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Theater

Ein Abschied mit Ausrufezeichen

26.06.2012 | 17:26 Uhr
Ein Abschied mit Ausrufezeichen
Anders (Falk Jensen - links) und Ehefrau Sara (Nele Domogalla) versuchen Jona (Tobias Amoriello - Mitte) ) aus der Depression zu helfen. Im Hintergrund Nico Knüfken, der während des gesamtes Stückes mit exzellenten Improvisationen am Flügel die verschiedenen Stimmungslagen zum Ausdruck brachte.

Dorsten. „Verwirrt ist der, der denkt“, dieses Zitat aus dem Theaterstück begrüßte die gut 150 Zuschauer der Premiere von „Ein Quantum Glück“ von Tobias Amoriello am Montag schon an der Eingangstür zur Aula des Petrinums.

Und Denken war in der zweistündigen Tragödie eindeutig gefragt. Die zehn Abiturienten Jan Felix Dräger-Gillessen, Nele Domogalla, Katja Schlüter, Thomas Pennekamp, Falk Jensen, Dominic Albers, Hannah-Marie Hesse, Sebastian Pontow, Kathrin Terbach und Cem Anar folgten ihrem Mitschüler Tobias Amoriello auf einer eindrucksvollen Suche nach dem Sinn der menschlichen Existenz und dem Hinterfragen von Lebensentwürfen.

In gemeinsamer Regie hatte die Gruppe neben den anstrengenden Abiturprüfungen den nicht minder anstrengenden Text Amoriellos beeindruckend inszeniert. Die Geschichte des Jona (ein mitreißender Amoriello), der nicht aufhören kann nach dem Glück zu suchen, ist beklemmend. Von Depressionen geplagt begibt er sich in die Hände eines zwielichtigen Arztes (Dräger-Gillessen), mit Hilfe von Tabletten scheint der Weg zum Erfolg wieder frei. Doch surreale Träume treiben den Protagonisten in den Wahnsinn, sein Leben zerbricht, seine Beziehungen zerreißen. Am Ende steht der Suizid.

Die traurige Geschichte im Vordergrund mit dem Sezieren von Gefühlen wie Antriebslosigkeit, Hilflosigkeit oder Unersättlichkeit genügt Amoriello aber nicht. Eingeleitet durch das Lied „Lonesome Wolf“, gesungen von allen Akteuren, offenbart sich eine Wendung. Die scheinbar guten Menschen, der Bürger (ein herrlich trockener Sebastian Pontow), die Ehefrau Sara (eine perfekte kühl-kalkulierende Nele Domogalla) oder der Chef (ein markanter Cem Anar) entpuppen sich ihrerseits als Egoisten, die nur um sich selber kreisen.

Im Gegensatz wird Jona mit seiner Glückssuche als empathischer Mensch erkannt. Die Protagonisten seiner Angstträume (hervorragend verkörpert durch Katja Schlüter und Thomas Pennekamp) lassen nun auf ein funktionierendes Gewissen schließen. Jona ist sich den Opfern seiner Suche bewusst, im selben Moment aber überzeugt, dass dies den Sinn der menschlichen Existenz ausmacht

„Das Glück finden, und dann fallen, immer wieder von Neuem“. Der Weg diesen Kreislauf zu durchbrechen führt nur über den Tod.

Die Theatergruppe bediente sich in der Bühnengestaltung innovativ vieler Metaphern, um die komplexen Inhalte zum Ausdruck bringen. Neben Klangeinspielungen vom Band leitete Nico Knüfken, Abiturient 2011, eindrucksvoll mit klassischen oder jazzigen Improvisation live am Flügel die verschiedenen Stimmungen ein.

Amoriellos Skript hält einen perfekten Spannungsbogen, er lehnt an die klassische griechische Tragödie an, bedient sich aber durchaus auch der Komik, um Brüche zu provozieren. Die Gedankenverläufe verwirren, fordern vom Zuschauer höchste Konzentration.

Am Ende standen die Akteure selbst erschöpft vor einem mitgerissenen Publikum, das Beifall mit stehenden Ovationen zollte.

„Ein Quantum Glück“ ist an einigen Stellen noch nicht hundertprozentig ausgereift, ist aber ein erstklassiger Rohdiamant. Genau wie die elf Schüler, die nun die Schule verlassen.

Barbara Seppi



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