Bisbu: Zahl der Bergschäden konstant
12.02.2010 | 18:38 Uhr 2010-02-12T18:38:00+0100
Altendorf-Ulfkotte.Es ist scheinbar ruhig geworden in Altendorf. Vor 14 Monaten stellte das Bergwerk Lippe den Kohleabbau unterm Dorf ein. „Aber die Zahl der neuen Schäden ist konstant geblieben. Und die RAG wird immer störrischer bei den Reparaturen“, sagt Klaus Wagner, Vorstandssprecher der Bürgerinitiative Bisbu.
Die Initiative will darum eine „politische Offensive“ starten, in der es nicht nur um Schäden im Dorf geht. Vielmehr wollen die Altendorfer drängen auf Gesetzesänderungen zum Vorteil von Bürgern, die unter Bergschäden leiden. Zum Auftakt erwarten sie am Donnerstag, 18. Februar, Reiner Priggen von den Grünen.
Der Energieexperte und Vizechef der Landtagsfraktion bekommt nachmittags gezeigt, wie der Abbau wirkt in Altendorf. Klaus Wagner und seine Mitstreiter wollen ihm den Friedhof zeigen, der durch Brunnen entwässert wird, absaufende Wälder und Felder, wollen mit ihm Betroffene besuchen, etwa eine über 90-jährige Altendorferin, deren Haus jetzt zwanzig Zentimeter Gefälle hat. „Da ist der Rolator schneller als die alte Dame“, sagt Wagner. Am Abend (19 Uhr) steht Priggen dann in einer Vorstandssitzung der Bisbu bei Erwig für Bürgerfragen zur Verfügung.
Mehr als ein Jahr nach Ende des Bergbaus sei die Situation in Altendorf nicht viel besser geworden, berichten Wagner und sein Vorstandskollege Burchard Schulze-Frenking. Die so genannten Unstetigkeiten (Bruchkanten im Gelände) setzten sich weiter fort. Es gebe mindestens drei davon, vielleicht sogar vier. Am Fahrenkamp musste in einem Haus die Bodenplatte geöffnet werden. Darunter fehlten mindestens zwanzig Zentimeter Erdreich. Am Everskamp ist ein Loch aufgerissen. Im Bereich des Sportplatzes seien noch keine Senkungen des Bodens zu sehen. Die Bisbu fürchtet, dass sie noch kommen. Die Grundwasserspiegel im Dorf sind verrutscht. Im Ortskern sind Gartenpumpen trocken gefallen, in Außenbereichen seien die Wasserstände gestiegen. Nur die Bergschläge, die haben weitestgehend aufgehört. „Mit dem aktiven Bergbau sind wir gottseidank durch“, sagt Wagner.
Die Altendorfer Initiative will nun für einige politische Forderungen kämpfen, etwa für eine bürgerfreundliche Regelung, wann Ansprüche gegenüber der RAG verjähren (derzeit nach drei Jahren – die oft zähen Verhandlungen mit Konzerngutachern unterbrechen den Fristablauf aber nicht). Die Bisbu will eine Datenbank einrichten, die Betroffenen bei der Durchsetzung von Ansprüchen hilft. Wie sich Geländehöhen und Grundwasser verändert haben, soll hier dokumentiert werden. Die Dorfmitte etwa sank seit 1979 um durchschnittlich 1,30 Meter, Extreme im Außenbereich liegen bei 11,50 Metern. Und: Der Landesverband Bergbaubetroffener soll Sitz und Stimme bekommen im Landes-Ausschuss für Bergbausicherheit.
Verhindern will die Initiative, dass die Argumentation der RAG Oberhand behält, fünf Jahre nach Abbau-Ende gebe es keine Bergschäden mehr. „Durch ansteigendes Grubenwasser können neue Schäden verursacht werden“, sagt Wagner. Auch an Altstandorten wie Gelsenkirchen, Herten, Essen oder Bochum reguliere der Bergbau schließlich bis heute neue Schieflagen und Schäden.
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