Der wahre Weihnachtsmann
07.12.2009 | 10:31 Uhr 2009-12-07T10:31:00+0100Michael Martin behauptet von sich, der wahre Weihnachtsmann zu sein. Für ihn ist die Figur mehr als eine Erfindung - sie ist sein zweites Ich.
Mit schweren Schritten betritt Michael Martin sein Wohnzimmer. Die Glöckchen an den schweren Stiefeln klingen fast wie eine Verheißung. Er senkt die Stimme zu einem tiefen Bass: „Ich will die Menschen glücklich machen“, sagt der 44-Jährige, der von sich behauptet, der einzig wahre Weihnachtsmann zu sein.
Weihnachtsmann mit Werbewichtel
Es fing vor dem Fernseher an. 1998 sieht Martin den Klassiker „Das Leben ist schön“ und fragt sich, wie er selbst ein bisschen mehr Freude in das Leben seiner Mitmenschen bringen kann. Bei seinen Nichten versucht er sich das erste Mal als Weihnachtsmann – und merkt sofort, dass die Figur mehr ist als eine Erfindung der Getränkeindustrie. „Um den Weihnachtsmann zu verkörpern, muss man selbst daran glauben“, behauptet Michael Martin. Sobald er den roten Pelzmantel um sich gelegt und die große Gürtelschnalle geschlossen hat, ist er ein anderer Mensch.
Mittlerweile hat er eine kleine Weihnachts-Maschinerie um sich gescharrt. „Werbewichtel“ Heinz-Jürgen Fahne kümmert sich um Autogrammkarten und Fotos, Tochter Simone verwandelt sich an der Seite ihres Vaters in einen Weihnachtsengel. Allein für das Nikolaus-Wochenende stehen 23 Auftritte im Terminkalender des Weihnachtsmanns – pro Saison sind es bis zu 130. Egal ob Grundschulklasse oder Firma – alle wollen den Weihnachtsmann sehen.
Von Kommerz möchte Michael Martin aber nichts wissen. „Jeder Auftritt ist etwas Besonderes und bis heute habe ich Lampenfieber“, gesteht Martin. Wie authentisch er den freundlichen Gesellen mimen kann, hat er erst vor kurzem bei der Deutschen Meisterschaft der Weihnachtsmänner bewiesen. In verschiedenen Disziplinen wie Kinder trösten, Gedichte schreiben, Lieder singen oder Geschenke einpacken wetteiferten die Weihnachtsmänner um den Titel. Für das kommende Jahr plant der Dorstener sogar eine Weihnachtsmannschulung. „Uns geht der Nachwuchs aus. Und ich kann so viele Termine nicht allein bewältigen“, begründet er.
Von Nürnberg bis Berlin
Der Mythos Weihnachtsmann hat Michael Martin gepackt und lässt ihn nicht mehr los. Sogar ein eigenes kleines Weihnachtszimmer hat sich der Familienvater in der Wohnung eingerichtet. Den Besucher erwartet darin eine schrille Kakophonie amerikanischer Weihnachtsklassiker. Vom Plastik-Gesellen, der die Eintretenden mit „HoHoHo“ begrüßt über einen großen Rentierkopf aus Plüsch bis hin zu Weihnachtsmann-Klopapier: Es ist ein bisschen so, als betrete man das Reich des Weihnachtsmanns.
Wie authentisch Michael Martin sich als bärtiger Weihnachtsbote macht, hat sich schnell herumgesprochen. Er ist kameraerprobt und weiß, was beim Publikum ankommt. Vom Nürnberger Christkindlmarkt bis hin zur Coca-Cola-Weihnachtsfeier in Berlin – Michael Martin mimt sein zweites Ich in ganz Deutschland.
Besuch bei Peter Maffay
Sogar bei Peter Maffay kam er bereits mit einem Fahrrad für den Sohn unterm Arm über die Terrasse ins Haus gestiefelt. „Da war ich wirklich baff. Seine Frau hatte mich bestellt und ich war wirklich ahnungslos. Als der Sohn mich dann noch darum bat, die Stiefel auszuziehen, war ich völlig sprachlos“, erinnert sich Martin und dröhnendes Lachen schallt durchs Wohnzimmer. Für ihn prägend war auch der Besuch bei einem schwer behinderten Mädchen, das den Weihnachtsmann zuvor nur von Bildern kannte.
Familie und Umfeld unterstützen Michael Martin in seiner Rolle als Weihnachtsmann. „Auch wenn es meiner Frau manchmal ein bisschen zuviel wird“, wie Martin zugibt. Privat hat er kaum Zeit, das Weihnachtsfest zu genießen – wenngleich er appelliert, sich wieder mehr zu besinnen. „Viele Menschen haben den eigentlichen Sinn für Weihnachten verloren“, findet Martin. Natürlich weiß er, dass der Weihnachtsmann eine Erfindung ist. Warum er trotzdem daran glaubt? Weil jemand, der Kinderaugen zum Strahlen und Erwachsene zum Lachen bringen kann einfach real sein muss.
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