine Putzkammer in einen gemütlichen Ruheraum verwandeln. "Ein Opa hat sogar extra eine Wolkenlampe aus Holz gezimmert." Bald kriegen die fleißigen Eltern wieder was zu tun: Flur und Eingangshalle sollen neu gestaltet werden.
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