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Dorstener Asphalthändler hat bei diesem Winter gut lachen

12.02.2010 | 18:06 Uhr
Dorstener Asphalthändler hat bei diesem Winter gut lachen

Dorsten.Den Winter kann eigentlich niemand mehr sehen. Der Dorstener Unternehmer Kai Adam sagt jedoch: „So einen Winter könnte ich jedes Jahr haben.“ Der Grund: Er verkauft Asphalt zur Reparatur kaputter Straßen - und vereichnet 300 Prozent Umsatzplus.

Erst ist da nur ein kleines Loch. Da dringt Wasser ein. Das friert. Und dehnt sich aus. Und sprengt die Straße auf. Und neben dem Loch: Wächst ein neues Loch. Weil es taut und wieder friert. So setzt sich das über die ganze Straße fort. Wie ein Spinnennetz ziehen sich die Risse. So war das in diesem Winter. Und so einen Winter, sagt Kai Adam (41), „könnte ich jedes Jahr haben.“ Der Holsterhausener verkauft (nicht nur) Asphalt zur Reparatur kaputter Straßen an Städte in ganz NRW. Die Januar-Statistik seines Kommunal-Handels weist ein Umsatz-Plus von 300 Prozent aus. „Wir kommen mit den Lieferungen kaum nach.“

„Kommunal-Handel“ nennt sich das (noch) kleine Gewerbe des Dorsteners, gegründet vor fünf Jahren. Weil seine Kunden zu 99 % Städte und andere Verwaltungen sind. Weil er mit teils eigenen Produkten zwei sehr spezielle Bedürfnisse von Städten erfüllt. Adam liefert Ersatz für Verschleißteile an saugenden Kehrmaschinen und anderen Straßengerätschaften wie Salzstreuern („die sind sehr speziell“) oder Schneepflügen. Und er liefert Kaltasphalt, um Straßenlöcher damit zu stopfen. Zum Beispiel nach einem (aus Sicht einer Straße) katastrophalem Winter wie diesem. Geliefert wird palettenweise. 32 Eimer je Palette. 25 Kilo je Eimer. 69 Cent je Kilo.

Städte müssen ihre Löcher stopfen

Wie kommt man ausgerechnet auf so ein Geschäft? „Sie brauchen Spezialwissen“, erklärt der gelernte Maschinenbauer, fortgebildet zum Techniker. Worauf es bei Kehrwagen ankommt, lernte er bei seinem ersten Arbeitgeber. Bei einem anderen Unternehmen verfeinerte Adam sein Wissen in Technik und Vertrieb, entwickelte zuletzt eigene Systeme. Zum Beispiel ein Tauschverfahren für Ansaugstutzen aus Metall für Kehrmaschinen. Die nutzen rasch ab, wenn Kehricht hindurch prasselt. Kai Adam liefert Stutzen mit Beschichtung. Die, sagt er, hält länger und kann nach Abnutzung erneuert werden. Sozusagen die Pfandflasche für Fegefahrzeuge. In Niedersachsen lernte er außerdem das Asphalt-Geschäft kennen.

Was man wissen muss, erfragte er als Handelsreisender auf städtischen Bauhöfen. Ließ sich von einem Chemiker die richtige Rezeptur mischen, die er nun vertreibt unter dem Namen Adas. Das steht für „Adam Asphalt“. Adas, sagt er, kann kalt verarbeitet werden, härtet schnell aus, stopft Löcher auf Fahrbahnen aller Kategorien. Bis zur Autobahn. Weil neben gerade geflickten neue Löcher aufreißen können, werde „ein richtiger Straßenbauer immer sagen, das ist ein Provisorium“, gibt Kai Adam zu. Aber den Städten bleibt ja keine Wahl. Sie müssen stopfen, weil sie den Verkehr sichern müssen.

Dass nun überall die Straßen platzen, liege auch daran, dass es „ein absolutes Defizit bei den Wartungen gibt“, so Adam. „Da ist viel versäumt worden.“ Damit seien die Städte und Straßenmeistereien aber immer klar gekommen, „weil wir nie so einen Winter hatten.“

Und nun haben wir so einen Winter. Und vermutlich ist es völlig blödsinnig, die ganzen Löcher zu zählen, weil dauernd neue dazu kommen. Und vermutlich wird irgendwann irgendein armer Beamter die ganzen Löcher zählen müssen. Und dann einen Kommunalhändler anrufen und ein paar Paletten Asphalt bestellen.

Autofahrer fluchen. Kai Adam flucht nicht. Seine Firma musste klein anfangen und sei immer noch im Aufbau, sagt er vergnügt. Gerade hat er eine Hilfe fürs Büro eingestellt. Lieferungen fährt er noch selbst aus, quer durch NRW und manchmal darüber hinaus. Und wenn das neue Jahr so wird, wie die bisherigen fünf, dann, sagt der 41-Jährige, „bin ich so weit, dass ich alleine nicht mehr klarkomme.“

Ludger Böhne

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