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Abiball

Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht

18.06.2012 | 15:32 Uhr
Ausgelassen wird beim Abiball gefeiert - das monatelange Büffeln für die Reifeprüfung ist dann vergessen. Foto: Archiv, Olaf Furhmann

Dorsten.   Abifeten werden immer aufwendiger und teurer. Am Dorstener Petrinum beginnen die Planungen schon eineinhalb Jahre vor dem Abschluss. Allein für den Abiball rechnen die Schüler mit Kosten zwischen 25.000 und 30.000 Euro. 2013 soll sogar in der Schalke-Arena gefeiert werden.

Pauken, büffeln, lernen, ackern – die letzten Monate waren für die meisten Abiturienten kein Zuckerschlecken. Fürs Reifezeugnis ging’s auf intensive Punktejagd. Inzwischen sind die Klausuren geschrieben (bis auf die, die möglicherweise in der Nachprüfung anstehen) – und für das Gros der Gymnasiasten beginnt jetzt ein angenehmerer Zeitabschnitt. Man könnte es so umschreiben: Nach der Pflicht folgt die Kür. Im Klartext: der Abiball steht ins Haus.

Die Vorbereitungen für dieses gesellschaftliche Großereignis haben fast so viel Zeit in Anspruch genommen, wie die Vorbereitungen auf das Abitur selbst. „Wir sind damit in der zwölften Klasse angefangen“, erzählt Viola Vollmer (19 Jahre, Abi bestanden, Glückwunsch!). Nicht ganz aus eigenem Antrieb, sondern „weil die Lehrer uns den Tipp gegeben haben, frühzeitig zu starten. Weil wir nämlich in der 13 kaum noch Zeit für Planungen und Organisation haben.“

"Meistens haben wir gehört: Das gab’s schon mal"

Am Petrinum gehört es zum „guten Ton“, dass jeder Oberstufenschüler sich für mindestens ein Abi-Komitee einträgt. Insgesamt zehn standen bei den aktuellen 13ern zur Auswahl: Abi-Kommers, Abi-Gottesdienst, Abi-Ball – das sind nur einige von ihnen. Etwa zehn Leute finden sich in jeder Gruppe zusammen, im Abi-Ball-Team sogar 20. „So einmal im Monat haben wir uns für die Planungen getroffen. Bei anderen war es häufiger, bei manchen weniger“, erzählt die 19-Jährige. Auch hier erleichterten die neuen Medien den Work-Flow: „Wir haben eine riesige Gruppe bei Facebook gegründet. Dadurch ist die Terminabstimmung wesentlich einfacher geworden“, findet Vollmer. Schließlich sei jeder einmal am Tag online.

„Wir haben uns viele Gedanken gemacht, womit wir Geld für den Ball und das Drumherum verdienen können. Klar hatten wir auch gehofft, dabei neue Ideen zu entwickeln. Das ist aber verdammt schwer. Meistens haben wir gehört: Das gab’s schon mal“, lacht Viola. Also haben die jungen Leute auf Bewährtes gesetzt: „Angefangen hat es mit dem Lembecker Tiermarkt im letzten Jahr. Da haben wir durch Kuchen- und Waffelverkauf immerhin 800 € eingenommen“, ist die 19-Jährige stolz. Es folgten Waffel- und Kuchenverkauf bei Elternsprechtagen (Lehrertipp: „Eltern haben immer Geld.“), es gab Pommes und Würstchen an Projekttagen oder auch eine Car-Wash-Aktion. „Der größte Geldgeber aber war die Abi-Vorfete“, zieht Viola Vollmer Bilanz: „Rund 2000 Euro Gewinn gab’s dabei.“

 „Die Sicherheitsauflagen sind hoch und kostenintensiv“

Wer hier denkt, damit könne man doch sicherlich ein Schülerfest schon von alleine mit auf die Beine stellen, der irrt ganz gewaltig. „Wir rechnen mit Kosten von 25.000 bis 30.000 Euro für die Veranstaltung“, legt Viola Vollmer offen. „Sicherlich haben wir nicht die komplette Summe vorher aufbringen können. Den Rest teilen sich dann Eltern und Schüler, indem sie Eintrittskarten kaufen“, schildert sie. Von dem Geld, von dem man sich locker einen gute Mittelklassewagen leisten könnte, müssen die Halle (etwa 6000 €), der Catering-Service, die Band, den Security-Dienst und beispielsweise auch die Feuerwehr bezahlt werden. „Die Sicherheitsauflagen sind hoch und kostenintensiv“, haben die Schüler in den letzten Monaten gelernt. „Für eine private Feier gibt’s auch keinen Rabatt.“

Jan Delay in Dorsten

Das dürfte auch der nächste Abi-Jahrgang schon bemerkt haben, der gerade in die Planungen eingestiegen ist. Da am Petrinum dann der G8 und der G9-Jahrgang zusammen ihren Abschluss machen, wird’s eine riesige Schülersause geben: Gefeiert wird 2013 in der Schalke-Arena.

Susanne Menzel



Kommentare
19.06.2012
08:49
Warum nicht ...
von rotoheb | #6

... die Leute zu Wort kommen lassen, die wirklich über Monate heftig malocht haben um Geld in die Abi-Kasse zu spülen?

Die z.B. beim Marktfrühstück geholfen haben, die als Letzte (weil Helfer) die Vorfeten verlassen und und und?

Warum wird denen nicht zum tollen Abi mit Super-Schnitt gratulieren?

Oder muss der Artikel als private Kleinanzeige verstanden werden?

18.06.2012
17:10
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von zensek1 | #5

Abiball in der ARENA, und dann bis 35 studieren. Ich lach mich kaputt.

1 Antwort
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von digedag999 | #5-1

wer behauptet bitte, dass man heute noch bis 35 studieren kann? das war mal. die regel sind heute 3-4 jahre auswendig lernen und sich dann "bachelor" schimpfen dürfen...

18.06.2012
17:00
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von Ex-Ruhrgebietler | #4

Ich lach mich kaputt. Noch nichts geleistet im Leben, aber schon feiern wie die ganz Großen...

1 Antwort
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von julia19933991 | #4-1

Sehr geehrter Ex-Ruhrgebietler,
darf ich fragen welchen Abschluss sie erlangt haben?
Die Anforderungen an Abiturienten sind heutzutage ziemlich hoch. Es kommt zwar oft der Spruch "Abi bekommt heutzutage jeder Idiot", jedoch wäre ich daran interessiert, wie sie auf den Stoff reagieren würden, mit dem die Abis heute konfrontiert werden.
Ich kann Ihnen gerne Unterrichtsinhalte und Anforderungen an die Schüler der Jahrgangsstufen 11-13 zukommen lassen, ob Sie sich dann immer noch kaputt lachen würden ist fraglich.

Seien Sie stolz auf Ihre Leistungen, ich denke, Sie haben ein paar Jahre mehr auf dem Buckel in denen sie Erfahrungen sammeln konnten, die Abiturienten stehen noch am Anfang ihres Lebens und haben dafür schon viel erreicht, was sie auch ruhig feiern können.

Mit freundlichen Grüßen.

18.06.2012
16:46
Höher, schneller, weiter ...
von Partik | #3

Wir befinden uns in einer Spirale, die nur in Frust und Ernüchterung enden kann. Wie kann sich jemand über Erfolge im weiteren Leben freuen, wenn man als Jahrgang schon für ein popeliges Abi in Dorsten 30.000.- hinblättert?

Zur Erinnerung: es geht um das Abitur, nicht den Abschluss in Harvard ...

Meine Güte, was wäre man als heute 40jähriger der Looser in der aktuellen Abiszene, wenn man wie Anno 1990 bei Kaffee und Kuchen in der Schulaula Abschluss "feiern würde ...

1 Antwort
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von digedag999 | #3-1

locker bleiben: sind bei 60 abiturienten gerade mal 500 piepen pro person. soviel spaß muss sein!

18.06.2012
16:43
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von nylie | #2

größer, lauter - besser? Ich hätte damals weder Zeit noch Geld gehabt, um so eine Riesen-Party mitzumachen! Wir hatten die Abi-Verleihung in der Aula und die Abi-Fete in den Räumlicheiten drumrum. Jeder hatte Spaß, man konnte den Eltern mal zeigen, wie die Schule aussah, und gekostet hats auch nicht die Hölle. Ich frage mich, warum diese Sachen für 19-20-Jährige so ausarten müssen. Das hat schon was von Mein-Auto-Mein-Haus-Mein-Boot - "Schwanzvergleich" für Abiturienten

2 Antworten
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von julia19933991 | #2-1

Es ist aber nicht möglich eine Feier mit 173 Abiturienten (worauf noch 2 Elternteile, teilweise Geschwister und andere Verwandte kommen) auf der netten Kegelbahn nebenan zu organisieren.

Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von digedag999 | #2-2

jedem das seine. ihre geschichte klingt aber eher nach "zeugnis-ausgabe"

18.06.2012
16:32
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von nussknacker | #1

ja, da sieht man endlich, wer das Geld besitzt!

Hartz4 - Menschen könnten sich so etwas nicht leisten, deshalb ist unser Bildungssystem immer mehr eine Bildung für Reiche!

2 Antworten
Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von julia19933991 | #1-1

Achso, natürlich, das haben auch alle stinkreichen Millionärseltern finanziert.
Wenn man den Bericht gründlich gelesen hätte, dann wüsste man, dass die Abiturienten einen sehr großen teil beigetragen haben, beispielsweise fand nicht nur eine Abi Vor Feier statt, sondern 4-5. Mal 2000€ ist das schonmal ein hoher Anteil.
und 20€ für eine Eintrittskarte incl. Buffetnutzung ist meines Erachtens erträglich!

Abiball als kostenintensive Kür nach der Pflicht
von tobi0044 | #1-2

Kinder aus einkommensschwachen Familien wurden für unsere Stufe nicht zugelassen. 170 Millionärsfamilien aus Dorsten haben sich zusammengefunden und ihre Kinder in die gleiche Stufe geschickt. Und der Abiball, das Fest nach der Prüfung, ist sicherlich auch das Kriterium, ob man sein Abitur machen kann oder nicht. Was ein Schwachsinn!

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