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Risikofaktoren erkennen

Ein guter Start ins Leben

09.02.2012 | 17:16 Uhr
Ein guter Start ins Leben
Lisa Schmudde ist Leiterin der Säuglingsstation im St. Elisabeth-Krankenhaus und berät auch die Mütter.

Dorsten.Es gilt, Risikofaktoren rechtzeitig zu erkennen und frühzeitige Hilfen anzubieten, um neugeborenen Kindern einen sicheren und guten Start ins Leben zu geben. Seit einem Jahr nimmt das Dorstener Krankenhaus am Multicenterprojekt KinderZukunft teil. Am Mittwoch hörte der Jugendhilfeausschuss einen Zwischenbericht dazu.

Das St. Elisabeth hatte einen schrecklichen Anlass, sich an dem Modellprojekt zu beteiligen. Dr. Tönnies, Leiter der Geburtsklinik, erinnerte an Justin, der im Januar 2008 mit nur 15 Tage an einem Schütteltrauma starb, das ihm seine Eltern zugefügt hatten. Vielleicht würde der Junge noch leben, wenn man rechtzeitig erkannt hätte, dass seine Eltern überfordert waren.

Seither guckt man im Krankenhaus genauer hin, seit einem Jahr auch wissenschaftlich begleitet. Mit Hilfe des Risikosreenings werden gesundheitliche und psychosoziale Faktoren ermittelt, die zu einer Gefährdung des Kindswohls führen könnten. Mit rund 70% ist die Bereitschaft der Eltern, vor allem der Mütter, hoch, noch auf der Wöchnerinnenstation an dieser frühzeitigen Befragung teilzunehmen, berichtete Ingolf Rascher vom KinderZukunft-Projekt dem Ausschuss. Zuvor bedarf es allerdings oft intensiver Gespräche mit den Müttern, um ihnen die Angst vor möglichen Folgen zu nehmen, erzählte die Leiterin der Säuglingsstation, Lisa Schmudde, von ihrem Alltag. Auf der Station kümmert sie sich gemeinsam mit Koordinatorin Eva Ruhnau um die Mütter..

Gibt es Risikofaktoren bei den Familien, werden ihre Daten anonymisiert an ein Trustcenter weitergeleitet, das noch am selben Tag Handlungsempfehlungen für die weitere Betreuung gibt. Dann werden weitere Stellen einbezogen; das können Hebamme, Kinderarzt, Gesundheitsamt oder die Jugendhilfe sein.

Zwischen 600 und 670 Kinder werden jedes Jahr im Elisabeth-Krankenhaus geboren. Im Berichtszeitraum erreichte man 213 Familien, noch kann man sich nur um die aus Dorsten kümmern. Bei 17 Familien hat man eine weitere Betreuung veranlasst, derzeit werden noch zwölf Familien betreut, berichtete Ingolf Rascher.

Das Projekt endet in diesem Monat. Es erfüllt in hohem Maße die Anforderungen des neuen Kinderschutzgesetzes, das seit diesem Jahr gilt und soll deshalb wohl zur Pflichtaufgabe in NRW werden. Im Dorstener Krankenhaus ist man derzeit auf der Suche nach Sponsoren für eine Weiterfinanzierung der Klinikkoordinatorin bis zum Jahresende. Ab 2013 sollen sie Teil des Stellenplanes werden.

Ute Hildebrand-Schute

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