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Soziales Jahr

"Das war toll"

21.07.2009 | 17:38 Uhr

Rhade. Mira Berger aus Rhade hat einen freiwilligen Dienst in Rumänien absolviert. Enige Monate hat sie im Waisenhaus gearbeitet, dass von der Rekener Scheytt-Stiftung betrieben wird.

Mira Berger (20) aus Rhade hat ein Jahr in Rumänien gelebt und gearbeitet. Foto: Jo Kleine-Büning

„Ich wusste gar nichts über dieses Land”, erinnert sich Mira Berger und meint Rumänien. Nach dem Abitur am Gymasium in Maria Veen steht für sie schnell fest, ins Ausland zu gehen. „Spanien oder Frankreich haben mich nicht so gereizt”; Afrika oder Südosteuropa sollten alternative Ziele sein. Ihre Freunde reagieren mit Kopfschütteln auf diese Wahl. Geändert hat sie diese aber nicht und bewirbt sich bei mehreren Trägern und Organisationen.

Mit gemischten Gefühlen blickt die 20-Jährige auf ihre zehn Auslands-Monate, denn der Start gerät nicht so toll. In Târgoviste, nahe der Hauptstadt Bukarest, arbeitet die Rhaderin in einer Notaufnahme für Kinder, die eine Tochter-Organisation des hessischen Roten Kreuzes betreibt. „Ich hatte so viele Ideen, so viel Energie” und dann das: „Die Kinder wurden dort nur aufbewahrt.” Statt mit ihnen zu spielen, war lange schlafen und viel fernsehen angesagt. „Das war echt anstregend.”

"Aufgeben? Kommt nicht in Frage"

Mira Berger ist drauf und dran, ihr Auslandsjahr abzubrechen, aber aufgeben? Kommt nicht in Frage, „dann wäre ich unzufrieden gewesen”. Stattdessen kündigt sie und landet nur zwei Tage nach ihrer Anfrage bei der Scheytt-Stiftung, die Maja Scheytt und ihr inzwischen verstorbener Mann Gotthold ins Leben riefen. Kurios: Dass Scheytts aus Reken kommen, quasi nebenan von Rhade, hat die 20-Jährige erst zuhause erfahren.

In Ghimbav, nahe der Großstadt Kronstadt, wird alles besser: „Das war schön.” 21 Kinder und Jugendliche leben im Waisenhaus der Scheytts. „Viele sind schwer traumatisiert”, denn in jungen Jahren haben sie bereits Schlimmes mitgemacht. Dennoch: Mira Berger gewinnt das Vertrauen der Kinder, mit Ana (13) und Roxana (17) verbindet sie eine Freundschaft. Ihre Aufgabe: Sie hilft bei den Hausaufgaben und im Haushalt des Heims. „Ich war für die Kinder da.”

„Ich habe einen Kulturschock durchgemacht”, sagt Mira Berger, jetzt kann sie drüber lachen. Die ersten Wochen lebt sie mit dem Touristen-Gefühl, zumal das Leben in der Großstadt ziemlich westlich aussieht. „Wo bin ich hier gelandet?”, fragt sie sich beim Anblick trister Plattenbauten und der Armut auf dem Land. „Im Winter ist dort immer alles grau.” Freie Tage und Wochenenden nutzt sie zu Ausflügen; die beeindruckenden Karpaten, das Donau-Delta: „Es gibt so viel zu sehen.”

"Die Rumänen sind sehr interessiert und neugierig"

Zumal der Kontakt zu den Einheimischen vieles wett macht: „Sehr interessiert und neugierig” reagieren die Rumänen auf die junge Deutsche, zumal Mira Berger schnell anfängt, die Landessprache zu lernen. Die beherrscht sie inzwischen gut. Schwierig? „Rumänisch ist wie Spanisch oder Italienisch.”

Urlaub machen die rumänischen Kinder derzeit hier, die erste Gruppe ist schon heimgereist, die zweite kommt jetzt an. „Die Kinder sind erschlagen von den ersten Eindrücken.” Wohl auch, weil Deutschland und die USA bei ihnen als gelobte Länder gelten. Mira Bergers Versicherung, auch hierzulande gebe es arme Menschen – wollen die jungen Gäste nicht glauben.

Den Kontakt will sie weiter pflegen

„Wir haben bitterlich geweint”, sagt sie über den Abschied von Ana und Roxana. Deshalb will sie die Kontakte weiter pflegen, erneut ins Gastland reisen. Ihr Wunsch: „Ich möchte die Kinder gerne einmal einladen.”

Familie und ihr Freund haben Mira besucht, können ihre Wahl jetzt besser verstehen. Im Freundeskreis bleibt die Skepsis: „Viele können damit überhaupt nichts anfangen.” Der 20-Jährigen ist's gleich, die positiven Eindrücke kann ihr niemand nehmen. Und das Leben in der Ferne hat Folgen: Im nächsten Jahr will die Rhaderin mit dem Studium beginnen, aber etwas näher an Rhade, in den Niederlanden.

online: Infos zur Stiftung von Gotthold und Maja Scheytt für obdachlose Kinder in Rumänien: http://www.scheytt-stiftung.de/

Andreas Rentel

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