Landgericht : Ermittler kaufte zum Schein Drogen
Dorsten/Essen. „Kannste bitte kommen“, spricht der Kripobeamte auf dem Zeugenstuhl der XVI. Strafkammer des Essener Landgerichts in sein Handy und macht Platz für den Auftritt des Tages im Prozess gegen fünf Angeklagte einer mutmaßlichen Dorstener Drogenbande. Platz für „Micha“, den Drogen-Scheinkäufer und Beamten des Landeskriminalamtes, der von zwei der Angeklagten im Frühjahr 2009 Kokain kaufte.
Ein bisschen wie Krimi im Kino klingt es gestern im Saal 347 a. „Ich sag jetzt einfach mal Micha“, bleibt Richter Martin Hahnemann beim Tarnnamen des LKA Beamten, dessen Personalien geheim bleiben. Der 38-Jährige mit Brille und Bart erzählt, wie einer der Männer aus dem Kundenkreis der mutmaßlichen Bande festgenommen wurde und sich bereit erklärte mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Man nannte ihn Randy.
Er brachte Micha ins Geschäft, vereinbarte einen Termin mit Markus und Jörg, den mutmaßlichen Dealern. Markus, der nach Meinung des LKA-Beamten, „der Bestimmer war“, gab grünes Licht. Micha, der vermeintliche Neukunde, durfte mitkommen. Man traf sich auf einem Parkplatz in Dorsten. Die Autos parkten Seite an Seite, erzählt der Zeuge, Fensterscheiben runter. Nach ein bisschen Geplänkel, zum Beispiel über eine Narbe von Markus, ging es zur Sache.
Vier Gramm Koks für 280 Euro wechselten den Besitzer, erinnert sich der LKA-Mann „Bei mir kannste alle Mengen haben“, soll Markus angeboten haben. Micha orderte 20 Gramm Kokain und Randy ein halbes Kilo Amphetamin. Am nächsten Tag war Übergabe, berichtet „Micha“. Man traf sich bei Burger King in Dorsten. „Hier sind zu viel Grüne“, soll Markus bemängelt haben. Nach einigem Hin und Her stieg man ins Auto und fuhr über die Dorstener Straße, vorbei am Wohngebiet, bis es nur noch „freies Feld“ gab. „Da hab ich das Zeug gebunkert“, erinnert sich der Zeuge an einen Hinweis von Markus. Der sei dann ausgestiegen, den Feldweg entlang gegangen und „hüpfte wie ein Häschen hinter den ersten oder zweiten Baum“, sagt „Micha“. Schnell sei er mit einer Plastiktüte zurückgekommen. Micha bekam die Drogen und zahlte 2400 Euro, Geld vom LKA. Zu weiteren Geschäften mit den Angeklagten sei es nicht gekommen.






