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Die Alu-Nägel sind der Clou

11.05.2010 | 16:50 Uhr
Die Alu-Nägel sind der Clou

Wulfen. 2,6 Millionen Euro investiert der Lembecker Zimmermann Bernhard Cosanne gemeinsam mit seinen Partnern Klaus Goecke und Jochen Frenster in eine Produktion von Haus-Fertigteilen aus Holz. Die neue GmbH Massiv-Holzbau-Produkte (MHP) im Köhler Feld nutzt weltweit erstmalig eine neue Technik.

Holzhäuser gelten auf dem Baumarkt noch als Nische: Bundesweit sind 12 % aller neuen Gebäude aus Holz, in NRW nur 7 %. Der Markt wächst nicht absolut, aber relativ – weil insgesamt wenig gebaut wird (zuletzt 160 000 Häuser pro Jahr, in Boomzeiten waren’s über 700 000).

Auf einem 8000-m2-Grundstück in der Erweiterung des Wulfener Gewerbegebiets Köhl startet in wenigen Tagen der Bau einer 3000-m2-Halle für die Fertigung von Hausbauteilen aus „Brettstapeln“.

Trockene Fichtenbretter, zehn Zentimeter breit, aus heimischen Sägewerken werden in Wulfen zu massiven Elementen zusammen genagelt. Und zwar mit 55 Millimeter langen Aluminiumstiften . . .

Die sind der Gag an der neuen Technik, erklärt Klaus Goecke. Die Alunägel lassen sich in der Maßfertigung von Bauelementen fräsen oder sägen, ohne miese Macken in die Maschinen zu machen. Mit Stahlstiften ginge das nicht. Die Nägel ersetzen den sonst in der Produktion von Brettstapeln verwendeten Kleber.

Das Prinzip simpel erklärt: Auf der einen Seite der Wulfener Halle werden Bretter angeliefert, auf der anderen ein Architektenplan. Und hinten kommen – mit computergesteuerter CNC-Technik präzise auf Maß gefertigt – die hölzernen Bausteine für ein Haus heraus. Kabelschächte, Steckdosenlöcher und Aussparungen für Fenster inklusive. Versierte Zimmerleute stellen diese Elemente an einem Tag zum Rohbau inklusive Decken und Dachkonstruktion auf.

Für ein „normales“ Haus werden etwa 30 Kubikmeter Holz benötigt. Elemente für bis zu 300 Gebäude kann die Wulfener Anlage mit acht Mitarbeitern im Jahr herstellen. Ende Juli soll die Anlage stehen, die Produktion beginnen.

In Verbindung mit einer Außen-Isolierung entsprechen solche Holzhäuser dem energetischen Standard von Passivhäusern, erklären die drei Firmengründer. Und sie seien auch nicht teurer als vergleichbare konventionelle Gebäude. Klaus Goecke: „Wir machen den Öko-Bau damit wirtschaftlich.“

Abnehmer der individuell gefertigten Bausätze sollen bundesweit Zimmerleute, Architekten und Bauträger sein. Auch aufs Ausland spekuliert MHP: In Frankreich wurde ein erstes Vertriebsbüro gegründet.

Die Wulfener Werkhalle wird bautechnisch ein durchaus spektakuläres Projekt: Natürlich baut MHP das eigene Domizil „ab Oberkante Fundament“ aus Brettstapeln, auch von außen mit Holz verkleidet, erklärt Jochen Frenster. Selbst die tragenden Stützen (müssen zwei Fünf-Tonnen-Kräne halten) sind aus dem Natur-Rohstoff. Das fertige Gebäude soll nach einer neuen Richtlinie zum nachhaltigen Bauen bewertet werden.

Was übrig bleibt bei der Produktion: Riesenberge Späne von unbehandeltem Holz. Kein Problem: Die werden verkauft. Klaus Goecke lachend: „Für Späne gibt’s einen Riesenmarkt. Und bei uns ist ja auch nichts Böses dran . . .“
Infos über das neue Unternehmen im Internet auf www.
massiv-holzbau-produkte.de

Ludger Böhne


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