Dicke Lippe 2010
24.10.2008 | 17:46 Uhr 2008-10-24T17:46:12+0200Prof. Karl-Heinz Petzinka, künstlerischer Direktor der Kulturhauptstadt, sieht Dorsten als "Tegernsee des Nordens".Dafür müsste nur die Lippe angestaut werden, ein Projekt, "angelegt über zehn bis 15 Jahre".
Dorsten / Oberhausen. Die Vortragsrunde im Gasometer werde wohl "nicht viel Erkenntnisgewinn mit sich bringen", mutmaßte vorgestern noch Dorstens Kulturamtsleiter Klaus Schmidt. - "Dorsten steht das Wasser bis zum Hals", meinte gestern Marc-Oliver Hänig, Pressesprecher der Ruhr 2010 GmbH - und meinte das rundweg positiv.
Beide sollten Recht und Unrecht behalten. Denn die ges-trige Präsentation des "Erlebnisareals Oberhausen", zu dem für die Kulturhauptstädter auch Dorsten, Marl, Gladbeck und Bottrop zählen, lieferte neben "wirklich guten Nachrichten", wie Hänig ankündigte, auch einige Rätsel.
Dafür sorgte mit mächtigem Elan Prof. Karl-Heinz Petzinka, der künstlerische Direktor für die "Stadt der Möglichkeiten" - und in diesem Sinne auf Zollverein zuständig für Architektur, Stadtbild, Landschaft. - Oder "Stadt, Land, Fluss", wie's Dorstens Planer Hans Rommeswinkel so ausdauernd seit einigen Jahren projektiert.
Mit dem "Aufstauen der Lippe, um das Wasser an die Stadt zu bringen" überraschte Prof. Petzinka. "Die Passage Lippe - zwischen Idylle und Schiffsverkehr" ist zwar auf Seite 50 im ersten Programmbuch der Kulturhauptstadt genannt. Doch Dorsten als "ein Tegernsee des Nordens", wie's der künstlerische Direktor munter ankündigte, kommt so darin noch nicht vor.
"Angelegt über zehn bis 15 Jahre" sei dieses Projekt, ergänzte Prof. Petzinka. 2010 sei dafür eher Ausgangs-, als Zieljahr. "Aber wir wollen die Segelboote auf der Lippe - wir wollen das Glück auf Erden." Kleiner - oder auch nur konkreter - gab's diese Idee nicht. Und selbst auf Nachfrage wurde der Chef der "Stadt der Möglichkeiten" noch wolkiger. Soviel immerhin: "Das Einvernehmen mit Behörden und Bürgermeistern" müsse für diese Perspektive erst noch hergestellt werden. Und Pressesprecher Hänig meinte zum Einstieg in die Fragerunde locker: "Die Finanzierung lassen wir jetzt außen vor."
Auch der Ruhr 2010-Vorsitzende Fritz Pleitgen hatte eingeräumt, dass nicht nur die unterirdische "Zweite Stadt" unter Zollverein ein "sehr teures" Vorhaben sei. "Einige Projekte müssen noch geprüft werden."
Prof. Petzinka zur Rechten Pleitgens schien derlei Vorbehalte nicht zu kennen. Er beschwärmte weitere Lippe-Projekte, wie eine "ganz neue Form der Auenlandschaft" mit weidenden Heckrindern in Datteln-Ahsen, und versprach: "Wir geben jetzt Gas mit unglaublichem Tempo ."
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und wo bleiben die Berge ?