Auch in Dorsten ist Bachistan
12.02.2012 | 16:17 Uhr 2012-02-12T16:17:00+0100
Dorsten.Nein, Bachistan ist keine Stadt aus der Feder von Karl May. Bachistan ist der Name der Konzertreihe, die Michael Dierks in Stockholms Altstadt an seiner Wirkungsstätte, der historischen St. Gertruds Kirche, eingerichtet hat. Dort spielt er Orgel und leitet zwei Chöre. Seit über zehn Jahren lebt und arbeitet der Kirchenmusiker aus Dorsten in der schwedischen Hauptstadt.
„Ich habe nach dem Studium die Stellenausschreibung in der Fachzeitschrift Forum Kirchenmusik gesehen, und gedacht, das probier ich aus“ lacht der gebürtige Dorstener. Die deutsche evangelische Gemeinde in Stockholm legt wert darauf, deutsche Organisten zu beschäftigen. „Die Sprache ist wichtig, die Kantorei singt viele Choräle, vor allem von Bach“. So kam es auch zu der Konzertreihe „Bach i stan“, was nichts anderes bedeutet als, „Bach in der Stadt“. Und ein Werk von Johann Sebastian Bach hat Dierks auch mit in die Heimatstadt gebracht, bei der Marktmusik am vergangenen Samstag glänzte der mit dem Concerto C-Dur Grosso Mogul (BWV 594).
„Schön, dass es endlich geklappt hat“, kommentiert Kantor Hans-Jakob Gerlings von St. Agatha, der Michael Dierks schon vor Jahren eingeladen hat, einmal in Dorsten zu spielen. Über hundert Besucher fanden das auch und Dierks wirkte ehrlich überrascht, so viele alte Freunde wiederzusehen. Seine erste Orgellehrerin, Wilhelmine Papsdorf von der evangelischen Friedenskirche auf der Hardt, brachte Geschenke mit. „Ich glaube ich war dreizehn. Frau Papsdorf war erkrankt und der Pfarrer klingelte bei uns zuhause und hielt um meine beiden Hände an“ schmunzelt Dierks.
So fand der Klavierschüler zur Orgel, und das Instrument ließ ihn nicht mehr los. Bei Hermann Grollmann an St. Agatha absolvierte er noch während seiner Schulzeit am Petrinum den C-Kurs in Kirchenmusik. „Ich glaube, ich habe 1994 zum letzten Mal hier an der Breil-Orgel gespielt, und es ist schon erstaunlich, wie viele Details des Instruments man wiedererkennt. Die Tür am Rückpositiv klemmt immer noch etwas und die Lampe ist auch noch dieselbe“ lacht der Organist.
In Stockholm ist er mittlerweile ein bekannter Mann. In der St. Gertrudskirche bedient er auch das berühmte Glockenspiel, und zwar nicht nur mit üblichen Melodien. „Ich habe angefangen, Lilli Marleen, Pippi Langstrumpf oder die Star-Wars-Hymne zu spielen“. Dierks hat es damit mehrfach ins schwedische und deutsche Fernsehen geschafft. Glockenspiel, Orgel, Chöre, Dierks ist wunschlos glücklich in Stockholm? Oder gibt es Heimweh nach Dorsten? „Die schwedische Gesellschaft ist sehr homogen. Es gibt nicht viel Subkultur. Manchmal wünschte ich mir etwas mehr Individualität“ gibt er zu.
Von 2007 bis 2009 konnte er im kanadischen Montreal promovieren. Die multikulturelle Gesellschaft dort hat ihn begeistert: „Aber es gibt in Kanada keine einzige Orgel, die interessant ist.“ Ein weiterer Vorteil in Schweden: „Für Weiterbildung und Kinder kann man sich mit Garantie auf den Arbeitsplatz zwei bis drei Jahre beurlauben lassen“.
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