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Handel auf Fürst Leopold

„Ein Umbruch im Gefüge Hervests“

14.04.2010 | 17:05 Uhr
„Ein Umbruch im Gefüge Hervests“

Hervest.Noch deutlicher konnte Michael Karutz in seinem Gutachten zum Handel auf Fürst Leopold kaum werden: Das Konzept von Investor Jürgen Tempelmann für Ansiedlungen führe „zur Aufgabe des Nahversorgungsbereichs Halterner Straße/Harsewinkel“ und schaffe zugleich „ein neues, multifunktionales Stadtteilzentrum.

Die Realisierung bedeutet einen Umbruch des städtebaulichen Gefüges in Hervest.“

Die Frage also, ob Tempelmann den Discounter Lidl (800 bis 950 Quadratmeter) und einen Frischemarkt (z.B. Edeka, Rewe, dazu einige Untermieter) mit 2300 qm nicht an der Harsewinkel-Einmündung auf Zechenland sondern auf der anderen Seite des historischen Gebäudeensembles baut, ist eine grundsätzliche für den Stadtteil. In der nicht öffentlichen Vorstellung des Gutachtens für Ratsmitglieder am Dienstag sagte Karutz, das sei jetzt „eine Mut-Entscheidung der Politik.“

Anders als geplant wird diese Grundsatzfrage wohl nicht im Planungsausschuss am 20. April entschieden. Bürgermeister Lambert Lütkenhorst berichtet, alle Parteien hätten erheblichen Beratungsbedarf geltend gemacht. Zudem seien wesentliche Rechts- und Planungsfragen zu klären. Lütkenhorst: „Es gibt erkennbar noch keine Festlegung. Wir haben zwar die Klinke in der Hand, wissen aber noch nicht, ob wir die Tür aufmachen.“ Die Verwaltung möchte die Politik in der Sitzung am Dienstag nur um den Auftrag bitten, weiter an offenen Fragen zu arbeiten.

Wird der Zechenhandel nicht mit der alten Ladenzeile verknüpft und zudem optimal mit Parkplätzen ausgestattet (das verstärke den „Rutschbahneffekt“ vom Harsewinkel in Richtung Zeche) drohe die Aufgabe der etablierten Discounter Netto (früher Plus) und Aldi; auch Rewe an der Glück-Auf-Straße Richtung Dorf könne in Gefahr geraten, urteilt Karutz. Die Kehrseite: Schon jetzt habe der Harsewinkel als Geschäftslage deutliche Schwächen, so Lütkenhorst. Und: Kann Lidl nicht auf Leopold gelotst werden, würde der Discounter am Gemeindedreieck bauen. Auch das hätte Auswirkungen auf den Harsewinkel.

Landesplanerisch wäre eine Entscheidung zugunsten des Investor ebenfalls anspruchsvoll zu begründen. Ursprünglich sollte laut Handelskonzept der Stadt auf Leopold das Versorgungszentrum Harsewinkel ergänzt werden. Die Verlagerung der Läden nach Osten würde einen neuen, zentralen Versorgungsbereich schaffen. Dem müssten die Regionalplaner zustimmen.

Einige Hausaufgaben muss auch der Investor noch erledigen: Er müsse klarmachen, was genau auf seinem Stück vom Zechenkuchen entstehen soll und sich in einem städtebaulichen Vertrag darauf verpflichten lassen. Lütkenhorst: „Die Zeit der Powerpoint-Präsentationen ist vorbei.“

Die weitere Debatte steht zugleich unter hohem Zeitdruck: Die Fördermillionen aus dem RWP-Programm sind bis 2013 befristet. „Wir dürfen jetzt keine Zeit vertrödeln“, mahnt der Bürgermeister. Zeit könnte ohnehin verloren gehen: Offenbar wetzen schon Anwälte die Federhalter, um gegen die mögliche neue Planung zu klagen.

Ludger Böhne

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