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Cornelia Funke und das Spiel mit dem Märchenerbe

13.04.2009 | 14:59 Uhr
Cornelia Funke und das Spiel mit dem Märchenerbe

Dorsten. Bestsellerautorin Cornelia Funke arbeitet an neuen Büchern - und will sich in ihrer Heimatstadt Dorsten dafür einsetzen, die alte Bibliothek am Rathaus als "Baumhaus" wieder zu einem Ort fürs Lesen und Schreiben zu machen.

In wenigen Tagen will der Bürgermeister der berühmtesten Dorstenerin „im Exil” seine Aufwartung machen. Dabei hatte Cornelia Funke doch ihren Fans bereits angekündigt, „dass ich mich für eine Weile in einen Schreib-Eremiten verwandeln muss”, zurückgezogen ins weiße „Schreibhaus” ihres Gartens in LA.

Schließlich gab's mit den Filmstarts von „Tintenherz / Inkheart” in Berlin, New York und Hollywood rund um den 50. Geburtstag der Bestseller-Autorin große Auftritte, Auszeichnungen und Galas. Kurz: „Der Januar war ein ebenso wilder Monat wie der Dezember.” Diesem Teil ihres Berichts für die eigene Webseite schickte Funke ein „Augenzwinker”-Icon hinterher.

Allerdings ist auch die Arbeit an Jugendbüchern längst nicht nur ein einsamer Job am Schreibtisch. Mit dem Drehbuch-Autor und Produzenten Lionel Wigram liefert sich die Deutsche in Hollywood sogar voller Vergnügen „geistige Faustkämpfe”: Gemeint ist die Feinarbeit an „Reckless”, ihrem allerersten Roman in Teamarbeit.

Es ist zugleich ihre erste Geschichte mit zwei jungen Erwachsenen statt Kindern oder Jugendlichen als Helden: Die Brüder Jacob und Will Reckless (die Namen klingen nach einer Verneigung vor den Brüdern Grimm) versetzt das Autoren-Duo in ein märchenhaft verwandeltes Europa, das Cornelia Funke in einem Interview so skizzierte: „Industrialisierung mischt sich mit viktorianischer Feenbeseeltheit.” Und: „Ich möchte mit dem Märchenerbe Europas spielen.” Im Sommer soll „Reckless” bereit sein fürs Lektorat. Bis zum gedruckten Buch ist's also noch ein Weg.

Die alte Bücherei am Rathaus, heute Verwaltungsdruckerei, soll als „Baumhaus” wieder eine Bücheroase werden. Foto: WAZ, Blossey

Aber die Erzählerin arbeitet ja auch noch an weiteren Büchern. Die Liebeserklärung der Dorstenerin an ihre neue Wahlheimat Los Angeles soll „Der verlorene Engel” heißen und erzählt von einem Mädchen, das seinen Schutzengel verloren hat. Dieser Geschichte für die jüngsten Funke-Fans gibt wieder die Illustratorin Kerstin Meyer den Glanz ihrer meist strahlend bunten Bilder.

Cornelia Funke, selbst studierte Buchillustratorin und zudem Nichte des großen Zeichenkünstlers Prof. Wolfgang Schmitz, „hat es schon sehr in den Fingern gekribbelt”, zumindest eines ihrer Bücher von eigener Hand mit Bildern und Vignetten auszustatten. Schließlich hatte sie sich für ihre mittelalterliche Gespenstergeschichte aus dem alten England eigens zur Kathedrale von Salisbury aufgemacht – auch um Skizzen zu sammeln. „Ich möchte, dass diese Geschichte viele, viele Illustrationen bekommt”, schreibt die Vielbeschäftigte ihren Fans. Daher verzichtet sie nun darauf, selbst zu zeichnen – und muss sich aus der Vorschlagsliste ihres amerikanischen Verlages für einen Künstler entscheiden.

Die erste Fassung von „The Knight and the Boy” schrieb die große Verehrerin englischer Fantasy-Autoren zunächst in Englisch und ist dann „reumütig zu meiner eigenen Sprache zurückgekehrt”, wie Cornelia Funke in einem Interview bekannte. Ella und Jon heißen die jungen Romanhelden, die sich mit dem geisterhaften Ritter verbünden. Sie sind elf Jahre jung – im besten Einstiegsalter für die Fans der Funke-Romane.

Erinnerung an magische Tage im "Baumhaus"

Es waren „magische Tage” in Cornelia Funkes Kindertagen, wenn sie mit ihrem Vater die Dorstener Bücherei besuchte und stapelweise Schmöker lieh. Das frühere Bibliotheksgebäude – heute Druckerei der Stadt – steht vorm Rathaus regelrecht auf Stelzen, innen führt eine steile Wendeltreppe hinauf in den lang gestreckten Raum. Das Gebäude soll wieder der Literatur gewidmet werden, als „Baumhaus”, mit der mittlerweile weltberühmten Romanautorin als Patronin. Am Donnerstag dieser Woche fliegt Bürgermeister Lambert Lütkenhorst (nebenbei: auf eigene Kosten) nach Los Angeles, um mit Funke über das Projekt zu sprechen. Nicht über das Ob, sondern schon über das Wie, über Inhalte, über Schreib- und Leseförderung für Kinder. Funke: „Wir sind alle sehr gespannt, ob es bald wieder ein Baumhaus für Bücherwürmer in Dorsten geben wird.”

Ralph Wilms

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