Ein Recht auf Beulen
05.06.2008 | 17:11 Uhr 2008-06-05T17:11:00+0200
Kindergarten setzt auf viel Bewegung und Spiel mit den elementaren Dingen.
Dorsten. Hier lernen selbst die kleinsten Kinder das Treppensteigen in null Komma nix, denn in jedem der Gruppenräume gibt es eine zweite Ebene mit einer langen hölzernen Treppe - beliebter Spielplatz für die kleinen Mädchen und Jungen im St. Agatha-Kindergarten an der Falkenstraße. Überhaupt gibt es Platz in Hülle und Fülle, seitdem der vor 15 Jahren eigens angebaute Raum für die 4. Gruppe vor zwei Jahren wegen sinkender Kinderzahlen geschlossen werden musste. Die Gruppen können geteilt werden wenn nötig, alle Gruppenräume sind groß und haben noch einen Nebenraum, eine Turnhalle gibt es auch. Noch dazu sind die Räume nicht voll gestellt mit Spielzeug, denn dazu haben Kindergartenleiterin Marlies Hollender und ihr Team ihre eigene Theorie.
"Wir arbeiten mit wenig Spielzeug"
St. Agatha-Kindergarten Falkenstraße
Name: St. Agatha-Kindergarten Falkenstraße
Ortsteil: In der Miere
Träger: Kirchengemeinde St. Agatha
Gruppen: 3
Kinder: 72
Mitarbeiter: 6 Erzieherinnen, 1 Erzieher (für die integrative Erziehung)
Öffnungszeiten: 7 - 16 Uhr
Telefon: 0 23 62/2 59 42
Besondere Angebote: Über-Mittag-Betreuung und KiTa, drei Plätze für unter Dreijährige, drei integrative Plätze für behinderte Kinder
Gründungsjahr: 1973
"Wir arbeiten weniger mit Spielzeug und mehr mit den elementaren Dingen wie Wasser, Sand, Ton und Knete", erklärt die Kindergartenleiterin. Durch den Gebrauch der Finger beim Matschen, Kneten und Planschen (übrigens auch drinnen) wird die Feinmotorik besser geschult, ebenso beim Malen mit den Fingern oder dem Verteilen von Kleister. Die Werkbank, an der mit richtigen Werkzeugen, Nägeln und Holz gearbeitet werden kann, ist bei allen Kindern gleichermaßen sehr beliebt.
"Wir halten es hier etwas ruhiger"
"Es stürmen so viele Reize auf die Kinder ein, deshalb halten wir es hier etwas ruhiger", so Marlies Hollender. Dazu gehört auch, dass Kinder wie Erzieherinnen den unverstellten Blick nach draußen genießen können, denn Fensterbilder gibt es im St. Agatha-Kindergarten II schon seit einer Weile nicht mehr.
Wenn sie nach draußen gucken, haben sie den geraden Blick z.B. auf die Matschanlage oder das erst kürzlich aufgestellte - und vom Förderverein finanzierte - neue Klettergerüst. Demnächst können die Kinder auch auf die Wasserpumpe gucken, denn das ist das nächste Objekt, für das die Eltern jetzt sparen.
Bewegung ist wichtig
Viel Bewegung für die Kinder ist ein weiteres Ziel des Kindergartens. Neben den obligatorischen Turnstunden in der eigenen Turnhalle besuchen die Kinder auch regelmäßig den nahegelegenen Sportplatz von Rot-Weiß Dorsten. Auch eine kleine Olympiade gab es im Kindergarten schon. "Kinder haben ein Recht auf Beulen und Schrammen", verkündet Marlies Hollender das Motto, das neue Eltern anfangs ängstlich werden lässt. Draußen dürfen die Kleinen auf alles klettern, was sie sich zutrauen und: "In den letzten 15 Jahren ist nichts größeres passiert", versichert die Leiterin, die seit 15 Jahren hier und seit zwei Jahren die Chefin ist.
Ganzheitliche Förderung
Marlies Hollender erklärt Konzeption des katholischen Kindergartens
Betreiben die katholischen Kindergärten heute wirklich auch schon ein Qualitätsmanagement (QM)?
Hollender: Ja, ich bin die QM-Beauftragte. Wir werden zwei Jahren lang an diesem Thema arbeiten. Der Caritasverband führt für die katholischen Kindergärten Fortbildungsveran-staltungen durch, in denen es um Fragen geht wie Aufnahmeverfahren, Elterngespräche oder Beschwerdemanagement. Pädagogisches Handeln wird unser nächstes Thema sein.
Wie wird das Qualitätsmanagement in die Praxis umgesetzt?
Hollender: Wir werden ein Handbuch erstellen, aus dem jede Erzieherin dann ersehen kann, wie bestimmte Situationen angegangen werden sollten. Die Eltern informieren wir auf einem Plakat das wir aufgehängt haben.
Ist QM wirklich notwendig für Kindergärten?
Hollender: Ja, auf jeden Fall. Viele Eltern fragen, bevor sie ihr Kind in einer Einrichtung anmelden, nach dem Konzept des Kindergartens und wollen etwas wissen über Bildungsziele und Förderung der Kinder. Marlies Hollender
Zur ganzheitlichen Förderung zählt auch die Sprachförderung, wobei es in der Einrichtung allerdings kaum ausländische Kinder gibt. Bildungsziele werden für alle Kinder formuliert, die Eltern als Erziehungspartner begriffen, mit denen man in ständigem Austausch bleiben muss. Ein spezielles Programm gibt es für die "Schlaufüchse", sprich Vorschulkinder, bei denen Fein- und Grobmotorik noch einmal speziell geschult werden, die Polizei, Feuerwehr und die Bäckerei besuchen, eine Stadtführung machen und den Wald erkunden.
Gesunde Ernährung
Gesunde Ernährung ist für alle Kinder ein Thema, einmal in der Woche gibt es ein gesundes Frühstück, für das auch schon mal gemeinsam eingekauft und gebacken wird. Die Kinder helfen beim Tischdecken und spülen jeden Tag ihr Frühstücksgeschirr selber ab. Für die 34 KiTa-Kinder der Einrichtung wird mittags ein Essen von der Krankenhausküche angeliefert.
Weil der St. Agatha-Kindergarten ein katholischer ist, spielt die religiöse Erziehung natürlich eine besondere Rolle. Einmal im Monat gibt es einen Wortgottesdienst für Eltern und Kinder mit Pastor Franke. Es werden Bibelgeschichten gelesen und die Feste im Jahresverlauf gefeiert. Der Kindergarten ist für alle offen, die religiöse Orientierung gilt aber auch für alle.
Drei behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder können in der Einrichtung aufgenommen werden, betreut werden sie von einem männlichen Erzieher. Platz für behinderte Kinder gibt es wieder ab dem nächsten Kindergartenjahr, wenn die Kinder zur Wittenbrink- bzw. einer Förderschule wechseln.
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