Dorsten ganz weit vorne
12.07.2010 | 17:27 Uhr 2010-07-12T17:27:00+0200
Dorsten.Das Brustzentrum im St. Elisabeth-Krankenhaus geht innovative Wege. Als dritte Klinik im Ruhrgebiet wird die Dorstener in Kürze die intraoperative Radiotherapie, kurz „IORT“ genannt, einsetzen.
Das neue Gerät ermöglicht die gezielte Bestrahlung der Brust noch während der Operation, erklärt Dr. György Lövey, der seit Ende letzten Jahres im Facharztzentrum am Krankenhaus eine Praxis für Strahlentherapie betreibt und so das Dorstener Brustzentrum verstärkt. Dr. Lövey und sein Team - Arzt, Physiker und MTA - werden in Zukunft im Operationssaal anrücken, sobald der Operateur das Messer aus der Hand gelegt hat. Ganz zielgerichtet an der Stelle, wo gerade der Tumor entfernt wurde, wird dann mit einem kugelförmigen, nur maximal fünf Zentimeter großen Strahlenkopf bestrahlt und zwar mit einer wesentlich höheren Dosis als von außen möglich. Anschließend wird die Wunde vom Operationsteam wieder geschlossen.
Schonende Behandlung
Für die Krebspatientinnen bedeutet diese neue Bestrahlungsmethode, dass die Behandlung schonender ist als die herkömmliche und zugleich das Rückfallrisiko reduziert, freut sich Dr. Peter Tönnies, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Gynäkologie. Außerdem wird die Zeit der sechs Wochen dauernden Nachbestrahlung um circa zwei Wochen verkürzt.
Zur Anwendung kommt die Behandlung bei allen Frauen, bei denen brusterhaltend operiert wird „und das sind die meisten“, erklärt Dr. Tönnies. 100 bis 150 Brustoperationen finden in Dorsten jedes Jahr statt, bei 70 bis 80% der Patientinnen muss die Brust dabei nicht entfernt werden.
Auch Halterner Patientinnen soll die neue Strahlentherapie zugute kommen. Sie könnten in Dorsten operiert und innerhalb eines Tages ins Sixtus-Hospital in Haltern am See zurückverlegt werden, schmiedet Geschäftsführer Andreas Hauke bereits Pläne.
Neue Technik wird in sieben NRW-Kliniken genutzt
Das neue Bestrahlungsgerät kostet knapp eine halbe Million Euro und wurde von Zeiss entwickelt. In ganz NRW verfügen erst sieben Kliniken über die neueste Technik, die schon seit Jahren erprobt wird. Das Gerät ist bereits im OP eingebaut, bis Ende Juli rechnet Andreas Hauke auch mit der Betreiber-Genehmigung - dann kann operiert werden.
Für die Zukunft hofft die Dorstener Klinik, die neue Technik auch bei anderen Krebserkrankungen einsetzen zu können, wie bei Magen-Darm-Tumoren und Karzinomen an der Wirbelsäule. Hierzu laufen bereits Studien.
0mitdiskutieren