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Kugelbahnen

Die Kugel rollt

02.01.2012 | 13:51 Uhr
Die Kugel rollt
Ernst Heye baut Kugellaufbahnen - hierhat er sie in eine alte Wanduhr eingebaut. Foto: Franz Meinert

Hardt.Kugelbahnen – wer je kleine Kinder hatte, weiß mit dem Begriff sofort etwas anzufangen. Das hölzerne Spielzeug, dessen klackernde Kugeln ein Juchzen bei den Kleinen – und nach einiger Zeit – ein entnervtes Stöhnen bei den Großen auslöst. Kugelbahnen sind es, die auch der Dorstener Ernst Heye baut. Wobei bauen untertrieben ist. Heye kreiert sie. Mit feiner Hand. Und seine Objekte verzücken Klein und Groß. Dabei sind sie weniger Spielzeug, sondern fast schon Kunstobjekte. Und: Sie sind nicht aus Holz, sondern aus dünnem Draht.

Fast jeder Quadratzentimeter des kleinen Einfamilienhauses an der Klosterstraße ist dem Hobby des dreifachen Vaters gewidmet. Angefangen damit hat er vor etwa 30 Jahren. Aus Langeweile. „Als Funker bei der Bundeswehr hatte ich so manche Stunde zu überbrücken. Da habe ich Kupferdraht zur Hand genommen, und verschiedene Dinge geformt“, erinnert sich der 49-Jährige an die Anfänge. Zunächst waren es Schiffs- und Flugmodelle. Klein, filigran, aber trotzdem sehr komplex. Ein Paradestück aus dieser Zeit steht noch im Vorraum zur Küche: Ein Schaufelraddampfer. Auf den ersten Blick sind Rumpf und ein paar Einzelteile zu erkennen. Auf den zweiten, dritten, vierten und auch den hundertsten Blick erkennt der Betrachter, dass das Schiff mit komplettem Innenleben ausgestattet ist: Von der Kloschüssel bis zur Pfanne in der Kombüse. Millimeterwinzig. Gerade einmal 15 Zentimeter hoch ist das Gesamtwerk. „Man muss sich da richtig reingucken“, sagt der Erbauer.

Und dann entdeckte Ernst Heye vor ein paar Jahren die Faszination der Kugelbahnen. Natürlich auch aus Draht. Pyramiden, Kreisel, mit Beleuchtung oder mit Motor – den Varianten sind kein Ende gesetzt. „Ich habe ständig neue Ideen im Kopf“, lacht der Hobbybastler, der viele Stunden seiner Freizeit in einem winzigen Bastelkeller verbringt. Ehefrau Uta ergänzt: „Das ist ja das Schöne: ich kann mir etwas wünschen – und mein Mann macht es. Welche Frau hat schon so ein Glück.“

Pinzette und feine Spitzzange sind Heyes Werkzeug. Eine Lampe, und dann geht‘s ans Tüfteln. Hauptsächlich für den Eigenbedarf. Nur hin und wieder nimmt der Dorstener mal eine Auftragsarbeit an: „Übers Internet kommen mehr und mehr Anfragen. Aber der Kugelbahnbau ist mein Hobby, kein Gewerbe“, betont Ernst Heye, warum er manchen Auftrag auch ablehnt. Schließlich sind es oft mehrere hundert Stunden, die er in ein Kugelbahnprojekt investiert.

Nur manchmal, da kann er nicht ablehnen - wenn er tüftelt und entwerfen soll, was es noch nicht gab. So wie gerade jetzt: Eine Kugelbahn hinter Glas soll er fertigen. Mit motorbetriebenem Aufzug. „Das ist eine Herausforderung“, erklärt Ernst Heye, warum er sich an dieses Modell begeben hat. „Es ist ein Geduldspiel“, gibt er offen zu. Bis die Drahtwege so justiert sind, dass sich die winzigen Metallkugeln ihren exakten Weg bahnen können, dauert es. „Aber Geduld hatte ich schon immer“, lacht Heye.

Manchmal allerdings muss der Dorstener auch kapitulieren, obwohl es in den Fingern kribbelt: „Ich hatte mal eine Anfrage aus Neapel, sollte eine 2,50 Meter lange und 1,20 Meter hohe Bahn bauen. Doch wie soll man die denn unbeschadet verschicken? Das habe ich dann lieber gelassen.“

Doch Ernst Heye hat auch so genug zu tun. Die Familie ist ein dankbarer Abnehmer. Der Bruder, der zur Geburt seines Kindes eine kleine Wiege gefertigt bekam, die große Tochter, für die er eine Kugelbahn mit Telefonglocke fertigte. Oder der Grundschullehrer der anderen Tochter, der stets mit dem Rad zur Schule kommt und der nach dem Grundschulabschluss des Heye-Mädchens eine Miniaturausgabe seines Drahtesels erhielt.

Eine große Bahn und mehrere kleine Modelle entstehen in Heyes Werkstatt pro Jahr. „Mehr geht nicht“, sagt der Hobbybauer. „Schließlich bin ich auch noch für die Familie da.“

Susanne Menzel

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