Eine Allianz für sauberes Trinkwasser
25.02.2009 | 17:55 Uhr 2009-02-25T17:55:39+0100Kooperation besteht seit nunmehr zehn Jahren.Landwirte und Gewässerschützer profitieren
Dorsten. Die Allianz für sauberes Trinkwasser im Drei-Kreise-Eck Recklinghausen, Borken und Wesel feiert zehnten Geburtstag. Landwirtschaft und Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) schlossen 1998 eine Kooperation für das Wasserschutzgebiet Holsterhausen/Üfter Mark in Dorsten und Schermbeck.
Die Aufgabe: Die teilnehmenden Landwirte beraten und fördern. Sie kümmen sich insbesondere um eine intelligent dosierte Düngung. Erste Erfolge gibt es bei dieser Zusammenarbeit, betont Hubert Krampe. Der Milchbauer aus Rhade ist Vorsitzender der Teilkooperation.
Besonders im Blick haben die Gewässerschützer die Nährstoffkonzentration im Boden. Viele der Landwirte geben ihre Betriebs- und Bodendaten an Wolfgang Neuenhaus von der Landwirtschaftskammer weiter, der das Wasserschutzgebiet im Kreis Recklinghausen betreut. Mit den darauf basierenden Werten kann der Gewässerschutzberater die Nährstoffsituation zielgenau analysieren und Empfehlungen ableiten.
Die Daten fließen anonym in die Statistik und zeigen den Stand der Kooperationsarbeit im gesamten Gebiet. Ein System, das sich bewährt hat, so Neuenhaus: Jeden Standort nach fachlicher Praxis zu düngen helfe dem Gewässerschutz und diene den Finanzen der Landwirte.
Ein Schritt ist der Verzicht vieler Landwirte auf die Gülledüngung im Spätherbst nach dem 15. September, wenn der Boden die Nährstoffe nicht mehr so gut binden kann.
Um den Bauern diese Flexibilität zu ermöglichen, hat die RWW in den vorigen Jahren viele Betriebe finanziell beim Aufstocken ihrer Güllelagerkapazitäten unterstützt. Zudem wird der Anbau von Zwischenfrüchten im Herbst gefördert. Denn die binden Nährstoffe für die Folgefrucht im nächsten Jahr und verhindern zudem die Erosion der Böden.
Den positiven Effekt kann jeder bei einem Winterspaziergang sehen: Die Felder sind grüner.
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Die Kooperationen sind sehr zu begrüßen, insbesondere wegen Nitrat und Pestiziden im Trinkwasser.
Aber: Im Trinkwasser Deutschlands sind oft Fäkalien. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit warnt: „Grenzwertüberschreitungen bei Fäkalkeimen der Trinkwasserverordnung sind in 25%, im Sommer sogar in 33% der Trinkwasserproben. Im Grund- und Trinkwasser Bayerns werden regelmäßig Legionellen nachgewiesen.“ Anderswo in Deutschland wird das kaum anders sein. Das Umweltbundesamt UBA publizierte schon im März 2007, dass seit Inkrafttreten der neuen Trinkwasserverordnung über häufigere Grenzwertüberschreitungen bei coliformen Bakterien geklagt wird. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hat 2007 über eine stabile und aktive Bakterienpopulation im Trinkwasser der Harzwasserwerke in Braunschweig berichtet. Professor Dr. med. Martin Exner, Hygiene-Institut der Universität Bonn und Vorsitzender der Trinkwasserkommission von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, hat mehrfach Enterobacter cloacae im aufbereiteten Trinkwasser aus Talsperren gefunden. Das UBA hat bei Berliner Trinkwasseraufbereitungsanlagen nachgewiesen, dass deren Virusfiltration im Mittel 10.000-fach geringer ist als dies die Trinkwasserrichtlinie der Weltgesundheitsorganisation WHO bei Oberflächenwasser seit 2004 fordert. Das Staatliche Veterinäruntersuchungsamt Krefeld hat in fertig aufbereiteten Trinkwässern aus der Region Aachen humane Rotaviren mit einer Positivenrate von 20% gefunden.
Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann, Vorstand im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz BBU e.V.: „Das Liefern von Trinkwasser mit Krankheitserregern ist ein Straftatbestand! Wasserwerke mit der üblichen veralteten Technik können Krankheitserreger nicht umfassend filtern oder abtöten. Trinkwasser enthält oft Bakterien, Parasiten und Viren. Deshalb muss das Trinkwasser mit der Ultrafiltration für rund einen halben Euro pro Person und Monat aufbereitet werden. Machen Sie Ihrem Wasserversorger Dampf!“
soddemann-aachen@t-online.de
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