Dick-Madames und Holz-Kreisel
28.08.2011 | 16:10 Uhr 2011-08-28T16:10:58+0200
Lembeck.Das durchwachsene Wetter blieb dem Lembecker Kunstmarkt treu, aber die Qualität der Aussteller machte die widrigen Bedingungen wieder mehr als wett. Zum vierten Mal luden Anke Peters und ihr Team von „Open Mind Management“ zu „Fine Arts“ in den Park des barocken Schlosses.
Einen sehr guten Standplatz erwischte Barbara Hänsel aus Rheine mit ihren „Dick-Madames“. Seit sieben Jahren bestimmen die rundlichen Frauenfiguren ihr kreatives Leben. „Sie sind filigraner und reizvoller geworden“, beschrieb sie die Entwicklung der drallen Damen. Gefertigt werden sie aus Holzpaste, die sich gut modellieren lässt und einfach an der Luft aushärtet. Brennen wie beim Arbeiten mit Ton kann also entfallen.
„Ich fahre durch ganz Deutschland“, freute sich Hänsel über den Erfolg ihrer Madames, am kommenden Wochenende geht’s mit ihnen gen Franktfurt am Main.
Ebenfalls im vorigen Jahr dabei war Drechsler und Tischler Andreas Zimmermann. Aus der Nähe von Gießen reiste er mit seiner historischen Drehbank an. 140 Jahre hat das Gerät auf dem robusten Holzrahmen. Die Idee zu der Konstruktion hatte kein Geringerer als Leonardo da Vinci. „Das Entscheidende sind die Kurbelwelle und der Antrieb“, erklärte Zimmermann.
Schalen und Lampen entstehen in seiner Werkstatt, heimische Hölzer verwendet er dafür, gerne auch solche der edleren Art. Hartes Material benötigte er für die Spielzeuge, die am Wochenende vor dem zuschauenden Publikum entstanden. „Für einen Kreisel brauche ich zehn Minuten. So lange schauen die Leute gerne zu“, erklärte der Fachmann.
„Vom Niveau her ist es ein guter Markt“, lobte er die Arbeit die Gastgeber. Das sah Barbara Hänsel genauso: „Eine gute Organisation, ein sehr gute Publikum. Ich komme sehr gerne her.“
Peter Lust machte in Lembeck im Vorjahr so gute Erfahrungen, dass auch er wieder dabei war. „Treibholz-Objekte“ sind sein Metier und das seit rund fünf Jahren. „Treibholz fasziniert mich als Stoff. Wenn jedes Stück nur erzählen könnte . . .“, meinte der Oerlinghausener. Von Küsten des Mittelmeers und aus der Normandie brachte er rundgewaschene Steine und vom Wasser polierte Hölzer mit. Sie versieht er mit schmückendem Beiwerk, beim großen Kalkstein genügte Reinigen.
In eine ganz andere Richtung war Catharina Bockhacker unterwegs. „Feuertonnen“ bot sie im Park an und schweißte an einem neuen Werk. „Ich habe meine Quellen für die Fässer entdeckt“, meinte sie. Schließlich sind alte Metalltonnen kaum im heimischen Baumarkt zu finden.
„Auf die Idee bin ich durch Zufall gekommen“, gab die Kreative aus Wener (in der Nähe des ostfriesischen Leer) zu. Beim Schweißen an einer anderen Skulptur wurde ihr kalt. Durch das Feuermachen in einem alten Öl-Fass entstanden tolle Ornamente und ein Betrachter wollte wissen, was das ungeplante Kunstwerk denn kosten sollte. Bockhacker: „Ich habe mich bei ihm für die Idee bedankt und ihm das Fass geschenkt.“
Einfachere Elemente brannte sie frei ins Metall, kompliziertere zeichnete sie lieber mit Kreide vor. „Das erfordert sehr viel Zeit“, betonte sie.
Die nahmen sich die Gäste gerne, um den abwechslungsreiche Kunstmix im Park zu begutachten. Dabei gab es etwa die ebenso komischen wie bösen Postkarten von Frank Kunert zu entdecken. „Verkehrte Welt“ nannte er seine fotografierten Miniaturen mit bewaffneten Schneemännern, Grabsteinen inklusive Briefklappe oder Spielplatzrutschen, die in den Abgrund führen – nur wenige Beispiele von rund 150 Ausstellern.
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