Alte Probleme, aufs neue zementiert
31.08.2010 | 16:24 Uhr 2010-08-31T16:24:00+0200
Barkenberg.Das Entsetzen ist groß über das mögliche vorzeitige Ende des Stadtumbaus. Bürger haben vor allem die Sorge, dass das bisher Erreichte im Ort aufs Spiel gesetzt wird, wenn der letzte große Wohnblock – die Schiefergruppe Himmelsberg 25-31 – unverändert stehen bleibt.
Die Schiefergruppe am Himmelsberg stehen lassen? Um Himmels willen! Genau solche Wohnungen wurden in den 1980-er Jahren mit einer Überzahl an Sozialhilfeempfängern belegt und haben so das ganze Quartier ins soziale Ungleichgewicht gebracht.
Genau diese Situation sollte der Stadtumbau und wollte auch die LEG beenden. Der Erfolg in den äußerlich farbenfroh und technisch modern sanierten Bereichen (kaum noch Leerstände, Mieter identifizieren sich mit ihrer Siedlung) gibt dem Konzept recht. Den Stadtumbau auf einer ohnehin verkürzten Strecke jetzt auf der Zielgeraden straucheln zu lassen, würde alte Sünden wiederholen und das bereits Erreichte wenn nicht zunichte machen, so doch mindestens beschädigen.
„Es macht doch gar keinen Sinn, jetzt aufzuhören und sich die alten sozialen Probleme noch einmal einzuhandeln“, sagt zum Beispiel Marion Werk, Leiterin des Bürgertreffs.
Es war Grund und Ausgangssituation für den Stadtumbau: Lange wurde zunehmender Leerstand in den Barkenberger Betonburgen übertüncht, indem hier gezielt Aussiedler, Arme, Asylbewerber einquartiert wurden. Zeitweise fielen 30 % aller Soziallasten in Barkenberg an.
Der Abriss von bisher 300 Wohnungen mit dem Stadtumbau habe Barkenberg nicht nur baulich, sondern auch das Sozialgefüge zum Guten verändert, urteilt Rainer Diebschlag, früher Didaktischer Leiter der Gesamtschule und heute Aktivposten unter vielen bürgerbewegten Barkenbergern. Das integrierte Konzept des Stadtumbaus habe in den bereits sanierten Bereichen Wirkung gezeigt. Bliebe die Schiefergruppe stehen und würde abermals konzentriert mit einer oft problematischen Klientel gefüllt, fürchtet er, würden in diesem Wohnblock die alten sozialen Probleme aufs neue zementiert.
Dabei sei das Interesse am bunten, „neuen“ Barkenberg riesig. Die Veränderung im Kern der „Neuen Stadt Wulfen“ soll ab Oktober auch gewichtiger Bestandteil einer Folkwang-Ausstellung sein zum Thema Bürgerengagement und Stadtentwicklung im Ruhrgebiet.
Frank Gläßner, Dorstens früherer Stadtbaurat und Barkenberger, sagt, er habe „große Sorge, dass der positive Impuls versiegt, wenn der Stadtumbau Fragment bleibt“. Es wäre enttäuschend, wenn das Großprojekt „so kläglich endet.“
LEG-Sprecherin Caroline Gauglitz teilte der WAZ schriftlich mit, „nach wie vor prüfen LEG und Stadt alle Möglichkeiten, gemeinsam den vierten Förderabschnitt des Stadtumbaus in Barkenberg umzusetzen. Der Förderanteil der Stadt ist dabei ein entscheidender Baustein für die Realisierung.“
Das Problem liegt in der komplizierten Fördersystematik. 1,8 Mio Euro Landesgeld zu den knapp 2,3 Mio Euro Gesamtkosten für den Abriss der Schiefergruppe bekommt Dorsten nur, wenn die LEG als Eigentümerin der Häuser den städtische Eigenanteil von 450 000 Euro übernimmt. Die Stadt verhandelt in dieser Woche mit den Aufsichtsbehörden, ob sie diesen Betrag doch über Kredite finanzieren darf. SPD-MdL Michael Hübner sagte der WAZ, er wolle sich dafür einsetzen und zugleich das Gespräch mit der LEG suchen. Hübner: „Ich halte es für falsch, in Barkenberg nach einem Dreiviertel des Weges aufzuhören. Da muss die LEG sich bewegen.“
02:57
Der 1. April ist aber schon lange vorbei, denn DAS KANN eigentlich nur ein schlechter Aprilscherz sein!
Jetzt aufzuhören, wäre eine Zumutung für alle Beteiligten; erst recht für die dort lebenden Bürger.
Viel zu lange wurde die soziale Schieflage von den Verantwortlichen ignoriert. Ausbaden mussten es die übrigen Bewohner.
SCHLUSS DAMIT!
Auch der 4. Bauabschnitt muss vollendet werden; alles andere wäre eine Farce.